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Mehr Dankbarkeit

Ein Jahr in Sierra Leone hat die Forbacherin Rebecca Larsson verändert

Mehr als ein Jahr lang arbeitete die Forbacherin Rebecca Larsson in einem Kinderschutzhaus in Sierra Leone. Dort musste sie sich an die schlechte medizinische Versorgung, an Slums und den traditionellen Glauben gewöhnen. Zurück in Deutschland plädiert sie für mehr Dankbarkeit.

Immer ein Lachen im Gesicht: In Sierra Leone hat Rebecca Larsson aus Forbach viel Hilfsbereitschaft und Dankbarkeit kennen gelernt. Aber die Arbeit in Westafrika brachte auch viele Herausforderungen mit sich. Foto: privat

Als Rebecca Larsson im Supermarkt steht und sich Kunden über fehlendes Toilettenpapier und begrenzten Mehl-Verkauf aufregen, reagiert sie genervt. „Ihr könnt so froh sein, uns geht es von vielen Ländern mit Sicherheit am besten“, denkt sie sich. Im Dezember kam sie aus einem der ärmsten Länder zurück nach Forbach.

13 Monate lang war die 44-Jährige in Sierra Leone in Westafrika. Als Projektkoordinatorin arbeitete sie für den Verein Cap Anamur / Deutsche Not-Ärzte in einem Schutzhaus für Straßenkinder. Es war nicht ihr erster Afrika-Aufenthalt, und es wird auch nicht der letzte bleiben. „Es macht unglaublich viel Spaß, dort mit den Kindern zu arbeiten. Ein Kinderlachen entschädigt für alles, egal, wie schlimm der Tag war“, sagt sie.

Wenn da so ein Virus ausbricht, endet das im Desaster.
Rebecca Larsson, Projektkoordinatorin

Die Probleme der Deutschen in der Corona-Krise empfindet sie angesichts ihrer Erfahrungen dort als Luxusprobleme. „Klar ist es nicht einfach, wenn man es gewohnt ist, überall hinzugehen, aber wir können uns ja noch einigermaßen frei bewegen.“ Larsson denkt oft an ihre Freunde in den Slums: Blechhütte an Blechhütte, ohne eine Möglichkeit der Isolation – auch, weil die Menschen ihr Geld für den Tag auf der Straße verdienen. „Wenn da so ein Virus ausbricht, endet das im Desaster“, ist sie sicher.

Im Brief richtet sie nette Worte an die Kanzlerin in der Corona-Krise

Um zu zeigen, wie gut es den Deutschen geht, hat sie einen offenen Brief an die Bundeskanzlerin und die Minister auf ihrem Blog veröffentlicht: „Trotz schwerer Krise, so schlimm die Situation auch gerade ist, uns geht es immer noch gut. Deutschland ist ein starkes Land“, schreibt sie darin. Sie schreibt auch davon, dass sie in Sierra Leone viele Kinder hat sterben sehen.

„Ich weiß, wie es ist, wenn ein Kind schwer krank ist. Es geht um Leben und Tod, aber niemand kann helfen, weil nicht die richtigen Ärzte oder die Ausstattung da sind“, berichtet sie. Sie hat miterlebt, dass es zu wenige Beatmungsgeräte gab und Ärzte entscheiden mussten, welches Kind weiterleben darf.

Ein Wassereimer dient als Dusche

Zu den größten Herausforderungen in Sierra Leone zählte für Rebecca Larsson der traditionelle Glaube. „Es hängt alles damit zusammen. Sie glauben an Dämonen, bringen Kinder zuerst zu traditionellen Ärzten, beschneiden Mädchen. Ins Krankenhaus gehen sie oft erst, wenn es zu spät ist.“ Auch der Alltag barg Herausforderungen: duschen mit Wassereimer und Schöpfkelle, ein „verrückter Straßenverkehr“ ohne Regeln, tägliche Stromausfälle.

Doch trotzdem würde die Forbacherin sofort wieder nach Sierra Leone fliegen. „Mich hat beeindruckt, wie freundlich und hilfsbereit die Menschen dort sind. Ich war schon in vielen Ländern, aber das habe ich noch nie erlebt.“ Die Kriminalität sei niedrig, sie habe sich immer hundertprozentig sicher gefühlt, sei nie bestohlen worden.

Spaß an der Arbeit: Die Forbacherin Rebecca Larsson arbeitete in einem Schutzhaus. Foto: privat

In Sierra Leone sind die Menschen dankbarer

In anderen Ländern wie Namibia sei das anders gewesen. „Die Leute haben immer ein Lachen im Gesicht, sind so herzlich und unglaublich dankbar: zum Beispiel fürs Aufwachen jeden Tag. Sie wissen das zu schätzen.“ In Deutschland dagegen sei vieles selbstverständlich.

Der Aufenthalt in Sierra Leone hat Rebecca Larsson verändert: „Ich habe gelernt, dankbarer zu sein – für Strom, für fließendes Wasser.“ Auch sei sie genügsamer geworden, kaufte dort Second-Hand-Kleider, weil neue sehr teuer waren. Sie sei nun viel gelassener, rege sich nicht mehr über Kleinigkeiten auf.

Doch sie habe auch „ein bisschen die Leichtigkeit, das sorglose deutsche Leben verloren. Man nimmt nichts einfach so hin.“ Gerade jetzt denke sie an Länder, in denen die medizinische Versorgung nicht so gut sei.

Sie wünscht sich, dass durch die Krise auch in Deutschland nicht mehr alles für selbstverständlich genommen und nicht vergessen wird, wer das Land am Laufen hält, wie Krankenpfleger, Supermarktmitarbeiter und die Müllabfuhr.

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