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Waldpädagogik bietet Vorteile

In diesen Gaggenauer Kindergärten kehrt trotz Corona Alltag ein

Auch wenn Kindergärten wieder nah am Normalbetrieb arbeiten, bleibt die Corona-Prävention eine große Herausforderung für Erzieher, Einrichtungsträger und Eltern. Doch beim Besuch in zwei Gaggenauer Kitas zeigt sich: Waldkindergärten haben einen großen Vorteil.

Kinder werden kreativ: Beim Spiel in der Natur lassen sie ihrer Fantasie freien Lauf. In der Aufnahme begutachtet Andrea Hennersdorf, die Leiterin des Waldkindergartens in Gaggenau, das Baumaterial für ein „Tierhotel“. Foto: Christiane Widmann

Im Kern lautet er: Die Kinder spielen im Freien mit wenig Material. „Wir bleiben so weit es geht draußen“, sagt Andrea Hennersdorf, die Leiterin der „Waldhummeln“. Ihre 27 Schützlinge sind in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine bleibt in der Nähe des Schutzhauses, die andere erkundet mit dem Bollerwagen den Wald oder unternimmt einen Ausflug. Mal basteln die Kinder, mal singen sie Lieder, mal lassen sie sich Baum- und Tierarten erklären.

Haufenweise Spielzeug zu putzen ist nicht nötig: „Wir haben Schubkarren, wir haben Schaufeln.“ Dazu gibt es je nach Projekt noch Schere, Stift und Papier. Bis 14.30 Uhr sorgen die sechs Erzieher so für Beschäftigung. Im seltenen Fall eines überraschenden Unwetters dürften alle gemeinsam die Hütte nutzen.

Kinder verstehen viel, sie akzeptieren viel.
Andrea Hennersdorf, Leiterin des Waldkindergartens

Ungewohnt ist das häufige Händewaschen, das Desinfektionsmittel, die Maskenpflicht. Allerdings: „Wenn wir mit den Kindern arbeiten, setzen wir den Mundschutz ab“, sagt Hennersdorf. Kinder müssten den Gesichtsausdruck sehen. Auch der Abstand ist nicht dauerhaft einzuhalten. „Kinder verstehen viel, sie akzeptieren viel“, aber beim Spielen gehen die Regeln schon mal unter.

In der evangelischen Kita ist der Alltag viel strikter organisiert. Das muss er auch sein: 115 Kinder werden derzeit dort betreut, verteilt auf sechs Gruppen und 18 Erzieherinnen. Die Gruppen dürfen sich nicht durchmischen. Deshalb ist selbst der Garten mit Absperrband in sechs Spielbereiche eingeteilt worden. Wer welchen nutzen darf, wechselt täglich nach dem Wunsch der Kinder. Nur bei kleinen Projekten dürfen feste Partnergruppen zusammenkommen.

Sämtliche Ausflüge fallen flach

„Die Kinder haben das relativ schnell verstanden“, sagt die Leiterin Regina Eisele. Sie haben auch schnell Wege gefunden, auf Distanz mit anderen Gruppen zu plaudern oder zu spielen. „Einem Kind ist einfach wichtig, dass es Spielfläche hat, seine Freunde hat, die Bezugs-Erzieherin da ist und es Dinge ausprobieren darf. Und das ist ja möglich.“ Die Kinder dürfen radeln, toben und buddeln.

Wir müssen nicht hinter dem Kind her desinfizieren.
Regina Eisele, Leiterin der evangelischen Kita

„Wir können natürlich nicht so arbeiten, wie wir es gewohnt sind“, sagt Eisele. Die Erzieher müssen mehr lüften und putzen, aber immerhin „nicht hinter dem Kind her desinfizieren“. Spielzeug wird zum Beispiel erst abends gereinigt. „Ich denke, das Wichtigste ist: Die Hände waschen.“ Das üben die Kinder auch.

Besonders einschneidend ist, dass die Gruppen das Gelände nicht verlassen dürfen. Sämtliche Ausflüge fallen flach. Das übliche Vorschulangebot muss angepasst werden: Normalerweise würden Vorschüler der Kita und des Kindergarten St. Marien in die Hans-Thoma-Schule gehen. Ähnliches gilt für die „Waldhummeln“. Die Zusammenarbeit mit dem Turnerbund Bad Rotenfels liegt ebenfalls auf Eis. Events wie das Laternenfest sollen aber ermöglicht werden.

Auch Eltern müssen Einschnitte hinnehmen. Sie können zwar die übliche Betreuungszeit in Anspruch nehmen, aber keine flexiblen Zeiten. Außerdem dürfen sie die Kita nur in Ausnahmefällen betreten. Daheim bleiben müssen die Kinder in beiden Einrichtungen, wenn sie klassische Krankheitssymptome zeigen. Bei trockenem Husten herrscht wegen Corona verstärkte Vorsicht. „Wir sind keiner der Panik macht“, betont Eisele. Aber andere sollten nicht gefährdet werden.

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