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Corona erfordert Disziplin

So wird im Gernsbacher Mädchenheim Weihnachten gefeiert

In diesem Jahr müssen alle auf viele lieb gewordene Traditionen verzichten. Auch das Weihnachtsfest als das wichtigste Familienfest mit seinen vielen weltlichen und religiösen Gebräuchen ist davon betroffen. Wie wird im evangelischen Mädchenheim in Gernsbach gefeiert?

Weihnachten im Mädchenheim: Dounia, Cindy und Nala (von links) schmücken ihre Wohngruppe Foto: Irene Schneid-Horn

Auch im evangelischen Mädchenheim in Gernsbach ist in diesem Jahr vieles anders. Im Gespräch mit Mädchen und Verantwortlichen erfuhren die BNN, wie sich Corona auf die Gestaltung der Vorweihnachts- und Weihnachtzeit auswirkt. Und wie es der Heimleitung und den Erzieherinnen gelingt, den Einschränkungen zu trotzen und den Mädchen ein schönes Ersatzprogramm zu bieten.

„Für Kinder und Jugendliche ist die aktuelle Zeit insgesamt schwierig, da vieles wegfällt, was zu ihrer Lebenswelt gehört, zum Beispiel Treffen mit Freundinnen sowie Vereinsleben und Aktivitäten,“ erläuterten Heimleiterin Ute Zächelein und Erziehungsleiterin Stefanie Fritz im Rahmen des BNN-Besuches. Die Mädchen Cindy, Dounia und Nala erzählten von ihren Vorbereitungen für Weihnachten.

Gottesdienst fällt dieses Jahr aus

„Die Gestaltung der Feiertage wird diesmal vollkommen anders sein,“ betonte Ute Zächelein. Bislang war es Brauch mit den etwa zwölf bis 15 Mädchen, die über Weihnachten im Heim bleiben, an Heiligabend gemeinsam eine Wanderung nach Staufenberg zu machen und dort zum Gottesdienst mit Krippenspiel zu gehen. „Das wurde von allen immer sehr gern angenommen,“ betonte die Heimleiterin. In diesem Jahr wird es keinen Gottesdienstbesuch geben. „Wir wollen den Mädchen dennoch eine schöne Zeit bereiten, Traditionen pflegen und mitgeben“, sagte die Erziehungsleiterin Stefanie Fritz.

Im Mädchenheim gibt es vier Wohngruppen. Eine Gruppe gilt als familienähnlicher Verbund. Darauf sind nun die Kontakte beschränkt. Sonst war es Sitte, dass alle zusammen essen und sich zu beschenken. „Das geht nun nicht. Jede Gruppe feiert allein für sich.“ Schon in der Vorweihnachtszeit galt diese Einschränkung. „Ich vermisse sehr, dass ich nicht in andere Gruppen gehen darf“, sagte die elfjährige Nala. Ganz schlimm war es für sie, als sie in Quarantäne war und allein in ihrem Zimmer essen musste.

Cindy beklagte eine gewisse Langeweile sie sitze viel am Computer, da keine Treffen am Nachmittag möglich sind. „Es erfordert von uns allen viel Disziplin“, erklärte Zächelein, „doch zu Glück sind wir bisher gut und ohne Erkrankungen durchgekommen.“

Schmerzlich vermisst wurde die alljährliche Adventsfeier mit vielen externen Gästen. Alle Mädchen wirkten dabei mit: ob im Chor, in der Theater-AG, bei der Moderation oder der Zirkus-AG. Wochenlang bereiteten sie ihr Programm vor.

Ausstecherle längst verputzt

Kleine Aktivitäten wie Plätzchenbacken oder Weihnachtsschmuckbasten, die ausschließlich in den einzelnen Wohngruppen stattfanden, boten in diesem Advent eine willkommene Abwechselung: „Das Spritzgebäck und die Ausstecherle mit Nutella sind längst verputzt, so lecker waren sie,“ berichtete Dounia, die sich auch um das Schmücken der Wohnung gekümmert hatte.

Immerhin konnte eine Nikolausfeier stattfinden, bei der Cindy in die Rolle des grimmigen Knecht Ruprecht schlüpfte und diese als „sehr spannend“ empfand.

Zum Jahreswechsel gibt es an Stelle des gemeinsamen Theater- und Restaurantbesuches etwas Besonderes: ein Märchenkrimidinner. „Den ganzen Tag über laufen die Vorbereitungen dazu. Es werden Kostüme ausgesucht und Essen vorbereitet. Am Abend wird dann Theater gespielt und es werden Rätsel gelöst,“ verriet Ute Zächlein.

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