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Geschäftsjahr 2022

Stadtwerke Gaggenau fahren großen Verlust ein: Steigen nun die Preise?

Das Defizit beläuft sich auf mehr als zwei Millionen Euro, verursacht vor allem vom Rotherma. Das ist das größte Minus in der Geschichte der Stadtwerke.

Die Stadtwerke Gaggenau, hier der Sitz in der Theodor-Bergmann-Straße, können aufgrund ihrer guten Eigenkapitalausstattung auch ein Verlustjahr überstehen.
Die Stadtwerke Gaggenau, hier der Sitz in der Theodor-Bergmann-Straße, können aufgrund ihrer guten Eigenkapitalausstattung auch ein Verlustjahr überstehen. Foto: Joachim Kocher

Die Stadtwerke Gaggenau haben im Geschäftsjahr 2022 einen Verlust in Höhe von 2,093 Millionen Euro eingefahren. Erträge in der Größenordnung von rund 46 Millionen Euro standen Aufwendungen in Höhe von 48 Millionen Euro gegenüber.

Zum hohen Verlust der Stadtwerke trug die Kurgesellschaft Bad Rotenfels mit dem Rotherma bei. Aufgrund der Organschaft zwischen Stadtwerken und Kurgesellschaft übernehmen die Stadtwerke Gaggenau die jährlichen Verluste der Kurgesellschaft. Diese Redaktion fasst die Antworten auf die wichtigsten Fragen zu der Thematik zusammen.

Schlechte Aussichten auch für das Jahr 2023

Gab es schon einen größeren Verlust für die Stadtwerke Gaggenau als 2022?

Diese Frage kann man mit einem klaren „Nein“ beantworten. Allerdings wird auch im Wirtschaftsplan der Stadtwerke für das Jahr 2023 ein Jahresverlust von knapp drei Millionen Euro prognostiziert. Bezüglich der Planungen aus dem Wirtschaftsplan und den Ergebniserwartungen für 2023 wird jedoch darauf hingewiesen, dass diese auf Annahmen und Erfahrungswerten berufen und somit mit Unsicherheiten behaftet sind. Insofern können die tatsächlichen Ergebnisse von den Planungsergebnissen abweichen, woraus sich sowohl Chancen als auch Risiken ergeben können.

Müssen die Kunden der Stadtwerke für Strom, Gas und Wasser oder auch die Besucher von Murgana und Rotherma aufgrund der hohen Verluste mit höheren Preisen rechnen?

Nein. Im Murgana wie auch im Rotherma sind in diesem Jahr bereits Preisanpassungen erfolgt, unabhängig von den Verlusten. Im Murgana wurden die Preise zur Eröffnung nach der Sommerpause 2023 leicht erhöht, im Rotherma werden regelmäßig minimale Anpassungen vorgenommen. Der Wasserpreis wurde zuletzt moderat erhöht. Die Senkung der Verbrauchspreise der Strom- und Gastarife für das Jahr 2024 haben die Stadtwerke bereits an ihre Kunden kommuniziert. „Wir setzen uns kontinuierlich für eine zuverlässige und preiswerte Energieversorgung in Gaggenau und der Region ein“, sagt Thorsten Ruprecht, Werkleiter der Stadtwerke Gaggenau.

Wie haben sich die Sparten Strom und Gas der Stadtwerke 2022 entwickelt?

Die Stadtwerke haben sowohl bei der Stromversorgung als auch bei der Gasabgabe Rückgänge zu verzeichnen, bei gleichzeitig drastisch gestiegenen Kosten. Die gesamte Stromabgabe im Netzgebiet sank um 3,2 Prozent. Wesentlich höhere Rückgänge verzeichneten die Stadtwerke beim Gas mit einem Minus von 10,3 Prozent. Dass Bürger weniger Gas verbrauchen, war politisch gewollt, sagt der kaufmännische Leiter der Stadtwerke Gaggenau, Oliver Baecker. Die Bürger haben daher Gas gespart.

Gab es auch bei Wasserabgabe, Murgana und dem Anruflinientaxi rückläufige Zahlen?

Die Wasserabgabe sank um 1,4 Prozent. Im Hallenbad Murgana verzeichnete man im vergangenen Jahr 22.596 Badegäste, während es 2021 coronabedingt nur 9.024 waren. Der Personennahverkehr mit dem Anruflinientaxis (Linie 213) verzeichnete 2022 einen Rückgang von 4,1 Prozent. Insgesamt wurden während des Berichtsjahrs 3.288 Fahrgäste befördert. 2021 waren es 3.430.

Wie sahen und sehen die Besucherzahlen im Rotherma aus?

Im Bereich Sauna verzeichnete man im vergangenen Jahre 75.392 Besucher und im Bad 86.539 Gäste. 2021 hatte das Rotherma fünf Monate geschlossen, in den restlichen Monaten wurden in der Sauna 37.146 Besucher und im Bad 38.300 Gäste registriert. In diesem Jahr geht Bäderchef Jörg Zimmer von rund 90.000 Sauna-Besuchern und rund 115.000 Badegästen aus. Der Verlust des Rotherma wird nach Prognose von Zimmer 2023 nicht höher, sondern tendenziell geringer ausfallen. „Wir brauchen mehr Gäste“, sagt Zimmer. „Hätten wir jährlich 90.000 Sauna- und 140.000 Badbesucher, würde der Verlust deutlich unter die Million sinken.“

Wie sieht das Ergebnis der Stadtwerke in den einzelnen Betriebszweigen aus?

Der Gewinn der Versorgungsbetriebe (Strom, Gas, Wasser- und Wärmeversorgung) betrug 2022 noch 667.000 Euro, nach 2,166 Millionen Euro im Jahre 2021. Die übrigen Betriebszweige (wie Hallenbad, Telekommunikation, Nahverkehr, Organschaft), fuhren ein deutliches Minus von 2,76 Millionen Euro ein. Dies waren nochmals 589.000 Euro mehr als 2021. Der größte Brocken war auch in diesem Jahr die Organschaft zwischen den Stadtwerken und der Kurgesellschaft mit rund 1,7 Millionen Euro Verlust. Gemäß Gewinnabführungsvertrag zwischen der Stadt Gaggenau und der Kurgesellschaft übernehmen die Stadtwerke die jährlichen Verluste der Kurgesellschaft.

Wer tilgt den Verlust in Höhe von mehr als zwei Millionen Euro?

Der Jahresverlust 2022 wird aus dem Gewinnvortrag getilgt, wie der kaufmännische Leiter der Stadtwerke Gaggenau, Oliver Baecker, während der Gemeinderatssitzung vor einer Woche gesagt hatte. Die Stadtwerke haben aktuell noch ein ordentliches finanzielles Polster. So betrug das Eigenkapital 2022 noch 25,8 Millionen Euro. „Unsere Eigenkapitalausstattung ist gut, wir haben in den vergangenen Jahren ,etwas Speck auf unseren Rippen‘ ansetzen können.“ So sprach Baecker von 60 Prozent Eigenkapitalausstattung, die durch den Verlustausgleich jetzt allerdings um 3,3 Prozent sinken wird.

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