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Zwei Gründe

Warum am Samstag und Sonntag die Glocken von St. Josef in Gaggenau um 19.22 Uhr läuten

Anlässlich des Gaggenauer Stadtjubiläums bietet die Kirchengemeinde St. Josef Kirchenführungen an. Zudem läuten am Wochenende die Kirchenglocken um 19.22 Uhr. Warum?

Im Kirchturm von „St. Josef“ läutet seit nunmehr 100 Jahren die Elisabethenglocke.
Im Kirchturm von „St. Josef“ läutet seit nunmehr 100 Jahren die Elisabethenglocke. Foto: Joachim Kocher

Anlässlich der Feierlichkeiten 100 Jahre Stadtrechte Gaggenau finden in der katholischen Kirche St. Josef am Samstag und Sonntag auch Kirchenführungen jeweils stündlich zwischen 13.30 und 16.30 Uhr statt, an denen Interessierte ohne Voranmeldung teilnehmen können. Außerdem werden die Glocken des Gotteshauses an beiden Tagen um 19.22 Uhr läuten. Doch warum findet das Glockenläuten um 19.22 Uhr statt? Dieser Frage ging unsere Redaktion im Vorfeld der Feierlichkeiten nach.

Die Entscheidung mit dem Glockenläuten hat nach Aussage von Stadtpfarrer Tobias Merz zwei Gründe. Zu einem ist es der Verleihung des Stadtrechtes vor 100 Jahren 1922 geschuldet, ein weiterer sehr wichtiger Punkt für diese Entscheidung ist jedoch die Elisabethenglocke, die sich seit dem Jahre 1922 mit einer kurzen Unterbrechung durch den Krieg im Kirchturm von St. Josef befindet und ebenfalls 100 Jahre alt ist.

Elisabethenglocke wurde vor der Einschmelzung verschont

Die Elisabethenglocke ist die kleinste Glocke im Kirchturm von St. Josef und wurde daher von der Einschmelzung für Kriegszwecke während dem 2. Weltkrieg verschont. Die restlichen vier Glocken wurden am 4. Mai 1942 vom Turm heruntergeholt und als Schrott mit anderem Material zunächst am Güterbahnhof zwischengelagert, wie aus einem Beitrag von Manfred Reufsteck über die Kirchenglocken von St, Josef hervorgeht. Schließlich sollte ihr Material Tod und Verderben bringen. Am 10. September 1944 als das Inferno über Gaggenau durch einen Fliegerangriff hereinbrach und die Kirche völlig ausbrannte, verstummte auch die letzte Glocke, die Elisabethenglocke.

Die kleinste Glocke des St. Josef-Geläuts wurde 1922 durch die Firma Bachert aus Karlsruhe gegossen und im Turm installiert. Sie wiegt rund 350 Kilogramm. In die Glocke ist ein Relief der heiligen Elisabeth eingegossen und dazu die Inschrift: „Heilige Elisabeth, Patronin der christlichen Caritas, bitte für uns“. Erst in der Nahsicht, so Pfarrer Tobias Merz, erkennt man, welch tolle handwerkliche Arbeit in der Herstellung der Glocke steckt.

Die Elisabethenglocke ist die einzige Glocke aus dem St. Josefs-Geläut, die den Zweiten Weltkrieg und somit auch die Angriffe auf Gaggenau ohne Beschädigung überstanden und nach Aussage von Pfarrer Merz an Pfingsten 1945 zum ersten Mal nach dem Krieg wieder geläutet wurde. Zuvor musste die Glocke zunächst aus Schuttbergen befreit und provisorisch aufgehängt werden.

Mehr als elf Jahre dauerte es, bis die Kirche St. Josef nach dem Krieg wieder über ein vollständiges Glocken-Geläut verfügte. Am Freitag, 16. November 1956, trafen fünf neue Glocken in Gaggenau ein, die Glockenweihe fand zwei Tage später statt. Zusammen mit der seit Kriegsende verbliebenden Elisabethenglocke ergeben alle sechs Glocken seither ein harmonisches Zusammenspiel der Töne.

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