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Betreuungsangebot für Senioren

Neue Tagespflege in Gernsbach: Sozialstation schließt Versorgungslücke im Murgtal

In wenigen Wochen eröffnet die neue und einzige Tagespflege in Gernsbach ihre Pforten. Zusammen mit einer weiteren Tagespflege in Forbach wird sie eine Versorgungslücke im Murgtal schließen. Vor der Einweihung am Samstag hat die Sozialstation Gernsbach den BNN einen Blick in ihre nagelneuen Räumlichkeiten gewährt.

In der neuen Tagespflege-Einrichtung der Sozialstation Gernsbach werden künftig Senioren aus der Stadt und aus der Nachbargemeinde Loffenau betreut. Am Samstag werden die Räumlichkeiten eingeweiht. Links: Tagespflege-Leiter Clemens Hildenbrand, Mitte: Pflegedienstleiterin Marion Koch, rechts: Vorstandsvorsitzender Jörg Lungwitz. Foto: Christiane Widmann

Das Grün blitzt überall hervor. Grüne Kissen liegen auf Sesseln, grüne Polster zieren Stuhllehnen, grüne Servietten schmücken Tische. Sie sind im großzügigen Koch- und Essbereich zu sehen, im Aktivierungs- und im Ruheraum, zwischen dunklem Holz und hellen Wänden. Noch fehlen Pflanzen und Bilder, doch die Atmosphäre in der künftigen Tagespflege ist schon jetzt freundlich. „Wir sind richtig stolz, dass es so schön geworden ist”, sagt Marion Koch. „Es soll ein bisschen sein wie daheim.”

Marion Koch ist die Pflegedienstleiterin der Sozialstation Gernsbach. Mit Clemens Hildenbrand, dem Leiter der neuen Tagespflege, und Jörg Lungwitz, dem Vorstandsvorsitzenden des Vereins, führt sie wenige Tage vor der Einweihung durch die Räume in der Schwarzwaldstraße.

Sie zeigt, wo die Tagesgäste in kaum vier Wochen Zeitung lesen, Gedächtnis- und Gymnastikübungen machen oder Mittagsschläfchen halten.

Corona-Konzept sieht vorerst ein reduziertes Angebot vor

Die Einweihung ist für Samstag angesetzt, der Betrieb startet jedoch erst am 17. August. Zunächst bietet die Sozialstation neun der 18 Plätze an. Der Grund ist das Corona-Konzept. „Wir könnten alle aufnehmen”, sagt Marion Koch. Aber „dann wäre alles isoliert”, die Tagesgäste müssten auf verschiedene Räume verteilt werden. „Es soll ja auch eine Gemeinschaft geben”, bestätigt Clemens Hildenbrand.

Alle Plätze zu belegen, dürfte nicht lang dauern. „Die Nachfrage ist wirklich richtig groß”, sagt Marion Koch. Da viele Gäste nur an einzelnen Tagen kommen, gilt jedoch: Für eine Vollbelegung sind etwa dreimal so viele Gäste wie Plätze nötig.

In der neuen Tagespflege-Einrichtung der Sozialstation Gernsbach werden künftig Senioren aus der Stadt und aus der Nachbargemeinde Loffenau betreut. Am Samstag werden die Räumlichkeiten eingeweiht. (Im Bild: Tagespflege-Leiter Clemens Hildenbrand) Foto: Christiane Widmann

Das große Interesse war zu erwarten. Im mittleren und hinteren Murgtal gibt es bislang keine Tagespflege. Wer einen Platz für ein pflegebedürftiges Familienmitglied finden will oder das Angebot selbst in Anspruch nehmen will, muss nach Gaggenau oder weiter in Richtung Rastatt ausweichen.

Bislang gibt es kein Tagespflege-Angebot zwischen Gernsbach und Forbach

Die Sozialstation in Gernsbach schließt nun die Versorgungslücke in ihrer Kommune und der Nachbargemeinde Loffenau. Sie hat schon seit längerem nach einer geeigneten Fläche Ausschau gehalten: 300 Quadratmeter brauchte sie, ebenerdig, ohne Treppe und Aufzug, sagt Jörg Lungwitz. Das Problem: „In Gernsbach hat sich nichts, aber auch gar nichts, angeboten.” Selbst ein Gelände zu kaufen und zu bebauen war für die Sozialstation zu teuer.

Ein Glücksfall war deshalb der Neubau am Bahnhof. Die Bauherren, Murat Karadag und Tobias Wüst, haben das komplette Erdgeschoss nach den Wünschen des Pflegedienstes gestaltet: von den hohen Decken bis zur barrierefreien Dusche. Die beiden Männer betreiben die Ettlinger Firma ABCE und den Gernsbacher Fahrdienst Rolliprofi. Letzterer wird ebenfalls in den Neubau ziehen und die Gäste der Tagespflege chauffieren.

Das hintere Murgtal versorgt die Sozialstation Forbach-Weisenbach ab September. Sie richtet im ehemaligen Krankenhaus in Forbach eine Tagespflege mit 12 Plätzen ein. Wie ihr Gernsbacher Pendant startet sie wegen der Corona-Pandemie mit der halben Zahl.

Nach meiner Einschätzung sind wir dann erst mal gut aufgestellt.
Peter Koch, Vorsitzender im Pflegebündnis Mittelbaden

Ob die 30 Plätze den Bedarf vollständig decken, muss sich freilich noch zeigen. „Nach meiner Einschätzung sind wir dann erst mal gut aufgestellt“, sagt Peter Koch. Er ist der Vorsitzende des Pflegebündnisses Mittelbaden und Geschäftsführer der Gaggenauer Altenhilfe. In Gaggenau hält er ein weiteres Angebot sogar für „betriebswirtschaftlich riskant”: Neben den 36 Plätzen in seiner Einrichtung und der Tagespflege von „Schwester Pia’s Team” gibt es im Umland schließlich weitere Angebote, zum Beispiel 54 Plätze in Kuppenheim. Eher vorstellbar findet er erweiterte Öffnungszeiten. „Aber da sehe ich Moment noch nicht den Bedarf.”

Nachfrage nach Tagespflege-Angeboten steigt

Doch der könnte durchaus kommen: Der Kreispflegeplan geht von einer steigenden Zahl pflegebedürftiger Menschen aus. Berechnungen legen nahe, dass sich die ihre Zahl im Landkreis Rastatt von 7.300 im Jahr 2015 auf rund 9.100 im Jahr 2030 erhöht. Mehr als die Hälfte der Betroffenen wurde 2017 ausschließlich privat gepflegt.

Ihnen und ihren Angehörigen kommen Tagespflege-Angebote zugute: Sie bieten den Senioren Abwechslung und ihren Helfern Entlastung. Ähnliches gilt für Menschen mit Pflegegrad, die alleine leben und Tagesangebote nutzen wollen.

In der neuen Tagespflege-Einrichtung der Sozialstation Gernsbach werden künftig Senioren aus der Stadt und aus der Nachbargemeinde Loffenau betreut. Am Samstag werden die Räumlichkeiten eingeweiht. Links: Pflegedienstleiterin Marion Koch, rechts: Tagespflege-Leiter Clemens Hildenbrand. Foto: Christiane Widmann

Auch finanzielle Anreize fördern die Nachfrage. Dank der Pflegestärkungsgesetze von 2015 bis 2017 haben mehr Menschen Anspruch auf Pflegeleistungen und auf Erstattungen für Tagespflege-Angebote. Diese Möglichkeit werde mittlerweile immer häufiger wahrgenommen, berichtet Peter Koch.

Pflegebündnis hofft auf eine Reform der Pflegeversicherung

Wichtig ist ihm jedoch, dass die Leistungsbeiträge der Pflegeversicherung dynamischer werden. Denn bisher bleiben die Beiträge gleich, auch wenn Preise steigen. Im stationären Bereich hat das dafür gesorgt, dass die Eigenanteile der Angehörigen „mittlerweile im schwindelerregenden Bereich“ liegen. Höhere Personalkosten spielen dabei eine Rolle - und tun das auch in Zukunft. Mehr Personal und bessere Bezahlung sind ein bekannter Wunsch im Pflegebereich.

Ein ähnliches Schicksal fürchtet Peter Koch deshalb für die Tagespflege-Beiträge. „Es wäre wünschenswert, dass die Versicherten das Niveau, das sie jetzt in Anspruch nehmen können, auch halten können”, sagt er. Er hofft deshalb auf die Debatte über eine Pflegeversicherungsreform, die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn für den Herbst angekündigt ist.

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