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In Rastatt starben schon Schwäne

Lebensgefahr für Vögel: Experten aus Mittelbaden fordern dauerhaftes Böllerverbot an Silvester

Das Böllerverbot an Silvester kam den heimischen Vogelarten zugute. Denn das laute Feuerwerk macht die Tiere panisch und orientierungslos. In Rastatt starben in den vergangenen Jahren einige Schwäne an den Folgen der Silvester-Knallerei.

Wasser als Landebahn: Schwäne brauchen einen geeigneten Untergrund, um landen zu können. Wenn sie durch Silvester-Knaller in Panik versetzt sind, versuchen sie teilweise Straßen als Landebahn zu benutzen. Foto: Alan Crowhurst/dpa

Auf den Straßen Roms lagen am Neujahrstag hunderte tote Vögel auf dem Boden. Es waren die Folgen einer Nacht, in der viele Menschen den Jahreswechsel mit Feuerwerkskörpern zelebrierten - trotz des Böller-Verbots. Laut der Internationalen Organisation zum Wohl der Tiere starben die Vögel an Herzversagen.

Ein solches Massensterben sei im Murgtal utopisch, meinen die Vogelexperten Stefan Eisenbarth aus Gernsbach und Pierre Fingermann aus Rastatt auf BNN-Nachfrage. Das Murgtal biete im Vergleich zur italienischen Hauptstadt ausreichend Rückzugsmöglichkeiten, sagt Eisenbarth. In der Region war es an Silvester wegen des coronabedingten Böllerverbots auch ruhiger als in den vorherigen Jahren.

Beide Experten fordern, dass aus dem Böllerverbot eine feste Regel werden sollte - zum Wohle der Vögel und anderer Tiere. Laut Eisenbarth versetzen bereits einzelne, laute Silvester-Knaller die heimischen Vögel in Panik. Das Feuerwerk finde in der Regel dann statt, wenn die Tiere gerade ruhen. „Sie schrecken aus dem Schlaf hoch und fliegen teils panisch weg. Im schlimmsten Fall knallen sie orientierungslos irgendwo dagegen“, sagt der Naturschutzwart des Landkreises Rastatt.

Der Gernsbacher weist auch auf die Gefahr der Erschöpfung hin. Im Winter ist es kalt und es gibt für die Vögel wenig Futter. Wenn die Tiere an Silvester verwirrt losfliegen, verbrauchen sie sehr viel Energie. Deshalb seien auch die Vögel in Rom irgendwann kollabiert, mutmaßt Eisenbarth.

Eisenbarth beobachtet Kohlmeise an Silvester

Vor ungefähr drei Jahren hat der Gernsbacher eine Kohlmeise an Silvester beobachtet. Eine spezielle Nachtsicht-Kamera filmte den Vogel im Nistkasten. Das Bild landete per Funk in Eisenbarths Wohnzimmer - direkt auf dem Fernseher.

Die Kohlmeise habe vor Beginn des Feuerwerks geschlafen. Dann sei sie bei jedem Silvester-Knaller aufgeschreckt und habe sich im Kreis gedreht. „Die Meise hat sich immer erst nach einer Zeit wieder von dem Schock erholt“, erklärt der Naturschutzwart. Sie habe aber nie den Nistkasten verlassen. Der Vogel müsse demnach gewusst haben, dass das Geräusch von außerhalb kam.

Für Schwäne sei eine solche Situation gefährlicher als für andere heimische Vogelarten, sagt Pierre Fingermann aus Rastatt. Er betreibt zusammen mit seinem Enkel Kevin eine Wildvogelauffangstation in Rastatt und betreut die Schwäne entlang der Murg bis nach Gernsbach. In Rastatt habe es in den vergangenen Jahren immer wieder vereinzelte Todesfälle bei Schwänen durch das Silvester-Feuerwerk gegeben.

Schwäne können sich nicht so gut steuern wie andere Vogelarten.
Pierre Fingermann, Vogelschützer aus Rastatt

„Schwäne können sich nicht so gut steuern wie andere Vogelarten. Sie brauchen auch immer eine Landebahn, um auf den Boden zu kommen“, betont Fingermann. Völlig verwirrt durch das Feuerwerk versuchten sie teilweise, auf der Straße zu landen.

Dabei knallten sie mit dem Kopf auf die Fahrbahn, sagt der Rastatter. „Ein Storch setzt sich zur Not aufs Dach, ein Schwan kann das nicht.“ Vom Rastatter Landratsamt fordere er regelmäßig, das Feuerwerk bei Festen nicht mit Donnerschlägen anzufangen.

Die Vögel in der Umgebung bräuchten Vorlauf, um sich auf den Lärm einzustellen, sagt Fingermann. Ansonsten könne es passieren, dass die Tiere vor Panik das Nest verlassen und die Eier darin kalt werden lassen. Sie seien teils so verängstigt, dass sich erst bei Tageslicht wieder dem eigenen Nest nähern.

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