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Serie: Besondere Murgtäler

Selbacher baut skurrile Fahrzeuge vom Dragster bis zum Motorrad aus Holz

Fahrbare Unikate sind die Leidenschaft von Willi Knörr. Am liebsten bastelt der 64-Jährige an Feuerstühlen mit zwei oder vier Rädern, mit denen er an Umzügen in der Region teilnimmt

Tüftler Willi Knörr aus Selbach Foto: Christiane Krause-Dimmock

Von unserer Mitarbeiterin Christiane Krause

Das berühmte Zitat „... und sie bewegt sich doch“, das gemeinhin Galileo Galilei zugeschrieben wird, könnte auch ganz gut zu Willi Knörr passen, vielleicht in etwas abgewandelter Form. Denn was immer dem Selbacher in den Sinn kommt, es hat garantiert mit Bewegung zu tun, am liebsten jedoch mit Motoren.

„Schrauben und basteln, das ist meine große Leidenschaft“, erzählt der 64-Jährige. Es muss schon etwas spezieller sein als normal, vorzugsweise sogar abgedreht, wie etwa das Motorrad, das er aus Holz baute und letztlich mit einem Suzuki-Motor versah, so dass der Feuerstuhl fahrbar wurde.

Unikate für Umzüge gebaut

Ein anderes Mal hatte er die verwegene Idee, ein Diesel-Motorrad zu basteln, und zwar unter Einbeziehung eines Traktorrades. Keine Frage, dass er sich damit in der Szene, eigentlich im ganzen Murgtal, einen gewissen Namen gemacht hat. Wo Knörr drauf steht, da ist irgendwie immer ein bisschen crazy drin. Denn eigentlich liegen die Ursprünge für seine verrückt-faszinierenden Maschinen in der karnevalistischen Ecke. Sprich hier werden Unikate geschaffen, die primär für Umzüge gebaut wurden.

Alles was rollt, kann bei Willi Knörr eine neue Dimension oder Funktion erfahren und verblüfft sein Publikum. Dabei ist der Weg das Ziel. Seine Leidenschaft gilt der Bastelei: Funktioniert das Ganze dann und hat er es ein bisschen ausprobieren können, ist er geistig meist schon zu neuen Ufern unterwegs.

Kann man seine Werke denn nachbauen oder zumindest mal die Pläne anschauen, ist eine Frage, die er mit dem Tippen seines Zeigefingers gegen die Schläfe beantwortet. „Das ist alles hier drin.“ Er bastelt drauf los und plant also im Kopf. Keine Skizzen, keine Aufschriebe. Es ist allerdings nicht alles unbedingt nachahmenswert, was in der Werkstatt des Murgtaltüftlers passiert. So hat er sich selbst ohne Absicht einen neuen Haarschnitt verpasst, als seine langen Locken eines Tages einen Drehbankunfall erlitten. „Ich habe viel Glück gehabt“, erklärt er, warum er seither einen flotten Kurzhaarschnitt trägt.

Luxuswerkstatt im Bauernhaus

Mal baut er einen Dragster auf, weil er schon immer einen haben wollte. Dann wiederum verpasst er einer alten Zündapp einen russischen Seitenwagen, tüftelt daran wie man einen Fahrradanhänger komplett umfunktionieren und vor allem motorisieren kann und sorgt auch ringsherum um Haus und Hof dafür, dass hier nichts mehr so aussieht, wie es wohl im Sinne des ursprünglichen Erfinders gewesen sein muss.

Ein Fahrzeug von Willi Knörr, Tüftler aus Selbach Foto: Christiane Krause-Dimmock

Vom Bauernhaus ist dort nicht mehr viel zu erkennen. Vielmehr ist der gesamte Außenbereich zur Luxuswerkstatt mit LED-Elementen, elektrifiziertem Mobiliar, zu Sitzgelegenheit umgerüsteten Fässern und anderem, dem Kreativ-Potential entstammenden Entwicklungen mutiert.

Und dann ist da ja auch noch der Kurt, der kleine Mops, der in gewisser Weise die Leidenschaften von Herrchen teilt. Denn wenn es auf Tour geht, ist er sofort dabei und springt voller Begeisterung in jedes der verrückten Fahrzeuge. Dem kleinen Kerl ist es zuweilen geschuldet, wenn die Basteleien besondere Dimensionen annehmen, insbesondere bei den Umzugsfahrzeugen. Denn die müssen am Ende alle „Kurt-kompatibel“ sein.

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