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Serie: Außergewöhnliche Murgtäler

Ralf Friese Junior ist Unternehmens-Historiker bei Audi

Die Firmen-Historie von Audi ruht gewissermaßen in der Hand eines Murgtälers. Ralf Friese Junior ist bei dem Unternehmen in Ingolstadt in der Sparte Tradition tätig.

Unternehmenshistoriker Ralf Friese Junior mit einem Oldtimer der Marke Audi. Foto: Christiane Krause-Dimmock

Von Christiane Krause-Dimock

Wie man Unternehmenshistoriker wird, das kann Ralf Friese Junior nur an seiner eigenen Vita festzurren. Denn ihm wurde die Liebe zu Oldtimern gewissermaßen bereits in die Wiege gelegt. Heute arbeitet der Murgtäler bei Audi in Ingolstadt exakt in diesem Segment.

Seine Vita weißt in dieser Hinsicht übrigens keine vorbereitenden Besonderheiten auf. Allerdings habe er als Dreijähriger bereits seinen DKW „zum Spielen“ gehabt.

Der Rest mag ihn, was die Vita betrifft, gar nicht so sehr von seinen Schulkameraden im „Goethe” unterschieden haben. Ausgenommen dem Umstand, dass diese Lehranstalt und er sich nicht so recht mochten. Also wechselte er auf ein Internat. Eine gute Entscheidung offenbar, denn er schrieb sich nahtlos nach dem Abitur an der Uni Konstanz ein. Unternehmensberatung, das war sein eigentliches Thema.

Die Wende kam, und auf ihn kamen so allerlei Aufgaben zu wie etwa Sanierungen von Unternehmen oder etwa deren Verkäufe. „Auch Headhunting gehörte dazu.“ Und das im In- und Ausland.

Technik interessierte Raf Friese schon immer

Die Branche wechselte zwar, aber seine persönliche Leidenschaft für Autos, die blieb. Insbesondere für historische. Was er lange Zeit als Hobby betrieb, sollte alsbald ungeahnte Früchte tragen. „Seit ich 18 Jahre alt war, besaß ich immer einen Oldtimer. Manche“, so erklärt er mit einem kleinen Schmunzeln, „die fuhren sogar“.

Denn Technik habe ihn immer interessiert. „Vom Fliegen bis hin zu Motoren.“ Dabei waren die vier Ringe, das Symbol für Audi, für ihn persönlich schon immer etwas Besonderes. Er trat etwa dem Autounion Veteranenclub bei, verfasste fachliche Artikel und ließ sich sogar als Vorsitzender in die Pflicht nehmen. Bis er selbst „ge-headhuntet“ wurde.

Die Tür geöffnet hatte ihm sein bisheriges Engagement. Ein Bekannter rief ihn eines Tages an und brachte ihn bei Audi ins Gespräch. Sich beruflich in das eigene Hobby einzubringen, sei generell schon mal eine ganz gute Ausgangsbasis.

Als vor 13 Jahren die Einladung zum Vorstellungsgespräch kam, war allerdings noch lange nicht alles in trockenen Tüchern. Fast ein halbes Jahr sollte es dauern, bis er angesichts seines Fachwissens und seiner Leidenschaft für das Thema kurzfristig die Anfrage bekam, ob er sich vorstellen könnte...

Zur Arbeit gehören viele Gespräche mit Zeitzeugen

Er konnte. Das bedeutete allerdings, dass innerhalb von rund drei Wochen eine Wohnung finden und in Ingolstadt zur Verfügung stehen musste. Er, der gewissermaßen neben drei weiteren Kollegen der Newcomer war. Aber er hat es geschafft. Und das war ein gehöriges Stück Arbeit, berichtet er etwa vom Firmenjubiläum 2009.

Während die anderen drei sich darauf vorbereiten konnten, startete er gewissermaßen bei Null. „Der Appetit kommt jedoch bekanntlich beim Essen.“ Er hat es nicht nur geschafft, sondern hat im Laufe der folgenden Jahre seine Kollegen „beerbt“.

Da sucht man dann schon einmal und hofft darauf, einen Schatz zu heben.
Ralf Friese Junior, Audi-Historiker aus dem Murgtal

Heute ruht die Historie von Audi gewissermaßen in seiner Hand. Anfragen von der Presse, Fotowünsche, Kaufberatung und mehr, das ist seither unter anderem sein tägliches Brot. Wann auch immer es möglich ist, baut er dieses historische Wissen und den Fundus aus.

Dazu gehören auch die Gespräche mit Zeitzeugen. „Bis in die 80er Jahre ließen sich etwa Entwicklungen an einzelnen Personen ablesen“, erklärt er hierzu. Auch der Audi Quattro Sport lasse sich im Grunde an fünf Personen festmachen, erklärt er seine Recherchen.

Alles, was es über die Autos gibt, ist inzwischen digital verfügbar, erzählt er von Ausflügen ins Archiv, wenn entsprechende Anfragen kommen. „Da sucht man dann schon einmal und hofft darauf, einen Schatz zu heben.“ Und wer weiß, vielleicht ist es just ein Murgtäler, dem dieser Glücksgriff gelingt.

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