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Wald und Wild in gesundes Verhältnis bringen

Müssen Jäger rund um Gaggenau mehr Rehe abschießen, um Bäume zu retten?

Der Bund will den vermehrten Abschuss von Rehen ermöglichen, um junge Laubbäume besser zu schützen. Was ändert sich durch das neue Jagdgesetz?

Erschwerte Bedingungen: Rehe und andere Waldbewohner leiden unter der Hitze und Trockenheit. Tagsüber halten viele Tiere derzeit Siesta. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Von Christiane Krause-Dimmock

Mehr Laubbäume sollen zwischen Kiefern und Fichten wachsen. Bleibt der Verbiss dabei mäßig, dann sei das gar kein großes Problem, erklärt Markus Krebs, der im Forstamt für den Bezirk Gaggenau zuständig ist. Allerdings gibt es in seinem Zuständigkeitsbereich auch echte Brennpunkte. Und die entstehen häufig, wenn sowohl Reh- als auch Rotwild sich in großer Zahl an den jungen Trieben der Pflanzen gütlich tun.

Das angestrebte vernünftige Verhältnis zwischen Wald und Wild ist dann aus der Waage geraten. Um das nach Möglichkeit zu vermeiden, werde regelmäßig beobachtet, wie sich der Wald entwickelt. Alle drei Jahre wird ein forstliches Gutachten zum Reh-Abschuss erstellt. Im Grunde genommen wird dabei in Augenschein genommen, wie es sich mit dem Verbiss verhält. Die Zielvereinbarung zwischen Verpächtern und Jägern orientiert sich jeweils an diesen Erkenntnissen. Während hier alle drei Jahre nachjustiert wird, existiert beim Rotwild ein jährlicher behördlicher Abschussplan.

Eine offizielle Abschussquote gibt es in Baden-Württemberg also nicht, bekräftigt auch Kreisjägermeister Frank Schröder, der die Notwendigkeit des Waldumbaus ebenso sieht. Hier müssen alle Beteiligten zusammenarbeiten.

Sensible Vorgehensweise für Wild-Problematik gefordert

Wie man mit der jetzigen Situation umgeht, das lasse sich wohl nicht pauschal lösen. Eine sensible Vorgehensweise ist seines Erachten gefragt, eine, mit der alle Beteiligten leben können. Mit Vergrämungen könnte in bestimmten Bereichen gearbeitet werden. Überwacht vom Jagdsitz aus würde man in einem solchen Fall gezielt Tiere schießen und damit relativ schnell erreichen, dass die Gattung sich aus diesem Bereich fernhält.

Schwerpunktbejagung an Brennpunkten unterstützt auch Markus Krebs. Der Meinung des Kreisjägermeisters, dass die Folgen zu starken Verbisses nur in Zuwachsverlusten oder schlechten Baumformen liegen würden, widerspricht er jedoch.

Starker Verbiss führe zu erheblichen ökologischen Verlusten, da Rehe und Hirsche selektiv verbeißen. Da bleiben die wichtigen aber verbissgefährdeten Mischbaumarten wie Tanne, Eiche, Buche, Ahorn oder Linde auf der Strecke. Und gerade in Zeiten des Klimawandels setzt Förster Krebs große Hoffnung auf Vielfalt im Wald, also auf einen gut gemischten Waldaufbau. Und dafür brauche es bei der Waldverjüngung die Unterstützung durch engagierte Bejagung.

Mein klares Plädoyer lautet: Wald und Wild und nicht Wald vor Wild.
Frank Schröder

Die Probleme sind im Wald ringsum übrigens ganz unterschiedlicher Natur, weiß Frank Schröder sehr wohl um die Notwendigkeit des geplanten Waldumbaus. Doch sollte das Wild nicht dafür büßen müssen. „Mein klares Plädoyer lautet: Wald und Wild und nicht Wald vor Wild.“ Die wirtschaftlichen Zwänge sieht er allerdings auch und hat viel Verständnis für die Waldbesitzer und den Forst.

Schwarz-Weiß-Malerei lehnt auch Förster Krebs ab und betont, dass sowohl die Zielsetzung über die Waldbewirtschaftung als auch über die Jagdbewirtschaftung bei den jeweiligen Grundeigentümern liegt.

Menschen haben Rotwild aus Auen verdrängt

Frank Schröder gibt zu bedenken, dass das Rotwild, das deutlich größer als das Rehwild ist, eigentlich ein Steppentier sei. „Wir haben es in den Hochbereich verdrängt. Es gehört in die Auen.“

Wenn der Mensch es noch weiter verdrängt, dann wagt es sich nicht mehr aus seinen Refugien heraus. Die Folge ist, dass es zu schälen beginnt. Auch hier sind seines Erachtens viel Fingerspitzengefühl und individuelle Lösungen gefragt. Den Jagddruck senken etwa oder auch Besucherstöme gezielt lenken, das könnte helfen.

Und wenn es gar nicht anders geht, dann müssen eben die inzwischen nicht mehr so beliebten Schutzhüllen her. „Das alles bedarf allerdings eines Gesamtkonzepts.“

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