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Stühlerücken im Gemeinderat Gernsbach

Optikermeister hat mit der Situation in der Gernsbacher Altstadt seinen Frieden geschlossen

Fünf Monate vor der Kommunalwahl sind mit Christoph Kist und Thomas Knapp in Gernsbach zwei weitere Mandatsträger aus dem Gemeinderat ausgeschieden. Warum sie für eine erneute Kandidatur nicht infrage kommt.

Bürgermeister Julian Christ verabschiedet Stadtrat Thomas Knapp.
Bürgermeister Julian Christ verabschiedet Stadtrat Thomas Knapp (rechts). Der Optikermeister saß neun Jahre lang im Gernsbacher Gemeinderat. Foto: Nicoletta Arand

Die Anzahl der Mandatsträger im Gernsbacher Gemeinderat, die das Gremium vor Ablauf der Legislaturperiode verlassen haben, ist inzwischen auf acht angewachsen. Am Montag verabschiedeten sich Christoph Kist (CDU) und Thomas Knapp (Freie Bürger). Für sie zogen Maren Schmidt-Peker (CDU) und Ernst Fischer (Freie Bürger) ins Stadtparlament ein.

Gernsbacher Optiker-Geschäft hat sich auf neue Situation eingestellt

Das Ausscheiden von Kist ließ sich nach seinem Umzug nach Gaggenau aufgrund der Wohnort-Regel nicht vermeiden. Bei Knapp sieht das anders aus. Der Optikermeister macht gesundheitliche Gründe für seinen Entschluss geltend. Auch die berufliche Situation habe dazu beigetragen, dass der noch 65-Jährige sein kommunalpolitisches Engagement vorzeitig beendet.

Weil es nur noch gut ein halbes Jahr bis zur nächsten Kommunalwahl ist, mag dieser Schritt für manche Gernsbacher überraschend kommen. Wer Thomas Knapp kennt, weiß aber, dass er sich schon länger mit dem Ausscheiden aus dem Gemeinderat beschäftigt hat. Das bestätigt er im Gespräch mit dieser Redaktion.

„Die Situation erfordert das einfach“, betont der 65-Jährige. Damit meint er nicht etwa die Fußgängerzone in der Gernsbacher Altstadt, in der sein Geschäft liegt. Gegen die hat Knapp im Gemeinderat mit Verweis auf „teils erhebliche Umsatzeinbußen der Gewerbetreibenden“ mitunter sehr emotional argumentiert.

Mehr Personal, neue Gerätschaften

Das sei aber nicht der Grund für seinen Entschluss gewesen, versichert der Optikermeister, der in Rastatt ein weiteres Geschäft hat. Hinzu kommt im Verbund eine Filiale in Bad Herrenalb, die seine Tochter Simone Tworuschka betreibt. Auch sie weiß, dass die Verpflichtungen eines selbstständigen Unternehmers oft mit denen eines Gemeinderats zeitlich kollidieren.

Insgesamt beschäftigt die Optiker-Familie inzwischen 16 Mitarbeiter an den drei Standorten. Und sie hat kräftig investiert. Nicht nur ins Personal, auch in mobile Möglichkeiten, um selbst zu den Kunden kommen zu können.

Optiker macht jetzt auch Heimbesuche

„Er steckt jetzt seine ganze Kraft in den Laden“, sagt Tworuschka zum kommunalpolitischen Ruhestand ihres Vaters. Er sei eben nicht der Typ, der halbe Sachen macht. Das bestätigt Thomas Knapp. „Um die Arbeit im Gemeinderat so zu machen, wie ich es von mir erwarte, bräuchte ich viel mehr Zeit.“

Zeit, die der Optikermeister nicht mehr hat. Das liegt auch daran, dass er sein Geschäft an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst hat. Nicht nur wegen der durch die Fußgängerzone problembehafteten Erreichbarkeit. „Die Situation ist generell schwieriger geworden.“

Darauf habe er sich eingestellt. „Wir machen jetzt viel mehr außer Haus, haben neue Felder erschlossen“, erklärt Knapp. Das bereite ihm und seinen Kollegen „sehr viel Spaß“. Es erfordere aber auch einen zeitlichen Mehraufwand, etwa wenn sie in Altenheimen unterwegs sind, so Knapp.

Ich habe meinen Frieden damit geschlossen.
Thomas Knapp
zur Fußgängerzone in der Altstadt

„Die Spezialfälle nehmen zu“, nennt er ein weiteres Beispiel für Veränderungen in seinem Geschäftsalltag. Deshalb habe er eine Optometristin eingestellt. Die Kompetenzen eines Optometristen gehen über die eines Augenoptikers hinaus. „Damit können wir unsere Kunden noch besser versorgen. Die Kundschaft nimmt das auch an.“

Nicht zuletzt müsse Knapp auf seine Gesundheit achten. Jüngst sei er etwas angeschlagen gewesen. Auch deshalb müsse er irgendwo kürzertreten. „Und an der Arbeit ist das nicht möglich“, sagt der 65-Jährige. Deshalb hat er sein Ausscheiden aus dem Gemeinderat aus gesundheitlichen Gründen beantragt. Dem wurde am Montag einstimmig stattgegeben.

Den Freien Bürgern werde er aber treu bleiben. „Ich möchte meine Ideen weiter einbringen“, sagt Knapp mit Blick auf die Kommunalpolitik. Und richtet sein Augenmerk gleich auf ein für ihn prägendes Thema: „Ich bin Gernsbacher, ich liebe die Altstadt.“ So sei er zwar nach wie vor nicht glücklich mit der Fußgängerzone. „Ich habe aber meinen Frieden damit geschlossen.“

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