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Exkursion zum Thema Wolf am Kaltenbronn

Wildbiologe bringt Teilnehmern einer Exkursion am Kaltenbronn das Leben des Wolfs näher

Der Wolf ist zurück im Schwarzwald. Bei einer Wanderung am Kaltenbronn erklärte Wildbiologe Peter Sürth den Teilnehmern, warum sie aus seiner Sicht den Wolf nicht fürchten müssen.

Hat das Leben der Wölfe erforscht: Wildbiologe Peter Sürth lässt die Teilnehmer einer Wanderung an seinem Wissen teilhaben. Foto: Rudolf Schmeiser

Seit etwa zwei bis drei Jahren lebt im Kaltenbronner Wald ein Wolf, seit diesem Jahr auch ein Luchs. Am Samstag führte der Wolfsexperte und Wildbiologe Peter Sürth eine „Vollmond-Wanderung“ durch, bei der er auch viele Vorurteile gegenüber dem Wildtier aus dem Weg räumte.

Gleich zu Beginn der Wanderung deutete Sürth aufs Rottier-Gatter und meinte scherzhaft: „Wir stehen hier beim Futter für die Wölfe.“ Er habe viele Jahre das Leben und Verhalten von Wölfen, Luchsen und Bären erforscht. Von 1996 bis 2003 war er in Rumänien für das ‚Carpathian Large Carnivore-Project‘ und hat dort „quasi fast mit den Wölfen zusammengelebt“.

Über das Verhalten des Wolfs sagte Sürth: „Der Wolf ist in sehr soziales Tier.“ Er lebe im Rudel. Wolfseltern könnten bis zu acht Welpen haben. Das Revier eines Rudels sei etwa 150 Quadratkilometer groß.

Der Wolf sei ein Weitwander-Tier. „Unser Kaltenbronner Wolf kommt ja bekanntlich aus dem Norden, aus Schneverdingen“, sagte der Experte. Was die momentane Diskussion über den Wolf betrifft, ergänzte er: „Wenn man mit Wölfen den Lebensraum teilt, muss man überlegen, wie man Rotwild, Rehe und Weidetiere schützt. Andererseits kann sich der Wolf von der Maus bis zum Bison ernähren. Und wenn es nichts anderes gibt, dann fressen Wölfe auch Früchte und Obst.“

Die Mehrheit der Jäger für ein Miteinander mit dem Wolf.
Peter Sürth, Wildbiologe

Der Höhepunkt der Wanderung war, als die Teilnehmer auf einer Anhöhe den Vollmond sahen und Sürth aus einer Box Wolfsgeheul erklingen ließ. Sürth erläuterte, dass das Heulen der Wölfe eine Art Langstreckenkommunikation sei: „Der Wolf verständigt sich mit Artgenossen und deutet zum Beispiel an, dass er einsam ist. Auch das Begrüßen und Verabschieden kann mit dem Heulen erfolgen.“ Danach durften alle Teilnehmer der Wandergruppe selbst sein eigenes Wolfsheulen an den Vollmond schicken.

Sürth ging auch auf die ökologische Rolle des Wolfs ein: „Wölfe sind selektive Jäger, deshalb greifen sie sich zuerst kranke und schwache Tiere und sorgen damit sogar dafür, dass diese Bestände gesünder werden. Wenn ein Wolf ein Tier erlegt hat, dann profitieren wiederum andere Tiere davon und selbst Meisenvögel holen sich dann mal ein Stückchen Fleisch.“ Was die ansässigen Jäger und Förster betrifft, ergänzte Sürth: „Die Mehrheit ist für ein Miteinander mit dem Wolf. Natürlich gibt es auch Jäger, die den Wolf immer noch als ihre Konkurrenz sehen.“ Der Mensch müsse lernen, sich seinen Lebensraum mit Wildtieren zu teilen. Das Risiko, dass ein Mensch von einem Wolf angefallen werde, sei sehr gering.

Für 2021 plant Sürth weitere Reisen in Wolfsgebiete in Portugal und Spanien. „Interessierte sind immer willkommen.“ Auch die Zusammenarbeit mit Schulen soll intensiviert werden. Aufgrund der momentanen Situation will Peter Sürth das Internet als Kommunikationsweg weiter ausbauen.

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