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Sonnen-Apotheke schließt

Jetzt auch in Bad Rotenfels: Das Apotheken-Sterben im Murgtal geht weiter

Mit der Sonnen-Apotheke in Bad Rotenfels schließt die dritte Apotheke im Murgtal innerhalb eines Jahres. Das Problem: Personalmangel. Die Politiker hätten den Beruf unattraktiv gemacht, beklagt der Inhaber.

Schließt Ende März: Inhaber Otto Köllner geht in den Ruhestand. Seine Apotheke in Bad Rotenfels muss er nach fast 40 Jahren aufgeben, weil er keinen Nachfolger findet. Foto: Gundi Woll

Nach fast 40 Jahren schließt Otto Köllner Ende März die Türe seiner Sonnen-Apotheke in Gaggenau-Bad Rotenfels für immer. Drei Jahre lang hat der 69-Jährige nach einem Nachfolger gesucht. Auf seine Inserate in Fachzeitschriften haben sich etwa zehn Interessenten gemeldet. Am Ende wollte aber keiner die Apotheke in der Murgtalstraße 26 übernehmen.

„Dass ich die Apotheke deshalb nun schließen muss, ist schon eine psychische Belastung. Ich habe sie ja aufgebaut“, sagt Köllner. Auch für die drei Angestellten bedeutet die Geschäftsaufgabe einen harten Einschnitt. Sie müssen sich nach einer neuen Stelle umsehen.

Ute Götz ist für die Bestellungen, die Warenannahme und alle anderen kaufmännischen Tätigkeiten in der Sonnen-Apotheke verantwortlich. Die 52-Jährige hat sich bereits arbeitslos gemeldet. Dennoch schaut sie hoffnungsvoll in die Zukunft: „Ich denke, dass ich wieder etwas finde.“ Etwas besorgt zeigt sie sich über mögliche Probleme wegen ihres Alters.

Versäumnis: Die politischen Entscheidungen in den vergangenen Jahrzehnten hätten den Beruf des Apothekers unattraktiv gemacht, beklagt Otto Köllner. Foto: Gundi Woll

Die Apotheke vor Ort sei besonders in ländlichen Regionen sehr wichtig, sagt Köllner. „Wir haben fast nur Stammkunden. Die meisten kennen wir mit Namen.“ Etwa Bernd Lochmann. Seit 20 Jahren löst er in der Sonnen-Apotheke seine Rezepte ein.

Er freut sich sichtlich, Köllner zu sehen, reicht ihm sein Rezept und beginnt ein Gespräch. Auch nachdem er schon bezahlt hat, diskutiert Lochmann noch mit dem Apotheker über die Politik der von den Grünen angeführten Landesregierung.

Ich kann es immer noch nicht fassen. Wo soll ich denn dann hin?
Bernd Lochmann, Stammkunde der Sonnen-Apotheke

Es wird eines seiner letzten Gespräche in der Sonnen-Apotheke sein. Dass die Apotheke seines Vertrauens am 26. März zum letzten Mal öffnet, ist für ihn unbegreiflich.

„Ich kann es immer noch nicht fassen. Wo soll ich denn dann hin?“ Der persönliche Kontakt mit den Kunden und die Beratung könnten Internet-Apotheken nicht bieten, sagt der Apotheker Köllner. „Wenn die Kunden ihr Rezept bei uns abgeben, tauchen auch oft Fragen zur richtigen Einnahme und der Dosierung auf.“

Konkurrenz durch Internet-Apotheken wächst

Doch gerade die jüngere Generation kaufe pharmazeutische Produkte vermehrt online, berichtet Köllner. Das schade insbesondere den kleinen Apotheken. „Wir können da preislich nicht mithalten.“

Die beiden Corona-Lockdowns hätten die Internet-Konkurrenz noch einmal gestärkt. „Viele Leute waren verhalten und haben lieber online bestellt“, sagt der Apotheker.

„Sie sind auch seltener zum Arzt gegangen. Die Arzt-Rezepte, die wir sonst haben, sind großteils weggefallen.“ Stattdessen hätten er und seine Mitarbeiter mit den Gutscheinen für die Masken einen viel höheren Organisations- und Verwaltungsaufwand.

Forderung an Politiker: Apotheker-Beruf muss wieder attraktiver werden

Neben der Flößer-Apotheke in Hörden und der Johannes-Apotheke in Forbach ist die Sonnen-Apotheke nun die dritte, die innerhalb eines knappen Jahres im Murgtal schließt.

Das Problem: Personalmangel. Durch die politischen Maßnahmen der vergangenen drei Jahrzehnte habe der Beruf an Attraktivität verloren, sagt Köllner. „Die jungen Leute heutzutage wollen Sicherheit.“

Doch die Vergütung sei nicht angemessen. Der Festzuschlag etwa, den die Apotheken für verschreibungspflichtige Medikamente von den Krankenkassen erhalten, sei in den vergangenen Jahren nicht angehoben worden.

Zudem entschieden nur Politiker und Krankenkassen über die Höhe des Festzuschlags. „Apotheker müssen in diese Entscheidung mit eingebunden werden und stimmberechtigt sein“, fordert Köllner.

Wer als Apotheker eine Stelle in einem ländlichen Gebiet annimmt, sollte staatliche Zuschüsse erhalten.
Otto Köllner, Inhaber der Sonnen-Apotheke Bad Rotenfels

Der Inhaber der Johannes-Apotheke in Forbach, Karl-Heinz Wilhelm, führt den Personalmangel auch auf die etwas abgeschiedene geografische Lage zurück: „Forbach ist da nicht gerade beliebt.“

Um wieder mehr Menschen für den Beruf zu begeistern, könnte sich Köllner ein Konzept ähnlich der Förderung für Landärzte vorstellen. „Wer als Apotheker eine Stelle in einem ländlichen Gebiet annimmt, sollte staatliche Zuschüsse erhalten.“

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