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Glasfaserkabelverlegung

Gaggenauerin verärgert: Unangekündigte Bauarbeiten versperren Grundstück

Eine Gaggenauerin kann innerhalb von zwei Jahren zweimal ihr Auto nicht benutzen, weil ein Meter breite Gräben ihr den Weg zur Garage versperren. Eine Information seitens der Baufirmen oder Stadt blieb aus. Jetzt ist sie sauer.

Kein Durchkommen zur eigenen Garage gab es für eine Gaggenauerin, die ihr Auto dringend benötigte. Im Normalfall werden Bürger laut Pressesprecherin der Stadt Gaggenau, Judith Feuerer, im Vorfeld über derartige Baustellen informiert. Foto: pr

Eine Gaggenauerin kann innerhalb von zwei Jahren zweimal ihr Auto nicht benutzen, weil ein Meter breite Gräben ihr den Weg zur Garage versperren. Eine Information seitens der Baufirmen oder Stadt blieb aus. Jetzt ist sie sauer.

Ihr reicht es. Immer wieder ist ihr Haus von Baustellen eingerahmt. Baulärm, verstaubte Fenster und vor Erschütterung klirrende Vasen im Regal gehören beinahe zu ihrem Alltag. Dass rings um ihr Haus in der Große Austraße Wohnblöcke und Unterführungen gebaut werden, Gasleitungen ausgetauscht und Müllabladeflächen neu gestaltet werden – daran hat sie sich bereits gewöhnt.

Im Auftrag von Unitymedia und der Telekom

Aber dass sie nun, wie sie schildert, zweimal innerhalb von zwei Jahren ihr Auto nicht nutzen konnte, weil ein Meter breite Gräben ihr den Weg zur Garage versperrten, das brachte das Fass zum überlaufen. Die Gaggenauerin musste dringend zur Arbeit und konnte nicht weg. Weder die Stadt Gaggenau noch die vor Ort arbeitenden Baufirmen, angeblich beauftragt von Unitymedia und der Telekom, hatten die Anwohnerin im Vorfeld über die Baustelle direkt vor ihrer Haustür informiert, erzählt Mirjana Maier empört.

Mitteilung in den BNN, aber keine persönliche Information

„Ich kann die Frau verstehen“, meint Judith Feuerer, Pressesprecherin der Stadt Gaggenau. Es sei ärgerlich, wenn man morgens nicht mit dem Auto aus dem Hof komme. Ihren Recherchen zufolge sei es vor drei Jahren, nämlich 2016, sowie aktuell im Juni und Juli zu Verlegungen von Glasfaserkabeln im entsprechenden Bereich gekommen. Pressemitteilungen dazu seien herausgegeben worden. Die BNN veröffentlichten am 6. Juni den Hinweis der Stadt, dass es aufgrund von Kabelverlegungen von Rotenfels bis Hörden zu Behinderungen kommen kann. Darin stand auch, dass die Baufirma die entsprechenden Anwohner vorab informiere.

Baut Stadt selbst informiert sie per Brief

Demnach könne laut Feuerer die Stadt Gaggenau nichts dafür, dass die Anwohnerin nicht über die Baustelle informiert worden sei. „Eine Baufirma hat den Antrag gestellt, dort Kabel verlegen zu dürfen. Dem haben wir zugestimmt.“ Und damit erwartet, dass die Firma die Anwohner benachrichtigt. Das gehöre zum guten Ton. „Wenn wir als Stadt selbst bauen, werfen wir in der Regel einen Brief mit den Informationen zur Baustelle ein“, berichtet Feuerer.

Einige Bürgerbeschwerden

Dass die für die Baustelle zuständige Firma das versäumt habe, bedauert sie. Auch sonst sei die Stadt mit der aktuellen Bauführung nicht zufrieden. Andere Bürger hätten sich ebenfalls beschwert, Baustellen seien nicht richtig abgesichert gewesen und technisch sei nicht alles richtig ausgeführt worden. Aus diesem Grund schauten Feuerer zufolge immer wieder Mitarbeiter vom Tiefbauamt bei den Baustellen vorbei und wiesen die Firma auf Mängel hin. Im Vorfeld habe die Stadt erreicht, dass die Glasfaserkabel nicht im offenen Verfahren verlegt werden, sondern dass die Straße nur punktuell geöffnet wird.

Baustelle muss für schnelles Internet sein

Dass innerhalb von drei Jahren zweimal der gleiche Graben gezogen werde, liege allerdings nicht an der Stadt Gaggenau. „Vor drei Jahren war nicht absehbar, dass auch Gasline dort Glasfaserkabel plant“, erklärt Feuerer. Gasline vermiete die Leitungen später an andere Unternehmen, etwa Unitymedia. Feuerer gibt aber zu bedenken: „Alle Bürger wollen schnelles Internet, aber niemand möchte die Baustelle vor der Haustüre.“

Kein Kommentar seitens Gasline

Der Pressesprecher von Unitymedia, Helge Buchheister, bestätigt, dass sein Unternehmen in Gaggenau zurzeit nicht selbst baut, aber von der Firma Gasline, die gerade baut, Glasfaserkabel anmieten wird. Gasline selbst hat auf eine Anfrage der BNN nicht reagiert. Buchheister von Unitymedia weist unterdessen darauf hin, dass beim Breitbandausbau die Kommunen eine wichtige Rolle einnehmen. Demnach könnten sie eine „koordinierte Mitverlegung“ ermöglichen, wenn sie die Telekommunikationsunternehmen über anstehende Ausbauvorhaben hinweisen. Dies sei allerdings nicht immer der Fall. Dadurch komme es zu Mehrfachöffnungen von Gräben wie in Gaggenau.

Ausfahrprobleme normal mit Stahlplatten gelöst

Wer genau 2016 bei Maier in der Große Austraße gegraben hat, bleibt unterdessen offen. Dem Pressesprecher der Deutschen Telekom, Hubertus Kischkewitz, zufolge hat die Telekom bisher nur in Hörden und Freiolsheim Grabungen vorgenommen. Generell betont er aber, dass die Baufirmen von der Telekom dazu angehalten sind, Anwohner rechtzeitig zu informieren. Wenn es dennoch zu Beschwerden komme, etwa weil Anwohner im Urlaub sind, während die Baufirma klingelt, dann kümmere er sich umgehend darum. Zudem hätten die Firmen stets Stahlplatten im Auto, die sie über Gräben legen könnten.

"Stadt hat die Koordinierungshoheit“

Zu den wiederholten Arbeiten an gleicher Stelle sagt Kischkewitz: „Die Stadt hat die Koordinierungshoheit.“ Wenn zufällig zwei Bauanträge gleichzeitig bei der Stadt eingehen würden, dann läge es bei der Stadt, die jeweiligen Unternehmen dazu aufzurufen, sich abzustimmen, damit der Boden nur einmal aufgerissen werden muss.

War nicht die letzte Baustelle in der Großen Austraße

Im Zuge des Nahbereichsausbaus weist Kischkewitz bereits darauf hin, dass die Deutsche Telekom 2020 in der August-Schneider-Straße, also in der Nähe der Großen Austraße, zwei Straßenverteiler anschließen wird, wo es zu Bauarbeiten in rund 550 Meter Umkreis kommen könne. Es könnte also nochmal laut werden in der Großen Austraße.
Die Anwohnerin hofft, dass sie in Zukunft wenigstens vorher informiert wird. Ansonsten kann sie nichts gegen die Baustellen tun. Einer ihrer Nachbarn hat es aber schon nicht mehr ausgehalten, wie sie erzählt. Er sei weggezogen.
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