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Probleme mit Sprengunternehmen

Sanierung in Gernsbacher Tunnel: Vier Rettungstreppenhäuser bringen mehr Sicherheit

Der Tunnel Gernsbach wird saniert. Für 16 Millionen Euro soll die Sicherheit verbessert werden. Zwischenzeitlich musste aber ein Unternehmen ausgetauscht werden. Was ist alles geplant?

Die Arbeiten an den vier Rettungsstollen zum Gernsbacher Tunnel biegen auf die Zielgerade ein. Unter dem Bahnhof ist der Rohbau zwischenzeitlich in trockenen Tüchern. Das Gesamtprojekt soll im September 2021 fertig werden. Foto: Bernd Kappler

„Ganz schön eng und deshalb für alle Beteiligten hoch anspruchsvoll.“ Wer das sagt, ist Dennis Saldern von der Bauleitung Bühl des Regierungspräsidiums Karlsruhe. Die Rede ist von der aktuell größten Baustelle in Gernsbach – genauer gesagt von vier Baustellen: Die Nachrüstung des Tunnels im Verlauf der Bundesstraße 462 mit Rettungstreppenhäusern, eine rund 16 Millionen Euro teure Maßnahme, die ein Ziel hat: Mehr Sicherheit für die Benutzer der Röhre.

Nachdem die Sprengarbeiten abgeschlossen sind und der letzte Durchbruch durch die Tunnelwand in den vergangenen Tagen erfolgt ist, biegt das Projekt so ganz allmählich auf die Zielgerade ein. Gleichwohl: Es wird vermutlich September 2021 werden, bis alle vier Rettungsstollen betriebsbereit sind. Sechs Monate mehr, als beim Baubeginn im September 2019 gehofft.

Firma aus Österreich muss einspringen

Die Gründe sind vielfältig, erläutert Dennis Saldern: Die Herstellung der Schächte war aufwändiger, weil zum Beispiel im Bereich des Treppenhauses „Kurpark“ der Fels tiefer anstand, als Probebohrungen hätten erwarten lassen. Und: Die zunächst eingesetzte Sprengfirma erfüllte die Aufgabe augenscheinlich nicht zur Zufriedenheit des Bauherrn. Es habe nachgesprengt und aufwändig nachgemeißelt werden müssen. Letztlich kam eine andere Firma aus Österreich zum Zug und die habe immerhin einen ganzen Monat aufgeholt.

Geologisch ist der Verlauf des Tunnels im Übrigen hoch spannend, denn ziemlich genau im Bereich der Loffenauer Straße geht der Fels vom so genannten „Rotliegenden“ in Granit über. Was beim Bau des eigentlichen Tunnels ganze Scharen von Geologie-Studenten nach Gernsbach gezogen hatte.

Sicherheit muss gewährleistet sein. Dennis Saldern (links) und Tobias Künstel tragen sich in die „Anwesenheitsliste“ ein. Im Hintergrund sind die Schalelemente für den Endausbau des Stollens am Bahnhof zu sehen. Foto: Bernd Kappler

Bei den Sprengungen für die Rettungsstollen sorgte die Geologie auch für unterschiedliche Strategien. So waren die Vibrationen bei den Sprengungen im Bereich des „Rotliegenden“ am Bahnhof und am Blumenweg höher als am Kurpark und weiter südlich an der Obertsroter Landstraße, wo Granit ansteht. Zu nennenswerten Schäden an oberirdischen Gebäuden sei es aber nicht gekommen, so der Bauleiter. Alle relevanten Häuser seien im Übrigen durch Sensoren überwacht und die Messungen dokumentiert worden. Ergebnis: Alles im Normbereich. Dennis Saldern: „Alle vier Baustellen haben unterschiedliche Schwierigkeitsgrade.“

Aktuell steht der Rettungsstollen an der Obertsroter Landstraße kurz vor der Fertigstellung. Das Treppenhaus ist dort auch nur etwa zehn Meter tief. Die Fassade muss noch gemacht werden ebenso einige Restarbeiten.

Am Kurpark – mit rund 50 Meter ist der Stollen dort am längsten – ist die Sohle bereits betoniert und im mit 22 Meter tiefsten „Loch“ am Blumenweg soll noch in diesem Jahr die Bodenplatte fertig werden. Dies ist in den vergangenen Tagen bereits an der vierten Baustelle am Bahnhof geschehen.

Zeitaufwendige Arbeiten

Zur Freude von Bauleiter Thomas Künstel von der ausführenden Firma Reif. Seine Mitarbeiter müssen nämlich mit der Enge auf der Baustelle zu Recht kommen. Oberirdisch, wie unter Tage. Für sämtliche Baustelleneinrichtungen steht nur minimal Platz zur Verfügung. Menschen wie Material und Maschinen müssen via Kran einzeln nach unten befördert werden. Alles zeitaufwändig.

Gottlob sei es bisher zu keinen größeren Unfällen gekommen – von eingeklemmten Fingern abgesehen. Sicherheit wird bei den Tunnelbauern im Übrigen großgeschrieben. Wer zum Beispiel via Kran im Drahtkorb nach unten schweben will, muss sich vorher oben abmelden. Falls es zu einem Zwischenfall kommen sollte, haben die Rettungskräfte dann einen Überblick wie viele Personen sich unten befinden. Ganz wichtig, so Thomas Künstel, sei auch die Tempobeschränkung im Tunnel auf 50 Stundenkilometer. Hinter den eingebauten Holzverschlägen könnten sich nämlich Menschen befinden. Im Falle eines Unfalls im Tunnel lebensgefährlich. Bis September werden die Beschränkungen noch gelten.

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