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Nach Aufregung in Karlsruhe

Kein Hausverbot für stillende Mütter in Murgtäler Cafés

Zwei stillende Mütter haben in einem Karlsruher Café nach eigener Aussage Hausverbot erhalten. Deshalb demonstrierten Frauen und Männer vor dem Café für das Recht auf öffentliches Stillen. Die BNN haben sich bei Café-Inhabern im Murgtal umgehört, wie sie zu dem Thema stehen.

In einem Karlsruher Café sind stillende Mütter nicht willkommen. Damit lösten die Inhaber eine emotionale Debatte im Netz aus. Foto: Zinken

Stillen in der Öffentlichkeit: Die natürlichste Sache der Welt oder doch etwa unanständig? Die Inhaber des Karlsruher Café Brenner hatten unlängst für Aufregung gesorgt, weil sie zwei stillende Mütter gebeten hatten, nicht mehr wiederzukommen . Dagegen hatten rund 25 Menschen Tage später vor dem Café demonstriert. Die BNN haben sich deshalb im Murgtal umgehört, wie Betreiber und Gäste zu diesem Thema stehen.

Im Brezels am Gaggenauer Marktplatz sind stillende Mütter willkommen. „Überhaupt kein Problem“, sagt Inhaberin Iris Baumstark. „Wir hatten damit noch nie Schwierigkeiten, unsere anderen Gäste tolerieren das.“

Entspannte Gastgeberin: Iris Baumstark bietet stillenden Müttern im Gaggenauer Café Brezels ihr Büro als Rückzugsort an. Foto: Körner

Zum Stillen bietet Baumstark den Müttern eine ruhige Ecke an oder, wenn sie selbst da ist, sogar ihr Büro. Viel nackte Haut sieht man im Gaggenauer Café ohnehin nicht: „Die meisten Frauen machen das sehr dezent.“

Café-Besucher finden öffentliches Stillen okay

Auch Mario Venezia, der im Brezels gerade seinen Kaffee trinkt, sieht das Stillen in der Öffentlichkeit sehr entspannt: „Gar kein Thema.“ Man müsse auch bedenken, sagt er, dass manche Babys auf die Muttermilch angewiesen sind, selbst wenn die Frauen ihnen Fläschchen geben wollten. „Einige Kinder sind gegen das Milchpulver allergisch“, sagt Venezia, „und die müssen ja auch ihren Durst stillen.“

Dem jungen Mann ist allerdings aufgefallen, dass Stillen nicht gleich Stillen ist. „Manche Frauen machen es fast verschämt, andere dagegen sehr offen.“

Zu meiner Zeit hat man das in den eigenen vier Wänden gemacht.
Eine Café-Besucherin aus Gaggenau erinnert sich.

Ein paar Meter hinter ihm sitzen zwei ältere Damen. „Als Frau habe ich damit kein Problem“, sagt eine der Beiden, „schließlich kenne ich das auch.“ Ihre Bekannte nickt zustimmend.

Das Café Brenner in Karlsruhe Foto: Donecker

Allerdings, räumt sie ein, sei der Umgang mit dem Stillen auch ein bisschen eine Generationenfrage: „Zu meiner Zeit hat man das in den eigenen vier Wänden gemacht“, erzählt sie, „vielleicht sind deshalb manche älteren Gäste irritiert.“

Mir würde es nie einfallen, stillenden Müttern Hausverbot zu erteilen!
Café-Inhaber Stephan Zink

Stephan Zink, Inhaber der Rösterei Eisenwerk in Gaggenau, hat viele junge Frauen unter seinen Gästen. Es kommt schon auch mal vor, dass im Café gestillt wird.

„Mir würde es nie einfallen, diesen Müttern Hausverbot zu erteilen“, betont er, „wir sind doch im 21. Jahrhundert!“ Gäste hätten sich darüber nie beschwert: „Ich kann mich auch an keine schiefen Blicke erinnern.“

Stillen ist im Café Felix kein Problem

Derselbe Tenor murgaufwärts. „Hier waren bislang nur wenige Mütter, die ihre Kinder gestillt haben“, berichtet Claudia Dresel vom Café Felix in Gernsbach. Beschwerden? Auch hier Fehlanzeige.

Sie selbst findet das Stillen in ihrem Café „völlig in Ordnung“. Wenn überhaupt, dann habe man ein Platzproblem wegen der Kinderwagen.

Die meisten Mütter machen das sehr dezent. Niemand holt die ganze Brust raus
Café-Inhaberin Barbara Radspieler

„Die meisten Mütter machen das sehr dezent“, hat auch Barbara Radspieler beobachtet, „niemand holt die ganze Brust raus.“ Sie ist Inhaberin des Café am Markt in Gernsbach und hat ein gemischtes Publikum: „Zu uns kommen viele ältere, aber auch junge Familien.“

Zwar ist auch Radspieler aufgefallen, „dass die jüngere Generation mit dem Stillen offener umgeht“ – Beschwerden gab es bislang aber nicht. Radspieler stört es allenfalls, wenn Gäste in ihrem Café ungefragt fotografieren. „Schließlich habe ich das Hausrecht“, betont sie.

Michael Brenner, der Inhaber des Karlsruher Cafés hat mittlerweile übrigens betont, nicht das Stillen, sondern der Kinderlärm sei das Problem gewesen. Die beiden betroffenen Frauen bestreiten dies.

Schwierige Rechtslage

Was das Stillen angeht, ist die rechtliche Lage nicht ganz eindeutig. In einem Bericht zur „Zulässigkeit des Stillens in Cafés und Gaststätten“ des Deutschen Bundestages heißt es hierzu:

Im Grundsatz habe ein Gastwirt zwar die Möglichkeit, „in der Ausübung seines Hausrechts der stillenden Mutter ein Hausverbot zu erteilen.“ Dem könnten aber „Diskriminierungsverbote entgegenstehen.“ Ein Hausverbot wegen Stillens treffe nämlich „stets den weiblichen Elternteil und damit Frauen.“

Gastwirt hat Hausrecht

Es gibt aber zwei Ausnahmen. Zum einen kann ein Hausverbot durch einen Gastwirt dann gültig sein, wenn noch kein „Bewirtungsvertrag“ mit dem Gast zustande gekommen ist – also noch keine Bestellung aufgenommen wurde. Wenn der Gastwirt zu diesem Zeitpunkt darauf hinweist, dass Stillen im Café nicht erwünscht ist, ist dieses Hausverbot rechtlich gültig.

Außerdem darf er ein Hausverbot aussprechen, wenn er „begründete Sorgen haben muss, dass sich andere Gäste (…) durch den Anblick des Stillvorganges in ihrem Schamgefühl berührt sehen, sich entsprechend unwohl fühlen, eventuell die Gaststätte verlassen oder gar nicht erst betreten.“

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