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Im Volksmund

Was der Kaffeewasserbrunnen in Gernsbach mit Kaffee zu tun hat

Der Kaffeewasserbrunnen in der Scheffelstraße in Gernsbach ist über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Warum eigentlich? Und was hat das Ganze mit Kaffee zu tun?

Beliebter Brunnen: Am Kaffeewasserbrunnen in Gernsbach füllen sich Menschen aus der ganzen Region ihre Flaschen und Kanister. Foto: Hans-Jürgen Collet

Am Kaffeewasserbrunnen in der Scheffelstraße in Gernsbach zapfen sich Menschen aus der ganzen Region Wasser ab und füllen damit Flaschen und Kanister. Aber was macht das Wasser so besonders? Und was hat das Ganze mit Kaffee zu tun?

Ein Anruf bei Petra Rheinschmidt-Bender, Pressesprecherin der Stadt Gernsbach, bringt Licht ins Dunkel. Die Stadt bezeichnet den Brunnen in Pressemitteilungen selbst als Kaffeebrunnen. Beim Landratsamt Rastatt heißt er Kaffeewasserbrunnen. Ein offizieller Name sei das nicht, erklärt Rheinschmidt-Bender. „Der Brunnen wird im Volksmund so genannt.“

Auch historisch ist über die Herkunft des Namens nichts überliefert – der Brunnen ist erst wenige Jahrzehnte alt. Rheinschmidt-Bender vermutet, dass der Brunnen so heißt, weil das Wasser besonders weich ist. Somit eigne es sich gut, um Kaffee zu kochen: „Da verkalkt die Maschine nicht so.“

Gernsbacher Kaffeewasserbrunnen hat besonders weiches Wasser

Alfred Schmitt, stellvertretender Leiter der Stadtwerke Gernsbach, bestätigt das. Das Brunnenwasser weist laut Schmitt einen Härtegrad von 4,8 auf und fällt damit in die Kategorie „weiches Wasser“. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Härtegrad des Trinkwassers, das in Gernsbach aus den Leitungen kommt, beträgt laut Schmitt 8,3.

Damit liegt das Gernsbacher Wasser an der Schwelle von weichem zu mittelhartem Wasser. Je mehr Calcium und Magnesium im Wasser gelöst sind, desto kalkhaltiger und damit härter ist das Wasser.

„Quellwasser ist oft sehr weich“, erklärt Schmitt. Zu weiches Wasser könne die Kupferleitungen angreifen, durch die es läuft. Deswegen werde sehr weiches Wasser in der Regel aufgehärtet, bevor es als Trinkwasser abgegeben wird.

Das Wasser, das aus den Hähnen an der Scheffelstraße fließt, kommt laut Schmitt aus einer Quelle in Loffenau und wird in einem Hochbehälter am Kelterberg aufbereitet. Bevor es in den Kaffeewasserbrunnen fließt, wird es mit Verbandswasser aus Rastatt-Förch vermischt und dadurch härter.

Kaffee-Experte aus Gaggenau empfiehlt Härtegrad von sieben

Je weicher das Wasser, desto besser der Kaffee? Ganz so einfach ist es nicht, verrät Stephan Zink, Inhaber der Kaffeerösterei Eisenwerk in Gaggenau: „Für guten Kaffee darf das Wasser weder zu hart noch zu weich sein.“ Kaffee mit sehr hartem Wasser schmecke flach: „Die Aromen lösen sich nicht richtig.“ Ist das Wasser dagegen zu weich, werde der Kaffee säuerlich. Denn je weicher das Wasser, desto höher der pH-Wert, also der Säuregehalt.

Ein wenig Kalk im Wasser wirke sich außerdem positiv auf den Geschmack des Kaffees aus, sagt Zink: „Kalk ist ein Geschmacksträger, ähnlich wie ein Stück Butter in der Soße.“ Für den perfekten Kaffee empfiehlt der Experte einen Härtegrad von sieben.

Der Kaffeewasserbrunnen in der Scheffelstraße hat übrigens einen kleinen, nicht ganz so prominenten Bruder: Im Schwannweg in Scheuern gibt es einen Brunnen, der im Volksmund ebenfalls Kaffeewasserbrunnen oder Kaffeebrunnen heißt. Er wird mit aufbereitetem Wasser aus der Ahorn-Quelle in Scheuern gespeist.

Die Quelle versorgt auch die Gernsbacher Stadtteile Reichental und Lautenbach mit Trinkwasser. Das Wasser, das dort aus dem Hahn kommt, ist mit einem Härtegrad von 4,2 sogar noch weicher als im Kaffeewasserbrunnen in der Scheffelstraße.

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