Skip to main content

Kurparkgottesdienste sehr gut besucht

Pfarrer Merz wünscht sich Weihnachtsmesse im Gaggenauer Stadion

Der Aufwand ist hoch, aber die Arbeit lohnt sich: Die katholischen Kurparkgottesdienste im Gaggenauer Stadtteil Bad Rotenfels sind bei gutem Wetter sehr gut besucht. Jetzt denkt Pfarrer Tobias Merz eine Nummer größer.

Besondere Atmosphäre lockt an: Die sonntäglichen Kurparkgottesdienste in Bad Rotenfels, hier am 13. September, sind bei gutem Wetter zu einem Besuchermagnet geworden. Foto: Jürgen Gerbig

Wenn der katholische Pfarrer Tobias Merz über die Kurparkgottesdienste in Bad Rotenfels spricht, gerät er ins Schwärmen. Aus der (Corona-) Not geboren, haben sie sich sehr gut entwickelt, sind zum Besuchermagnet mit einer ganz besonderen Atmosphäre geworden. „Open Air“ hieß es jüngst auch bei der evangelischen Kirchengemeinde Gaggenau, der Sommergottesdienst bei der Radfahrerkirche in Hörden war ebenfalls sehr gut besucht. Und der Erfolg macht Appetit auf mehr.

Pfarrer Merz, in Gaggenau der Ideengeber zur neuen regelmäßigen Form der Zusammenkunft von Gläubigen im Kurpark, denkt schon weiter. Und verrät im BNN-Gespräch seinen großen Wunsch: Einen Weihnachtsgottesdienst würde er gerne draußen abhalten: „Die Menschen müssen, etwa bei Regen, geschützt sein. Deshalb würde ich gerne ins Stadion des VfB Gaggenau gehen, wo es die Tribüne gibt.“ Aus dem Wunsch könnte durchaus Wirklichkeit werden; mit dem Pfarrgemeinderat habe er bereits gesprochen, weitere Gespräche mit Stadt und Verein sollen folgen.

Doch zurück zur Konzertmuschel in Bad Rotenfels. „Der Kurpark ist unsere Kathedrale“, frohlockt der Leiter der katholischen Seelsorgeeinheit Gaggenau, stellt die sehr gute Akustik heraus („Auch wer weiter weg steht, hört jedes Wort“) und sagt, dass er die umgebenden Bäume wie Säulen wahrnimmt.

Im April hat Pfarrer Merz die Idee der regelmäßigen Kurparkgottesdienste entwickelt: Die Corona-Pandemie verzeichnete in Deutschland hohe Werte, und reguläre Gottesdienste innerhalb von Kirchenmauern waren aufgrund der Vorschriften des Landes Baden-Württemberg, aber auch des Erzbischöflichen Ordinariats Freiburg nicht mehr möglich. Für Merz („Ich bin vom Wesen her ein Naturmensch und gerne als Pilger unterwegs“) gab es fortan nur eine Devise, wie er rückblickend schildert: „Rausgehen! Rausgehen! Rausgehen!“

Es galt, über neue Formen und Abläufe nachzudenken und die Mitstreiter in der Seelsorgeeinheit für die neuen Ideen zu gewinnen. Das hat geklappt. Der Geistliche freut sich über viele ehrenamtliche Helfer, denn der organisatorische Aufwand draußen ist deutlich höher als in der Kirche. Vier Gemeindeteams aus Bad Rotenfels und Michelbach, von St. Josef und St. Marien wechseln sich bei den Vorbereitungen ab.

Viele fleißige Hände packen an

Im Regelfall sind es zwei aufeinander folgende Gottesdienste im Kurpark (Beginn um 9.30 und um 11 Uhr, bei Regen fällt der erste aus), wobei die fleißigen Helferhände schon vor 8.30 Uhr für den Aufbau anpacken. Es muss desinfiziert werden, und für die jeweils zugelassenen 100 Besucher sind 100 Punkte für die Stühle zu markieren – die Abstandsregeln lassen grüßen.

Bei gutem Wetter kommen deutlich mehr als die genannten 100, freut sich Pfarrer Merz. Die „Zaungäste“ können dann hinter dem Absperrband das Geschehen verfolgen. So bleiben Spaziergänger gerne mal stehen, auch Hundeführer lauschen den Worten und Liedern. Sogar ganze Familien mit Campingdecken haben es sich schon bequem gemacht.

Mit den Kurparkgottesdiensten sind wir mitten im Leben.
Tobias Merz. Leiter der Seelsorgeeinheit Gaggenau

Singen darf die Gemeinde Corona-bedingt nicht; das gilt auch für draußen. Aber Frank Herm und Norbert Förderer mit ihren Gruppen und Instrumenten sorgen dennoch dafür, dass die Gottesdienste die passende musikalische Begleitung erfahren. Als Anfang des Monats das „Gaggenauer Jazzprojekt“ auftrat, entstand eine ganz besondere Atmosphäre. Sogar ein Teil der feierlichen Erstkommunion fand Open Air statt, erzählt der Seelsorger; vier Kinder mit je sieben Angehörigen konnten in den Gottesdienstablauf integriert werden.

Nah an den Menschen: Auch der Sommergottesdienst der evangelischen Kirchengemeinde Gaggenau an der Radfahrerkirche in Hörden kam sehr gut an. Foto: Beatrix Ottmüller

Und für die Tauferneuerung durfte, dank einer Kooperation mit dem Rotherma, Wasser aus der Elisabethenquelle entnommen werden. „Mit den Kurparkgottesdiensten sind wir mitten im Leben“, freut sich Pfarrer Merz über die so nicht erwartete große Resonanz, die er als „sehr motivierend“ und als „ermutigendes Zeichen trotz Corona“ empfindet.

Freude auch in der evangelischen Kirchengemeinde Gaggenau: „Der Sommergottesdienst am 6. September wird nicht der letzte Gottesdienst vor der Radfahrerkirche gewesen sein“, zeigt sich Pfarrerin Nicola Friedrich sicher. Dort sei man „nah an den Menschen“ und draußen etwas zu machen, sei etwas Besonderes. Das Konzept kommt offensichtlich gut an; beim Sommergottesdienst reichten die bereitgestellten Stühle bei weitem nicht aus, die Helfer trugen weitere Sitzgelegenheiten herbei. Was macht den Reiz aus? „Man ist in der Natur, Zaungäste bleiben stehen und wenn kleine Kinder dabei sind, stören die draußen auch niemanden.“

Taufe an der Murg

Pfarrerin Friedrich weist auch auf die Tradition des Weihnachtsgottesdienstes auf dem Rohwer-Hof hin und beschreibt die besondere Atmosphäre einer Taufe an der Murg, die einmal im Jahr stattfindet. Ökumenische Gottesdienste im Kurpark, etwa am Pfingstmontag, hat es ebenfalls schon gegeben. Auch wenn der organisatorische Aufwand draußen ungleich höher als drinnen sei („Man muss alles aus dem Boden stampfen“), so steht für die evangelische Pfarrerin fest, dass sich die Arbeit lohnt.

nach oben Zurück zum Seitenanfang