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Restrukturierung des Standorts

Papierwerk Glatfelter streicht 100 Stellen in Gernsbach

Glatfelter, ein weltweit führender Lieferant von technischen Spezialpapieren, hat am Donnerstag den Abbau von ungefähr 100 von insgesamt etwa 650 Stellen an seinem Standort in Gernsbach angekündigt. Diese Veränderung sei das Ergebnis des fortdauernden Einsatzes, Kosten effektiv zu managen und die operative Effizienz überall in den weltweiten Standorten voranzutreiben.

Der Papierhersteller Glatfelter in Gernsbach verringert derzeit die Arbeitszeiten seiner Mitarbeiter. Foto: Slobodan Mandic

Die Glatfelter GmbH wird am Standort Gernsbach rund 100 Stellen streichen. Das hat der Papierhersteller am Donnerstagnachmittag angekündigt. Betroffen sind Mitarbeiter im Bereich der metallisierten Produktlinien. „Zusätzliche Reduzierungen betreffen Produktion, Logistik und Verwaltung am Standort“, heißt es in der Pressemitteilung. Insgesamt gibt es in Gernsbach derzeit rund 650 Arbeitsplätze.

Als Grund für den Stellenabbau nennt die Firma eine „Restrukturierung der Composite Fibers Niederlassung“. Das heißt konkret: In Gernsbach werden künftig keine metallisierten Produkte mehr hergestellt. Solche Papiere werden zum Beispiel für Etiketten von Bierflaschen verwendet.

Kosteneffizienz ist ausschlaggebend

Die Produktlinien werden von nun an nur noch in einem Werk in Großbritannien gefertigt, in Caerphilly. „Diese Veränderung ist das Ergebnis des fortdauernden Einsatzes, Kosten effektiv zu managen und die operative Effizienz überall in seinen weltweiten Standorten voranzutreiben“, führt das Unternehmen aus.

Rückläufige Nachfrage

Der Bereich der metallisierten Produkte war schon 2018 von Stellenstreichungen betroffen. Der damalige Geschäftsführer Martin Rapp kündigte an, dass die Betroffenen Arbeitsplätze in anderen Bereichen der Firma erhalten sollten. Als Grund für die Streichungen sowie den Einsatz von Kurzarbeit nannte er einen Rückgang der Nachfrage nach metallisierten Papieren.

Der Betriebsrat schweigt

Wolfgang Laures, Senior Vice President, Global Supply Chain, wird zum Stellenabbau wie folgt zitiert: „Unser Übergang zu einem funktionalen operativen Modell, inklusive der kürzlich geschaffenen integrierten weltweiten Supply Chain Funktion, hat uns Möglichkeiten eröffnet, in unserem Gernsbach Standort noch effizienter zu arbeiten. Natürlich sind diese Entscheidungen mit ihren Auswirkungen auf unsere Mitarbeiter schwierig, aber sie sind notwendig, damit Glatfelter auch weiterhin Marktführer bei Composite Fibers bleiben kann. Wir arbeiten auch weiterhin eng mit dem Betriebsrat in Gernsbach zusammen, um einen möglichst sanften Übergang für die Mitarbeiter zu ermöglichen, die von der Restrukturierung betroffen sind.“

Der Betriebsrat wollte auf Anfrage hin keine Stellungnahme abgeben. Die Geschäftsleitung war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Gewerkschaft ist überrascht

Karsten Rehbein, der zuständige Bezirksleiter bei der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie in Karlsruhe, zeigte sich überrascht. Auch er habe erst am Donnerstag von den Plänen des Unternehmens erfahren, sagte er. Eine Vorwarnung habe es nicht gegeben. Noch im November ging er davon aus, dass Kündigungen in Gernsbach vermieden werden sollen. Damals war bekannt geworden, dass schon seit mehreren Wochen Kurzarbeit eingesetzt wurde. Diese sollte bis zum Jahresende fortgesetzt wird.

IG Bergbau will Kündigungen verhindern

Und nun gleich 100 gestrichene Stellen: „Das ist eine Größenordnung, die schon lange nicht mehr da gewesen ist“, sagt er. Aus Gewerkschaftssicht stehen nun Gespräche an. „Das Ziel ist, an betriebsbedingten Kündigungen vorbeizukommen.“

Es gehe darum, sich ein Bild von der Lage zu machen und ein Konzept zu erstellen, das Arbeitsplätze erhalten kann. So sei beispielsweise zu überlegen, „ob man auf den Maschinen oder angepassten Maschinen andere Produkte, die noch eine höhere Marge bieten, produzieren kann“. Ebenso sei zu prüfen, ob Arbeitskräfte in anderen Positionen gehalten werden können, zum Beispiel durch Weiterbildung.

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