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Schwieriger Einzelhandel

Hofladen Reiß in Gaggenau macht dicht

Haferflocken, Reis, Müsli oder Bio-Cornflakes: All das gibt es im Hofladen Reiß in der Gaggenauer Hauptstraße zu kaufen. Aber nicht mehr lange, denn der Inhaber öffnet seinen Laden am Samstag zum letzten Mal. Die Entscheidung fiel ihm nicht leicht und hat verschiedene Gründe.

Auslaufmodell: Der Hofladen Reiß in der Hauptstraße öffnet am 7. November zum letzten Mal seine Pforten. Foto: Hans-Peter Hegmann

Von unserem Mitarbeiter Hans-Peter Hegmann

Der Hofladen Reiß in der Gaggenauer Hauptstraße wird am Samstag zum letzten Mal geöffnet sein. Wie der Inhaber Erik Reiß darlegte, gibt es dafür nicht „den einen Grund“. Die betriebswirtschaftliche Ertragssituation erlaube es aber einfach nicht, den Laden weiterhin zu betreiben.

Er habe die Entwicklung in Gaggenau schon einige Zeit sehr intensiv beobachtet und versucht durch Veränderungen in einigen Punkten, auf die er Einfluss habe, zu reagieren. Der Entschluss sei nicht leicht gefallen, aber er habe nun eben „schweren Herzens“ diese Entscheidung getroffen.

„Selbstverständlich war ich mir schon immer darüber im Klaren, dass ich jederzeit Konkurrenz bekommen könnte“, betont Reiß zu Beginn. Da habe er nie Illusionen gehabt und nennt als „klassisches Beispiel“ einen Frisörsalon. Bevor er im März 2019 den Hofladen „Unverpackt“ eröffnete, habe er schon viele Kunden aus dem Raum Gaggenau im Hofladen im Landseehof in Haueneberstein gehabt.

Umgesetzte Mengen liegen unter den Erwartungen

Das habe ihn ebenfalls ermutigt, den Schritt zu wagen. Dazu sei das Konzept gekommen, im Laden neben eigenem Obst und Gemüse sowie regionalen Produkte auch selbstgemachte Köstlichkeiten anzubieten. „Das Angebot, Lebensmittel wie Haferflocken, Reis, Müsli oder Bio-Cornflakes nachhaltig ohne Plastik-Verpackungsmaterial einkaufen zu können, wurde zunächst gut angenommen“. Die umgesetzten Mengen lagen laut Reiß jedoch unter den Erwartungen.

Als weiteren Punkt zählt er auf, dass es im Gegensatz zum Hofladen in Haueneberstein immer sehr schwer gewesen sei, die erforderlichen Mengen an frischem Obst und Gemüse für den nächsten Verkaufstag zu kalkulieren. Die Umsätze mit seinen Hauptprodukten seien oft sehr schwankend gewesen.

Ich bin aber trotzdem immer mal wieder wegen einer Kiste Tomaten und ein paar Salatköpfen mittags nach Gaggenau gefahren, wenn diese überraschenderweise wieder früh ausverkauft waren.
Erik Reiß, Inhaber

„Ich bin aber trotzdem immer mal wieder wegen einer Kiste Tomaten und ein paar Salatköpfen mittags nach Gaggenau gefahren, wenn diese überraschenderweise wieder früh ausverkauft waren“. Hier habe sich der ursprünglich als Vorteil angesehene Vorteil mit der Laufkundschaft in der Stadt eher als nachteilig herauskristallisiert.

„In Haueneberstein fahren die Kunden mit dem Auto im Landseehof vor den Laden, kaufen ein und tragen die Einkäufe wenige Meter zum Kofferraum. In Gaggenau gab es nur ganz selten die Situation, dass jemand mit mehreren Taschen, gefüllt mit Feldsalat, Bohnen und Äpfeln durch die Fußgängerzone bis zur Tiefgarage laufen wollte“.

Querfeldein-Laden am Amalienberg hat strategischen Vorteil erkannt

Diesen strategischen Vorteil hätten die Familien Fraß und Metzinger mit ihrem neu eröffnete Querfeldein-Laden im ehemaligen Hofgut auf dem Amalienberg klar erkannt. Hier passe sowohl das großzügige Raum- und Parkplatzangebot als auch das gesamte Ambiente einfach besser zu einem Hofladen.

„Aber sie sind sicher nicht schuld daran, dass ich meinen Laden in Gaggenau schließen muss“, betont Reiß zum Schluss des Gespräches. Da habe vermutlich die gesamte Situation im Lebensmittel-Einzelhandel während der letzten Monate einen weitaus größeren Einfluss gehabt.

Er wird sich nun wieder verstärkt der bereits begonnen Umstellung des Landseehofs auf regenerative Landwirtschaft mit anderen Techniken konzentrieren.

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