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Jahresauftakt-Gespräch

IG Metall Gaggenau verliert Mitglieder

Die aktuelle Situation in den Betrieben der Region, die Tarifpolitik sowie die Schwerpunkte der IG Metall (IGM) Gaggenau im Jahr 2021 haben im Mittelpunkt des Jahresauftakt-Pressegespräches gestanden.

Claudia Peter, 1. Bevollmächtigte der IG Metall steht am Rednerpult. Foto: Archivfoto: Joachim Kocher

Die Erste Bevollmächtigte Claudia Peter betonte, dass die IGM-Verwaltungsstelle Gaggenau im vergangenen Jahr insgesamt 1.500 Mitglieder, darunter 700 betriebliche verloren habe: „Dies ist eine hohe Zahl, die auch bitter ist.“ Positiv sei dagegen, dass man 80 Prozent aller neuen Auszubildenden als IGM-Mitglieder gewonnen habe. Aktuell verzeichne die Verwaltungsstelle Gaggenau über 23.000 Mitglieder, darunter 14.500 betriebliche.

Auf die aktuelle Lage in den Betrieben ging zu Beginn der Pressekonferenz unter anderem Udo Roth, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender von Mercedes Benz in Gaggenau, ein. Er bezeichnete die Entwicklung als positiv. „Wir sind auf einem guten Weg“, betonte Roth, „im Truck-Bereich allerdings noch nicht auf dem Vor-Krisen-Niveau. Probleme bereitet auch in Gaggenau die Halbleiterentwicklung. Uns beschäftigt aktuell auch das Sparprogramm im indirekten Bereich.“ Das erzeuge Frust und Unsicherheit.

„Aktuell sind wir in Kurzarbeit“, betonte der Betriebsratsvorsitzende des Mercedes Benz Werkes in Rastatt, Murat Sür. Am 8. Februar beginne die Produktion wieder. Der Betriebsratsvorsitzende sprach von positiven Zeichen, was die Produktion angehe, und er freute er sich darüber, dass alle Leiharbeiter gehalten werden konnten.

Unsicherheiten in 2021

Alexandra Schlager von Siemens in Rastatt betonte, dass man seit Beginn von Corona eine gute Auftragslage und Auslastung habe. Klaus Schulz von Ruf Betten in Rastatt sprach von einem relativ erfolgreichen Jahr 2020: „Viele Menschen haben Möbel gekauft.“ Aktuell verzeichne man jedoch Unsicherheiten. „Das Jahr 2021 ist schwieriger.“

Auch Claudia Peter sprach von einer Stabilisierung der Wirtschaft, ebenso von einer hohen Disziplin bei den erforderlichen Maßnahmen. Die Betriebe seien vorbildlich unterwegs. Jedoch sei das Homeoffice für viele eine Belastung. Nicht unerwähnt blieben die Sparpakete der Unternehmen: „Viel geht hierbei zu Lasten der Beschäftigten.“

Recht ausführlich nahm Peter zur diesjährige Tarifrunde Stellung. „Wir machen seit Jahrzehnten eine erfolgreiche Tarifpolitik und sorgen für Realeinkommenssteigerungen. Zudem sind wir in der Lage, in der jeweiligen Situation zu agieren.“ Das Forderungsvolumen betrage in diesem Jahr vier Prozent.

Es solle der Erhöhung der Einkommen, aber auch einer Beschäftigungssicherung durch Arbeitszeitreduzierung mit Teilentgeltausgleich zugutekommen. Die Arbeitgeber, so die Erste Bevollmächtigte, hätten eigenständige Forderungen aufgestellt. So forderten sie unter anderem Einschränkungen in der Alterssicherung sowie die Absenkung tarifvertraglicher Standards.

Peter: „Es knirscht gewaltig“

Insgesamt wollen die Unternehmen Arbeitskosten senken und betriebliche Abweichungen erleichtern. Außerdem lehnen sie eine Entgeltsteigerung vor 2022 ab. „Es knirscht ganz gewaltig“, betonte Peter. Sie hob hervor, dass die Friedenspflicht bis zum 1. März gehe: „Wir bereiten bereits aktuell Warnstreiks vor.“ In der Textil- und Bekleidungsindustrie sieht es ähnlich aus. Ein Haus-Tarifvertrag wurde dagegen mit der Firma Mayr-Melnhof abgeschlossen. In zwei Stufen erhalten die dortigen Arbeitnehmer 2,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt.

„Unser Ziel 2021 ist eine erfolgreiche Tarifrunde in allen Bereichen. Zu den Schwerpunkten 2021 gehört auch die Vorbereitung der Betriebsratswahlen und die betriebliche und regionale Gestaltung der Transformationsprozesse“, schloss Peter.

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