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Endlich wieder Jahrmarkt

„Kleine Herbstmesse“ in Gaggenau hat unter Auflagen mit 28 Schaustellerfamilien begonnen

Die „kleine Herbstmesse“ in Gaggenau hat unter Corona-Auflagen begonnen. 28 Schaustellerfamilien locken mit ihren Angeboten auf den Annemasseplatz. Der erste Tag leidet unter dem Regen.

Wie im Straßenverkehr: Bei der „kleinen Herbstmesse“ auf dem Annemasseplatz gilt für die Besucher eine Einbahnregelung, um Kontakte zu vermeiden. Foto: Hans-Jürgen Collet

„Ich freu mich auf einen Fischweck. Den krieg ich hier. Und mein Enkel sieht auch wieder etwas Anderes als seinen Sandkasten.“ Marita Jendrek, die den kleinen Anton an der Hand hat, gehört am Donnerstagnachmittag zu den ersten Besuchern der „kleinen“ Herbstmesse in Gaggenau.

Der traditionsreiche Vergnügungspark darf in diesem Jahr unter Corona-Auflagen nur in kleinerem Rahmen stattfinden; 28 Schaustellerfamilien halten ihre Angebote auf dem Annemasseplatz bereit. Weil pünktlich zur Eröffnung ein Regenschauer niedergeht, hält sich die Besucherzahl in Grenzen.

Start des Jahrmarkts ist verregnet

Auch zum Fassanstich am Abend, gesponsert von der Brauerei Franz, öffnet der Himmel seine Schleusen. Oberbürgermeister Christof Florus stellt den Mut der Schausteller heraus und spricht davon, wie wichtig die Herbstmesse ist - für die Anbieter, aber auch für Gaggenau und seine Geschäfte und nicht zuletzt für die Familien.

Veranstalter der „kleinen Herbstmesse“ - offiziell ist vom „Pop-up-Freizeitpark“ die Rede, wobei Pop up dafür steht, dass der Park zeitlich begrenzt ist - ist die Interessengemeinschaft der Schausteller, der als eingetragener Firma fünf Betriebe angehören. Sie bringen für Gaggenau die Erfahrung aus Rastatt mit, wo an vier verlängerten Wochenenden im Zeitraum zwischen dem 20. August und dem 13. September der Festplatz seine Tore geöffnet hatte.

„Wir haben dort gezeigt, dass wir Schausteller das können und wir haben festgestellt, dass wir von unserem Publikum vermisst worden sind“, sagt Hugo Lewy von der Interessengemeinschaft im BNN-Gespräch. Vier Monate Vorbereitungszeit hat es gebraucht, um ein Vergnügungsangebot in Corona-Zeiten auf die Beine zu stellen.

„Die Städte Rastatt und Gaggenau sind die Vorreiter im Land. Wir sind sehr dankbar für den Mut und die Unterstützung der Kommunen“, betont Lewy. Das Konzept aus dem Murgtal könnte Schule machen; jüngst habe es bereits kommunale Nachfragen unter anderem aus Karlsruhe, Ettlingen, Offenburg und Freiburg gegeben.

Jahrmärkte brachen weg

Wann er die letzten Einnahmen vor dem Freizeitpark in Rastatt hatte? Hugo Lewy muss nicht lange nachdenken: „Das war am 23. Dezember 2019, dem letzten Tag des Rastatter Weihnachtsmarktes“. Es folgten wie sonst auch drei Monate Winterpause, die üblicherweise für Reparaturen und Neuanschaffungen genutzt werden.

Pünktlich zum Frühjahr ist dann eigentlich wieder Saison für die Schausteller. Eigentlich. In diesem Jahr kam es wegen Corona ganz anders. Alle Jahrmärkte brachen weg, die Corona-Auflagen mündeten de facto in ein Berufsverbot für die Schaustellerbranche. Und die „kleine Herbstmesse“ jetzt? „Die ist keine Rettung für uns. Aber wir können zumindest wieder den Kühlschrank füllen - und wir können zeigen, dass wir noch da sind“, macht Hugo Lewy deutlich.

Die ganze Hoffnung der Branche ruht jetzt auf den Weihnachtsmärkten. „Wenn die nicht stattfinden dürfen, gehen 70 bis 80 Prozent aller Betriebe kaputt“, malt Lewy, selbst Schausteller in der sechsten Generation, ein düsteres Bild.

15.000 Euro zusätzliche Kosten

Vor seinem Biergarten sind, wie überall auf dem Annemasseplatz, Markierungen angebracht. Die weisen den Besuchern den Weg; sorgfältig sind Ein- und Ausgänge ausgeschildert worden, damit möglichst erst gar kein „Begegnungsverkehr“ entsteht. Der Aufwand kostet.

Lewy spricht von rund 15.000 Euro zusätzlichen Kosten - für Sicherheitspersonal, für zusätzliche Zäune, Zelte und Planen, für ein Temperaturmessgerät am Eingang. „Es ist Aufwand, aber es ist machbar“, blickt Lewy über den Platz. Vor allem gilt: „Es ist gut für die Psyche, dass wir wieder was machen können.“ Dass wieder Leben in die Stadt kommt, das hat im Vorfeld auch die Stadtverwaltung mit Blick auf die Herbstmesse light betont.

Die Besucher freut’s. Die Schüler Romeo und Bilal, beide 13, besuchen sonst auch immer den Jahrmarkt, deshalb sind sie auch jetzt wieder hier, gleich zu Beginn des Jahrmarkts. Gotthilf Mayer gehört zu den älteren Jahrgängen, er vermisst seinen Kräuterstand, wie er sagt. Die Angebote der Marktstände, die sonst ganze Straßen bevölkerten, fallen diesmal komplett weg.

Nur ein Verein ist dabei

Maimarkt und Herbstmesse sind in Gaggenau auch immer die Feste der Vereine, die mit ihren Ständen die Kasse auffüllen. Auch das ist diesmal anders. Von den teilnehmenden Vereinen ist einzig der Angelsportverein Gaggenau-Ottenau-Murgtal übrig geblieben: „Unser Fischerfest am 1. Mai musste ausfallen, jetzt haben wir zumindest für das erste Wochenende der kleinen Herbstmesse unsere Zusage gegeben“, sagen Klaus Felde und Kurt Holfelder. Die Resonanz wird zeigen, ob sie auch noch an den weiteren Wochenenden dabei sind.

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