Skip to main content

Premiere von „Wo ist der Weg hier raus“

Mobbing bleibt oft unentdeckt: Theaterstück von Kuppenheimer Schülern soll helfen

„Ihr wart doch mal dicke Freunde?“, fragt Bastian vorsichtig nach, was denn bloß zwischen Jessica und Mika los sei. „Dick? Dick ist nur ihr Po!“, lautet die Antwort von Jessica – und die Mobbingaktion nimmt ihren Lauf. „Wo ist der Weg hier raus?“ soll Schülern zeigen, wie sie verhindern können, dass die Welt am Ende aus Tätern und Opfern besteht.

Ein Streit eskaliert: Wie aus Freundinnen Feindinnen werden und wie schnell das Netz dabei zur Waffe werden kann, thematisieren Melanie Maurer (links) und Christine Theberath in „Wo ist der Weg hier raus?“. Foto: Tania Stuchl

„Ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr, wo ist der Weg hier raus? Ich habe Angst, fühl mich allein, ich halt das nicht mehr aus.“

Das Lied, mit dem Mobbingopfer Mika ihrer Verzweiflung Ausdruck gibt, ist nur ein Höhepunkt des Präventionstheaterstücks

„Wo ist der Weg hier raus?“ der Gruppe „Voll das Theater“. Es feierte am Dienstag Premiere in der Gaggenauer Jahnhalle vor Schulsozialarbeitern und Präventionslehrern aus der Region.

Großes Interesse bei Lehrern und Schulsozialarbeitern

Eigentlich ist es nichts: Mika sagt ihrer Freundin Jessica für deren Party ab, weil sie bereits verabredet ist. Doch Jessica kommt damit nicht klar. Aus einer Kleinigkeit wird ein Streit, der zu einer klassenweiten Mobbingaktion anwächst und schließlich in körperlicher Gewalt endet.

„Wir müssen uns mit Mikas beschäftigen und wir müssen uns mit Jessicas beschäftigen. Und das ist nicht an eine bestimmte Schulart gebunden“, sagt Tanja Heinze.

Sie ist Schulsozialarbeiterin an der Realschule Gaggenau und mit ihrer Kollegin Franziska Frech auf das Stück aufmerksam geworden. Jetzt, kurz vor der Aufführung, sind sie gespannt auf die Umsetzung des Mobbingthemas.

Wir müssen uns mit Mikas und wir müssen uns mit Jessicas beschäftigen.
Tanja Heinze, Schulsozialarbeiterin Realschule Gaggenau

So geht es auch Ralph Tesche. Er ist Präventionslehrer an der Rastatter Karlschule und weiß: „Das ist ein großes Thema. Mehr als man oft mitbekommt. Denn vieles kommt gar nicht erst an Tageslicht.“

Die Konzeption von Christine Theberath und Melanie Maurer, die hinter „Voll das Theater“ stecken, gefällt dem Lehrer daher gut: Denn nach der Aufführung des Stücks, das vor allem über die Gefühlsebene Zugang zu den Schülern finden will, wird das Thema in Gruppen aufgearbeitet. „Das ist gut, um die Sinne zu schärfen“, findet Tesche.

Theater kooperiert mit Polizei

Genau dieser Aspekt habe auch ihn als Polizisten und Mitglied des Präventionsvereins „Lebenswertes Murgtal“ hellhörig gemacht, erzählt Georg Bierbaums. „Mobbing, Cybermobbing und Sexting nehmen inzwischen einen großen Raum in unserem beruflichen Alltag ein“, sagt Bierbaums.

Er selbst ist seit Jahren mit Präventionsangeboten in Schulen unterwegs. „Aber meist habe ich mir danach gedacht. Das war gut, aber irgendwas hat gefehlt.“

Als Theberath, die bereits mit ihrem Kindertheaterstück „Irmi und das Nein“ mit Polizei und Präventionsverein zusammengearbeitet hat, mit der Idee eines Cybermobbing-Stücks auf ihn zugekommen ist, sei es klar gewesen: „Es war die Emotion, die gefehlt hat.“

Und vor der gibt es einige in „Wo ist der Weg hier raus?“: Ob Hilflosigkeit oder Überheblichkeit, Aggressivität oder Angst, Verzweiflung oder Eifersucht – die Bandbreite der Gefühle und Charaktereigenschaften, die Theberath und Maurer in ihrem Spiel auf die Bühne bringen, ist groß.

Und überzeugend, wie Schulsozialarbeiterin Tanja Heinze nach der Vorstellung betont: „Ich fand die Darstellung authentisch und glaubwürdig. Und das ist absolut wichtig.“

Sie und ihre Kollegin Franziska Frech können sich gut vorstellen, das Stück an die Realschule zu holen. „Das ist wirklich sehr wertvoll für unsere Arbeit.“

Bei den Achtklässlern ist das Kind schon in den Brunnen gefallen.
Ralph Tesche, Präventionslehrer Karlschule Rastatt

Auch Präventionslehrer Ralph Tesche will seiner Schulleitung empfehlen, Theberath und Maurer alias Jessica und Mika an die Schule zu holen.

Er ist sich aber noch nicht ganz sicher, welche Jahrgangsstufe mitmachen wird – das Stück richtet sich an die Klassen 5 bis 8. Vermutlich werden es die Sechst- oder Siebtklässler werden, überlegt Tesche.

Wenn er die Wahl zwischen fünfter und achter Klasse hätte, stünde seine Entscheidung fest. „Wahrscheinlich wäre es dann sinnvoller, die Fünften ins Boot zu holen. Bei den Achten ist das Kind schon in den Brunnen gefallen.“

nach oben Zurück zum Seitenanfang