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Fuchs-Kaninchen und Zwergstrupp-Hühner

Martin Moser aus Rotenfels züchtet vom Aussterben bedrohte Haustierrassen

Schon der Uropa war Züchter: Der Kleintierzüchter aus dem Gaggenauer Stadtteil Rotenfels will den Fortbestand bedrohter Rassen sichern.

Kleintierzüchter Martin Moser, seine ältere Tochter Annalena und Patenkind Clara. Die Fuchs-Kaninchen, die die Mädchen auf dem Schoß haben, gelten als extrem gefährdete Rasse. Foto: Christiane Krause-Dimmock

Bei den Mosers zu Hause gab es immer Tiere. Der Uropa hielt Brieftauben. Die Eltern haben Hasen gezüchtet. Keine Frage, dass Spross Martin schon sehr früh in dieses Thema einstieg. Heute, inzwischen 43 Jahre jung, hat er sich in erster Linie der Erhaltungszucht verschrieben.

Neben seinen Kaninchen der Rasse Lux, die mittlerweile als stark gefährdet gilt, nimmt er sich seit geraumer Zeit auch der Art „Fuchs“ an. Geplant war das nicht, denn der engagierte Fachmann hält obendrein auch Geflügel. Doch als ein Vereinskamerad verstarb, hat er sich entschlossen, sich um den Fortbestand der hübschen Tiere im Farbenschlag „gelb“ anzunehmen.

Wie groß die jeweilige Bedrohung ist, zeigt sich jeweils in der vom der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung aufgelegten „Roten Liste“. Gemäß dieser gab es 2017 noch 185 Rammler und 332 Häsinnen, die von 108 Züchtern gehalten wurden. Sprich sie sind laut öffentlicher Einschätzung stark gefährdet.

Diese eher kleinen Nutzkaninchen wurden ehedem zur Fleischgewinnung gehalten und entstanden 1920 durch entsprechende Kreuzungen. Dahinter stand das Ansinnen, die Farbe des Luxpelzes zu erhalten.

Extrem gefährdet

Um die Fuchs-Kaninchen ist es sogar noch schlimmer bestellt. Sie gelten sogar als extrem gefährdet. Diese Rasse mit dem etwas verlängerten Normalhaar bestand hierzulande 2017 aus nur mehr 70 Rammlern und 121 Häsinnen, die von 42 Züchtern gehalten wurden. Als sie 1930 in Leipzig auf der internationalen Pelzfachausstellung gezeigt wurden, überzeugte die Struktur ihres Fells – gemessen am Edelfuchs - jedoch nicht. Daran mag es wohl liegen, dass diese Rasse heute zu der am meisten gefährdeten in Deutschland gilt.

Eine Entwicklung, der Menschen wie Martin Moser ein wenig entgegenwirken. Denn würden sich seine Züchterkollegen und er dem Thema nicht annehmen, wären diese Kaninchen bald gänzlich verschwunden.

New Hampshire Hühner aus der Zucht von Kleintierzüchter Martin Moser aus Gaggenau-Bad Rotenfels Foto: Christiane Krause-Dimmock

Das gilt auch für verschiedenes Geflügel wie etwa für die Deutsche Pute, die ebenfalls stark gefährdet ist und nicht zuletzt aus diesem Grund bei Mosers zu Hause ist, wo auch seine Zwerg New Hampshire-Hühner leben, die dem 43-Jährigen inzwischen den Titel Landesmeister und Badischer Meister eingebracht haben, nachdem er 2008 bei einer Schau auf diese Tiere aufmerksam geworden war und die Zucht aufnahm. Zwergstrupphühner, Brieftauben, Wellensittiche und natürlich der Familienhund machen das Idyll jedoch erst richtig bunt.

Kaum vorstellbar, dass Martin Moser sich bedingt durch die Bundeswehrzeit und andere Interessen, für einige Jahre gänzlich aus der aktiven Zucht zurückgezogen hat. „Den Bezug habe ich jedoch nie verloren.“ Dass er nun wieder eigene Bestände hat, ist der Überzeugungskraft von Zuchtwart Helmut Tietdke und dem damaligen Vorsitzenden Marco Wiedemann zu verdanken. Sie weckten bei dem dreifachen Familienvater sehr schnell die Lust auf einen Neustart.

Tochter und Patenkind mischen mit

Trotz vollberuflicher Tätigkeit als Sicherheitsingenieur nimmt Martin Moser sich viel Zeit für die Pflege und Betreuung seiner Schützlinge. „Ich empfinde das gar nicht als Arbeit. Das ist für mich sogar sehr entspannend.“ Eine Attitüde, die irgendwie ansteckend zu wirken scheint. Seine ältere Tochter Annalena und Patenkind Clara hat er längst mit dem Virus infiziert, insbesondere was die kleinen pelzigen Tierchen anbelangt. Die bekommen einmal täglich ihr Körnerfutter, brauchen aber obendrein ständig Heu, erklärt er. Dazu gibt es regelmäßig Frischfutter.

Wissen, welches er gerne mit dem Nachwuchs teilt. Doch was hinter der Kunst der Zucht steht, das weiß gegenwärtig nur er. Denn geht es um den Fortbestand, sind noch viel weiter reichende Kenntnisse gefragt, erzählt er von glucksigen Hennen und von der Mauser, die für Tier und Halter zur Herausforderung werden können, und das über Wochen.

All das bestimmt wiederum den Rhythmus, in dem Ausstellungen abgehalten werden. Im Frühjahr gibt es neue Küken, die bis zum Herbst wachsen. Dann kommt die Mauser. Wenn diese etwa Mitte Oktober endet, sind die Tiere wieder im wahrsten Sinne des Wortes vorzeigbar.

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