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Finaler Beschluss

Gernsbacher Pfleiderer-Areal nimmt letzte Hürde

Der Weg ist frei für die Bebauung des Pfleiderer-Areal in Gernsbach. Der Gemeinderat fasste am Montagabend den finalen Beschluss. Doch es gab auch kritische Stimmen.

Letzte Hürde genommen: Auf dem Pfleiderer-Areal sollen künftig Wohnungen, eine Naherholungsfläche und Supermärkte von Lidl und Edeka entstehen. Foto: Adrian Mahler

Grünes Licht für die Bebauung des Pfleiderer-Areals: Der Gernsbacher Gemeinderat hat am Montagabend mehrheitlich den finalen Beschluss zur Entwicklung des Wörthgartens gefasst (15 Stimmen dafür, acht dagegen, zwei Enthaltungen). Damit ist der Weg nach der zweiten Offenlage endgültig frei für das Jahrhundertprojekt mit Investitionen von 60 Millionen Euro.

„Das ist ein wichtiger Meilenstein für die Stadt“, sagte Uwe Meyer, Fraktionssprecher der Freien Wähler. „Es wird Zeit, dass die Bagger rollen.“ Gemeinderat Volker Arntz (SPD) schloss sich Meyers Aussagen an.

„Das Pfleiderer-Areal hat den Gemeinderat oft an seine Grenzen gebracht“, sagte er. „Das hat auch Gräben geöffnet.“ Die Konflikte zwischen den Räten seien aber in Gesprächen wieder geklärt worden.

Volker Arntz appellierte an den Gemeinderat, in Zukunft das Projekt nicht weiter zu torpedieren. „Der Weg ist noch lang.“ Und in der Bauphase gebe es sicherlich wieder Anknüpfungspunkte für Kritik am Vorhaben. Arntz forderte, künftig nicht mehr die Rechtsaufsicht des Landkreises Rastatt zu bemühen, um das Projekt auszubremsen.

Zum Teil gab es persönliche Beleidigungen.
Julian Christ, Bürgermeister Gernsbach

Auch Bürgermeister Julian Christ (SPD) sprach die teils hitzigen Debatten rund um das Pfleiderer-Areal an. „Zum Teil gab es persönliche Beleidigungen.“ Danach sei man aber wieder konstruktiv in den Dialog getreten. Christ bedankte sich nach dem Beschluss bei den Gemeinderäten.

Doch es gab nicht nur positive Stimmen zu dem Bauprojekt im Wörthgarten. Stefan Krieg von den Grünen betonte, dass der Supermarkt Nahkauf in der Nähe des Salmenplatzes nicht überleben werde. Denn die Konkurrenz sei mit den geplanten Supermärkten Lidl und Edeka auf dem Pfleiderer-Areal sehr groß.

Das Projekt ist ein Denkmal für Einfallslosigkeit.
Stefan Freundel, CDU-Gemeinderat

Krieg lobte dagegen, dass die Gebäude mit Photovoltaik ausgestattet werden sollen. „Wir lehnen das Projekt nicht ab“, sagte er. In den Reihen der Grünen drücke man die gemischten Gefühle aber mit Enthaltungen aus. Stefan Freundels Kritik am Vorhaben fiel sehr deutlich aus: „Das Projekt ist ein Denkmal für Einfallslosigkeit“, sagte der CDU-Gemeinderat.

Die Problematik mit dem Nahkauf bezeichnete er als Kollateralschaden, den die Stadt in Kauf nehme. Er betonte zudem, dass die Bleichstraße künftig im Verkehrschaos ersticke, weil das Pfleiderer-Areal zahlreiche Menschen etwa zum Einkaufen anlocken werde.

Außerdem müssten beim Hochwasserschutz außer dem Wörthgarten auch einmal die Gernsbacher Ortsteile berücksichtigt werden. Nach Freundels Aussage fehlt es auch an einem Hochwasserkonzept, das das erhöhte Risiko in der Schlossstraße sinnvoll angeht.

Hochwasserschutz in Gernsbach bleibt Kritikpunkt

Christ entgegnete, dass der dortige Hochwasserschutz bereits auf dem Plan stehe. „Wir machen das Stück für Stück“, sagte er. Das gleiche gilt auch für das Pfleiderer-Areal: Zunächst werden die Altlasten auf dem Areal ab Oktober für 7,2 Millionen saniert. Dann sollen die Supermärkte in der ersten Jahreshälfte 2022 entstehen.

In den Stockwerken über dem Edeka Fitterer sind Wohnungen geplant. Für die künftigen Bewohner steht zum Parken eine Tiefgarage zur Verfügung. Im Wörthgarten soll es außerdem Naherholungsflächen mit Treppen zur Murg, Gastronomie und eine Brücke zur Altstadt geben. Auch ein Quartier für betreutes Wohnen ist geplant. Dieses soll 2023 gebaut werden.

Nach Angaben der Stadtverwaltung entstehen insgesamt rund 80 Wohnungen und 35 Wohnungen im betreuten Wohnen. Bei dem Bauprojekt auf dem Pfleiderer-Areal soll eine 30.000 Quadratmeter große Brachfläche entwickelt werden. Dahinter steht als Investor die Krause-Gruppe aus Bayreuth.

Erster Gemeinderatsbeschluss 2018 für das Projekt

Im Jahr 2004 hatten sich erstmals Investoren für das brach liegende Pfleiderer-Areal interessiert. Die Firmen Lidl und Edeka verkündeten ihre Idee, auf dem Areal zwei Supermärkte zu errichten.

Danach geschah lange Zeit nichts. Dann machte die Firma Pfleiderer 2005 dicht. Drei Jahre später wurden im Boden des Areals Giftstoffe entdeckt. Eine Einigung mit der Pfleiderer Aktiengesellschaft für die Folgenutzung des Areals konnte derweil nicht erzielt werden.

Schließlich wurde die Bürgerinitiative Giftfreies Gernsbach gegründet. Sie forderte, dass das gesamte Gift auf der Fläche entfernt werden soll. Trotz des Gegenwinds ebnete ein Gemeinderats-Beschluss 2018 den Weg, dass das Pfleiderer-Areal bebaut werden kann.

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