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Präventionsprojekt mit Polizeiunterstützung

Theaterstück soll in Gaggenau für Cybermobbing sensibilisieren

Das erwachsene Probepublikum fand es „ziemlich krass“, die jugendlichen Testseher eher voll normal: Mit einem Theaterstück für Fünf- bis Achtklässler wollen Christine Theberath und Melanie Maurer auf Cybermobbing aufmerksam machen.

Waren mal gute Freundinnen: Mika (Melanie Maurer) und Jessica (Christine Theberath) steigern sich in einen Streit hinein – mit schlimmen Folgen. Foto: Tania Stuchl

Eigentlich sind Mika und Jessica ziemlich gute Freundinnen. Sie gehen in die sechste Klasse, haben Handys und ja, sie streiten auch mal miteinander. Doch plötzlich ist alles anders: Aus Kleinigkeiten entsteht ein großer Streit. Und statt sich zu vertragen, holt sich Jessica Hilfe von Freunden und der ganzen Klasse.

Mika wird immer mehr ausgegrenzt, wird mit WhatsApp-Nachrichten gemobbt, auf Plakaten in der Schule bloßgestellt und schließlich sogar körperlich angegangen. Niemand traut sich, ihr beizustehen. Aus Angst, selbst zum Opfer gemacht zu werden.

Zwar sind Mika und Jessica nur zwei Figuren aus einem Theaterstück. Doch das, was die Mädchen erleben, ist für viele Schüler Alltag, betonen Christine Theberath und Melanie Maurer von „Voll das Theater“.

Seit 2014 tourt Theberath mit dem Puppentheater „Irmi und das Nein“ durch Kindergärten und Grundschulen und arbeitet mit den Kleinen am Thema Gewaltprävention. Das neue Stück „Wo ist der Weg hier raus“ richtet sich nun an Schüler der Klassenstufen 5 bis 8 und nimmt das Thema Mobbing in den Fokus.

Idee für Theaterstück gegen Cybermobbing entstand vor drei Jahren

Die Grundidee zu dem Stück ist bereits 2018 entstanden. Bevor es aber auf die Bühne kommen konnte, kam den beiden Frauen, die im Hauptberuf als Erzieherinnen arbeiten, Corona dazwischen. Den Neustart an den Schulen wollen Theberath und Maurer nun auch als Startschuss für ihr Präventionsprojekt nutzen.

„Wir wollten grundsätzlich für Mobbing sensibilisieren. Doch gerade jetzt, nach einer so langen Zeit im Homeschooling, wo die meisten Kontakte in den sozialen Medien stattgefunden haben, ist es nochmal besonders wichtig“, erklärt Melanie Maurer, die in dem Zwei-Personen-Stück unter anderem die Rolle der gemobbten Mika spielt.

Gerade jetzt, nach einer so langen Zeit im Homeschooling, ist Sensibilisierung besonders wichtig.
Melanie Maurer, Schauspielerin

Das Stück weicht dabei bewusst vom klassischen Aufbau ab und steigert sich von Szene zu Szene, ohne zu einem gutem Ende zu finden. „Aber es gibt immer wieder Brüche, Stellen, an denen es anders hätte werden können“, so Maurer. Denn an das etwa 90 minütige Stück schließen sich drei interaktive Lerneinheiten an, in denen die beiden Autorinnen und Schauspielerinnen und Sabine Geiges vom Präventionsverein „Lebenswertes Murgtal“ mit den Schülern über das Gesehene und die eigenen Erfahrungen sprechen.

Nachrichten nach Beratung mit Schülern noch verschärft

Und die gibt es, wie ein erster Testlauf vor Schülern Maurer und Theberath deutlich gemacht hat. „Da war schon die Sorge, ist das zu arg? Aber danach war klar: Nein.“ Nach Beratung durch eine Schülerin seien die WhatsApp-Nachrichten sogar sprachlich noch verschärft worden. „Zu erfahren, das ist Alltag, hat mich schon schockiert. Wir wollten eigentlich zuspitzen“, sagt Maurer.

Die Kompetenzbündelung ist ungemein wertvoll.
Sonja Hoffmann, Polizeipräsidium Offenburg

Auch die Polizei unterstützt das Projekt und hat zu den üblichen Präventionsthemen jetzt auch Cybermobbing aufgenommen. „Die Kompetenzbündelung durch Theater, Sozialpädagogik, Schule und Polizei ist ungemein wertvoll“, sagt Sonja Hoffmann dazu.

Sie ist beim Polizeipräsidium in Offenburg für die Präventionsarbeit zuständig. In zwei bis drei Schulstunden kann das Thema zusätzlich mit der Polizei nachbesprochen werden. Dabei geht es laut Hoffmann ebenfalls um Handlungsempfehlungen, aber auch um rechtliche Aspekte. „Zwar ist Cybermobbing kein Straftatbestand. Aber es kann viele rechtliche Konsequenzen haben. Auch schulrechtliche.“

Service

Das Theaterstück feiert am Dienstag, 20. Juli, seine Premiere in der Jahnhalle in Gaggenau vor Schulleitern, Präventionslehrern und Schulsozialarbeitern. Schulen im Murgtal werden finanziell vom Verein „Lebenswertes Murgtal“ unterstützt, wenn sie das Projekt an ihre Schule holen wollen. Grundsätzlich können sich Schulen aus dem Raum Rastatt, Baden-Baden, Karlsruhe und Offenburg melden. Weitere Informationen gibt es auf www.voll-das-theater.de.

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