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Auch kochen wird im Lockdown beliebter

Markthändler und Hofläden rund um Gaggenau spüren gestiegene Nachfrage nach Regionalem

Im Lockdown gehören Marktbesuche für viele Menschen zu den wenigen noch verbliebenen Highlights der Woche. Davon profitieren die Händler - und hat Einfluss auf das Konsumentenverhalten.

Wochenmarkt wird zum Event: Händler Axel Seitz präsentiert eine Kiste Feldsalat am Stand auf dem Wochenmarkt in Gernsbach. Foto: Christiane Krause-Dimmock

Laura ist eine Alleskönnerin. Fast wie Annabelle, die ebenfalls zu den Allroundern zählt. Nicht nur diese beiden Kartoffelsorten erfreuen sich seit Monaten wachsender Beliebtheit in den Kochtöpfen und Pfannen im Murgtal.

Das Einkauf-, Koch- und Essverhalten der Menschen hat sich während der Pandemie offenbar verändert. Ist das tatsächlich eine Corona-Folge? Eine Frage, deren Beantwortung bei Hofläden und Marktbeschickern nachgegangen wurde.

„Man kocht wieder mehr selbst“, hat Regina Fraß festgestellt. Doch das gilt längst nicht nur für die Kartoffeln, auch wenn deren Absatz deutlich gestiegen ist. „Wir spüren das auch beim Fleisch.“ Die Verbraucher schauen genauer hin, wollen wissen wo die Produkte herkommen, die zuhause auf den Tisch kommen.

Während ihre Tochter Damaris auf dem Amalienberg und sie selbst in Lichtenau Hofläden betreiben, hat ihr Bruder Thomas Metzinger eigene Schweine und Rinder. Wo das Fleisch herstammt, welches sie in den Hofläden anbieten, kann also leicht nachvollzogen werden.

Das sei kein Problem. Kompliziert kann es dagegen werden, wenn bestimmte Fleischstücke gewünscht werden. Ganz ähnlich dem Satz, den ein Discounter prägte, heißt es auch hier „Wenn weg, dann weg“. Dann ist Kreativität gefragt. Die Kunden sind da tatsächlich offen, stellt sie zunehmend fest. Man probiere auch mal Neues.

Kunden probieren neue Lebensmittel

Beim Gemüse ist das offenbar ganz genauso. „Grünkohl war früher zum Beispiel ein Gemüse, das auf dem Markt kaum ging“, will Axel Seitz dem Geschmacksgeheimnis nun selbst auf die Spur kommen. „Ich muss das unbedingt mal probieren“, räumt er schmunzelnd ein, dass er bis jetzt noch nicht zu den Fans gehört. Doch das soll sich bei passender Gelegenheit nun ändern. Seine Kunden auf dem Gernsbacher Wochenmarkt haben ihn neugierig gemacht.

Aber auch andere Wintergemüse sind im Augenblick gefragt, ganz gleich ob Feldsalat oder Rosenkohl, weiß Harald Hund, der einige Meter weiter seinen Stand aufgeschlagen hat.

Wetter beeinflusst Ess-Verhalten

In Sachen Speiseplan spüre man durchaus auch den Einfluss von Wetter und Sonne, ist Regina Fraß überzeugt. Kaum war es vorbei mit dem Frost und die Temperaturen schossen wieder nach oben, stieg sofort die Nachfrage nach Blattsalaten. „Wir bieten sie etwa als Mischung an“, sei am vergangenen Wochenende ein deutlich Run auf genau diese Kreation zu beobachten gewesen. „Aber auch alles, was jetzt in die Jahreszeit passt, wird nachgefragt.“

Das gelte gleichermaßen für Mehl und Hefe, erzählt sie schmunzelnd von einem Kunden, der sich erstmals an ein selbstgebackenes Brot wagen wollte. „Ich habe genügend Backstuben-Erfahrung. Da helfe ich natürlich gerne mit der Anleitung weiter.“

Man nimmt sich also auch wieder mehr Zeit fürs Kochen und das Einkaufen, ist eine Erkenntnis, die Axel Seitz übrigens auch daran festmacht, dass weitaus mehr Paare auf den Markt. Ganz oft käme es dann vor, dass angesichts des Angebots der Speiseplan diskutiert wird.

Auch Jüngere greifen zu frischen Produkten

„Auch viele junge Menschen, weit mehr als früher, kaufen sich die frischen Zutaten um selbst zu kochen“, ist eine Erkenntnis, die Regina Fraß viel Freude macht.

„Klar, viele sind im Homeoffice, können gegenwärtig natürlich weder in die Kantine noch in Restaurants. Das spürst Du einfach“, hat Harald Hund auch ein ausgeprägtes Gesundheitsbewusstsein seiner Marktkunden festgestellt. Sein Aronia-Saft, der aus einer wahren Powerbeere gewonnen werde, finde beispielsweise großen Zuspruch.

„Man schaut eben genauer hin“, weiß Axel Seitz und verweist etwa auf den Feldsalat, der jetzt noch Saison hat. Knackig sieht er aus. Die Blätter stehen dicht. „Den kann man gut und gerne eine Woche aufheben.“ Zwar nicht ganz so lange wie Annabelle und Laura, aber eben doch ganz schön lange.

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