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„Finger weg von der HLA!“

Schüler und Eltern kämpfen für den Erhalt der kleinsten kaufmännischen Schule Baden-Württembergs in Gernsbach

Die Schülerzahlen an der Handelslehranstalt (HLA) in Gernsbach sinken weiter. Ursprünglich sollte daher über die Zukunft der Bildungseinrichtung am 29. September im Rastatter Schulausschuss beraten werden.

Handelslehranstalt Gernsbach: Unterschriften für den Erhalt der HLA Gernsbach wurden gestern auf dem Wochenmarkt gesammelt Foto: Joachim Kocher

Von Joachim Kocher

Wie der Pressesprecher des Landratsamtes Rastatt Michael Jahnke am Donnerstag auf BNN-Nachfrage bestätigte, steht die Thematik bei der Sitzung am 29. September nicht auf der Tagesordnung. Wann darüber letztendlich beraten wird, konnte Jahnke nicht sagen. Im vergangenen Schuljahr wurden an der HLA noch 372 Schülerinnen und Schüler unterrichtet.2015/2016 waren es noch 506. Die HLA ist damit die kleinste kaufmännische Schule in Baden-Württemberg.

Ob die Schule letztendlich geschlossen wird, steht aktuell noch nicht fest. Im Gespräch ist unter anderem auch eine Fusion mit der Carl-Benz-Schule in Gaggenau. Vor einiger Zeit wurde auch eine Petition durch die Elternvertreterin Sandra Riedinger-Huck gestartet, an der sich schon mehr als 200 Menschen beteiligt haben.

Am gestrigen Freitag hatte der Förderverein Freunde der HLA Gernsbach einen Informationsstand auf dem Gernsbacher Wochenmarkt aufgebaut. Das Thema lautet: Informationen über den Schulstandort Gernsbach. Das Interesse seitens der Bevölkerung war dabei recht groß.

Unterschriften für den Erhalt der Schule

Hierbei informierten Schüler sowie die Elternvertreterin Sandra Riedinger-Huck über die schulischen Angebote HLA, außerdem sammelten sie fleißig Unterschriften für den Erhalt der Schule. „Jede Unterschrift zählt´“, war von den Vertretern der Schule zu hören. Wer unterschrieb erhielt einen Button mit der Aufschrift “Save HLA Gernsbach“. Der Verein der Freunde der HLA Gernsbach verteilte auch ein Flugblatt mit dem Hinweis: „Finger Weg, für den Erhalt der HLA Gernsbach“.

HLA Gernsbach Für den Erhalt ihrer Schule gingen Schülerinnen und Schüler der HLA Gernsbach, Elternvertreter sowie Freunde der HLA auf die Straße Foto: Joachim Kocher

Elternvertreterin Sandra Riedinger-Huck, deren Tochter die Schule besucht, betonte im BNN- Gespräch, dass die Schülerinnen und Schüler der HLA Abschlüsse von der Hauptschule bis zum Abi, absolvieren können. Die nächsten Schulen, wo dies möglich ist, befinden sich unter anderem in Bühl und Karlsruhe sowie in Pforzheim. Die HLA-Schüler müssten somit, falls die Schule in Gernsbach geschlossen wird, einen wesentlich längeren Weg in ihre Schule in Kauf nehmen. „Mich ärgert, dass auf dem Rücken der Schüler und Lehrer das Ganze ausgetragen wird“.

Überrascht zeigte sich die Elternvertreterin zudem, dass über die Zukunft der Bildungseinrichtung im Rastatter Schulausschuss am 29. September nicht beraten wird. Sandra Riedinger-Huck hat aber nach wie vor Hoffnung, dass die Schule erhalten bleibt. Die gesammelten Unterschriften, will man dem Rastatter Schulausschuss übermitteln. „Wir wollen damit deutlich machen, dass wir eine Schließung unserer Schule nicht hinnehmen, sondern stattdessen um den Erhalt kämpfen werden“.

„Maulkorb“ für die Lehrer?

Kritik, dass Lehrer am Freitagmorgen bei der einstündigen Information nicht dabei sein durften, äußerte ein Passant, der seinen Namen allerdings nicht nennen wollte. Der Bürger sprach von einem „Maulkorb“, der den Lehrern dadurch übergezogen werde. Die Handelslehranstalt ist eine Institution, die erhalten bleiben muss, sagte Rosemarie Vollmer.

Unterstützt wird die Forderung nach dem Erhalt der HLA auch von der SPD-Bundestagsabgeordneten Gabriele Katzmarek, die sich bei der Delegiertenversammlung der Industrie-Gewerkschaft Metall, Verwaltungsstelle Gaggenau, am vergangenen Mittwoch in Rastatt mit Nachdruck für den Erhalt der HLA aussprach. „Eine Schließung wäre für mich eine falsche Entscheidung. Ich hoffe, dass die Schule in Gernsbach bleibt“.

„Wir müssen der Wahrheit ins Auge schauen“, meinte dagegen bei der gleichen Veranstaltung der CDU-Bundestagsabgeordnete Kai Whittaker. „Wir haben weniger junge Leute, deshalb wird es auch weniger Schulen geben“.

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