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Biberratten aus Südamerika

Nutrias sind die heimlichen Stars am Gaggenauer Murgsee

Früher wurden sie wegen ihres Felles gezüchtet. Ausgewilderte Nutrias leben heute an der Murg und anderen Gewässern in der Region. Die Biberratten sind nicht scheu, zeigen sich auch am Gaggenauer Murgsee regelmäßig.

Inzwischen ein gewohnter Anblick: Eine Nutria steigt am Murgsee in Gaggenau aus dem Wasser. Foto: Elke Schapeler

Von Elke Schapeler

Geruhsam erklimmt ein großes bepelztes Tier das Gestade am Murgsee. Eine Nutria! Respektvoll machen die Enten Platz und beäugen das seltsame Lebewesen sicherheitshalber aus gemessenem Abstand. Einige Passanten bleiben interessiert stehen, zücken ihr Handy für ein Foto. Fasziniert betrachten zwei Kinder die überhaupt nicht scheue Nutria, die mit ihren Schwimmhäuten an den Hinterfüßen wie ein liebenswertes Fabeltier anmutet. Die fünfte Zehe ist frei und erleichtert den Tieren das Heraufklettern an Uferböschungen sowie die Fellpflege.

Die Nutria tut sich am frischen Gras gütlich und lässt sich weder von den neugierigen Zweibeinern noch von einem aufgeregt bellenden Vierbeiner aus der Ruhe bringen. Die Tiere sind tag- und nachtaktiv, leben größtenteils aquatisch und kommen nur zum Fressen, Sonnen und zu diversen sozialen Aktivitäten wie der gegenseitigen Fellpflege an Land.

Früher wurden für Nutria-Felle hohe Preise bezahlt

Ursprünglich stammt die Nutria – auch Sumpfbiber oder Biberratte genannt – aus Südamerika, wo sie in den subtropischen und gemäßigten Klimazonen an Flüssen, Seen, Teichen und Sümpfen lebt. Ihr matt glänzender, wasserabweisender Pelz wäre den Nagern beinahe zum Verhängnis geworden, denn für Nutria-Felle wurden früher hohe Preise bezahlt. Anfang des 19. Jahrhunderts waren daher alle in Freiheit lebenden Nutrias den Jägern zum Opfer gefallen. Strenge Schutzmaßnahmen verhinderten ihr Aussterben.

Ob ihrer begehrten Felle wurden die Nager fortan in Pelztierfarmen gezüchtet. Dort büxten sie immer wieder aus oder wurden an Flüssen und Seen ausgesetzt. Somit hat sich ihr Bestand in Europa vermehrt. Die schwimmenden Säugetiere, die nur in Gebieten mit milden Wintern überleben, haben auffallend lange, leuchtend weiße Schnurr- und Tasthaare. Charakteristisch sind auch ihre großen orangefarbenen Nagezähne.

Eine zweite Nutria steigt aus der Murg und wird sogleich vom ersten Landgänger freudig begrüßt. Die geselligen Tiere widmen sich gründlich und ausgiebig der gegenseitigen Fellpflege, wobei sie mit einem fettigen Sekret ihr Fell einreiben. Damit ist ihre Haut auch bei längeren Tauchgängen geschützt. Die putzigen Nager sind neugierig und verspielt, prüfen alles für sie Neue genau, erheitern die Parkbesucher immer wieder mit ihren Gaukeleien.

Nutrias sind meistens Vegetarier

Ihre selbst gegrabenen Höhlungen oder Schilfnester in Uferböschungen liegen – im Gegensatz zum Biber – über der Wasseroberfläche. Die exzellenten Schwimmer ernähren sich von Wasserpflanzen, Stängeln und Blättern, zupfen an Land gerne Gras, verschmähen gelegentlich auch Schnecken und Wasserinsekten nicht.

Sie können über zehn Jahre alt und bei einem Körpergewicht von zirka neun Kilogramm bis zu 70 Zentimeter lang werden. Hinzu kommt ihre Schwanzlänge von etwa 45 Zentimetern. Übrigens: Bernhard Grzimek hielt eine Nutria als Haustier namens Purzel.

Gemächlich setzt sich eine der beiden Nutrias in Bewegung, gleitet erstaunlich elegant ins Wasser und schwimmt zügig mit der Strömung die Murg abwärts. Ob sie wohl noch ein Date mit einem Artgenossen hat?

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