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Landtagswahl und Inklusion

Student gibt Menschen mit Behinderung in Gaggenau einen „Crashkurs“ zur Landtagswahl

Der Student Robin Röder will Menschen mit Behinderung bei der Wahl helfen. Deshalb erklärt er bei einer Infoveranstaltung in den Murgtal-Werkstätten in Gaggenau-Ottenau Basiswissen zur Landtagswahl.

Der Rotenfelser Rolf Merklinger (links), Beschäftigter in den Murgtal-Werkstätten, zeigt mit der Stefanie Maiwald die Wahlunterlagen in leichter Sprache. Foto: Adrian Mahler

Rolf Merklinger tippt mit seinem Zeigefinger auf das Bild eines Politikers. „Die Person wähle ich“, sagt er. Bereits vor der Infoveranstaltung in den Murgtal-Werkstätten hat er sich nach eigener Aussage entschieden, für welche Partei er am Sonntag seine Stimme gibt.

Trotzdem sei der Vortrag in Gaggenau-Ottenau zur Landtagswahl interessant gewesen, bestätigt der Beschäftigte der Murgtal-Werkstätten mit einem Kopfnicken. Merklinger, der eine graue Baskenmütze trägt, will am Sonntag gemeinsam mit seinem Bruder zum Wahllokal gehen und dort sein Kreuz machen.

Wir dürfen die Wählergruppen nicht vergessen, die ansonsten nicht so stark im Vordergrund stehen.
Robin Röder, Student

Merklinger hat Trisomie 21. Er ist einer von drei Menschen mit Behinderung, die am Donnerstag dem Vortrag von Robin Röder lauschen. Der junge Mann macht ein duales Studium bei der Lebenshilfe Rastatt/Murgtal im Fach „Social Management“ und will den Zuhörern die Hintergründe der Landtagswahl in Baden-Württemberg näherbringen.

„Wir dürfen die Wählergruppen nicht vergessen, die ansonsten nicht so stark im Vordergrund stehen“, erklärt er. In seinem Vortrag kürze er gewisse Aspekte bewusst ab, damit dieser nicht länger als eine halbe Stunde gehe.

Menschen mit Behinderung wählen wegen des Coronavirus zur Sicherheit lieber per Brief

Zu Beginn seiner Präsentation zeigt Röder den Anwesenden ein Blatt, auf dem der Sitzungssaal des Landtags in Stuttgart zu sehen ist. Danach stellt Röder die einzelnen Parteien vor, die aktuell im Landtag sitzen.

„Im Wahlkampf versucht jede Partei, so viele Stimmen wie möglich zu ergattern“, betont Röder. Dann erklärt er in kleinen Schritten, wie ein Stimmzettel ausgefüllt wird. Im letzten Teil seiner Präsentation spricht er darüber, wie die Parteien zu einzelnen Themen wie etwa Landwirtschaft, Klimaschutz, Frauenquote und Barrierefreiheit stehen. Am Ende seines Vortrags sagt Röder: „Was ihr wählt, entscheidet ihr allein.“

Es hat mir sehr viel gebracht, dabei gewesen zu sein.
Tassilo von Breidbach, Teilnehmer

Der Teilnehmer Tassilo von Breidbach lauscht dem Vortrag mit großem Interesse. Manchmal nickt er, als Röder auf bestimmte Themen und die Stellung der Parteien dazu eingeht. „Es hat mir sehr viel gebracht, dabei gewesen zu sein“, sagt er.

Von Breidbach hat Autismus und wohnt im Gernsbacher Ortsteil Hilpertsau. Ihm seien vor allem Wirtschaftsthemen wichtig. Generell ordnet er sich als politisch interessierten Menschen ein. Auf die Frage, ob er regelmäßig an Wahlen teilnimmt, sagt der Hilpertsauer kurz und knapp: „Ja.“

Dann fährt von Breidbach fort: „Ich informiere mich im Internet oder Fernsehen.“ Dass er in diesem Jahr per Brief wählt, sei eine absolute Ausnahme. Normalerweise gehe er ins Wahllokal. Wegen der Corona-Pandemie und einer erhöhten Ansteckungsgefahr will er in diesem Jahr aber auf Nummer sicher gehen.

Corona-Pandemie darf kein Hindernis für die Landtagswahl sein

Robin Röder findet es wichtig, dass die Pandemie nicht zum Hindernis für die Wahlberechtigten wird. Nach der Veranstaltung in den Murgtal-Werkstätten zieht er ein gemischtes Fazit.

Bei zwei Vorträgen für Menschen mit Behinderung bei der Lebenshilfe in Rastatt hätte es mehr Interaktion gegeben. Das lag seiner Ansicht nach auch daran, dass an beiden Terminen zusammen insgesamt 25 Interessierte teilgenommen haben – deutlich mehr als in Gaggenau.

Bei der ersten Gruppe in Rastatt sei eine richtige Diskussion entstanden, sagt Röder. Die Veranstaltung habe über eine Stunde gedauert. „Es hängt sehr stark davon ab, wie viele Teilnehmer dabei sind und wie fit sie sind“, sagt er. Obwohl der Student mit mehr Anwesenden in Ottenau gerechnet hat, ist er zufrieden. Die Anwesenden hätten auf jeden Fall etwas mitgenommen.

Stefanie Maiwald, auszubildende Arbeitserzieherin von der Paritätischen Schule in Hausach, sagt: „Merklinger hat zwar die ganze Zeit nicht den Anschein gemacht, dass er zuhört.“ Doch als sie ihn fragt, bei welchem Thema er besonders aufgepasst hat, sagt er: „Bei der Landwirtschaft.“

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