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Leidenschaft fürs Fliegen

Vater und Sohn aus Gaggenau restaurieren alte Flugzeuge

Bernd Hurrle fliegt zwar nicht mehr selbst, viele Maschinen kennt er aber in- und auswendig. Seine Leidenschaft hat er auch an seinen Sohn weitergegeben.

Vater Bernd Hurrle und Sohn Alexander Hurrle (von links) restaurieren Flieger Foto: Christiane Krause-Dimmock

Von Christiane Krause-Dimmock

Der Flugvirus liegt den Hurrles zweifellos im Blut. Gleich mehrere Generationen kommen von diesem Sport nicht los. Bei Bernd Hurrle treibt diese Leidenschaft allerdings besondere Blüten. Auch wenn er heute selbst aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr aktiv fliegen darf, vermag er mit Fug und Recht zu behaupten, dass er die Maschinen der Flugsportgruppe Gaggenau in- und auswendig kennt.

Er ist Werkstattleiter des Vereins und damit auch der Mann, der genau weiß wie man die elegant schwebenden Vögel restauriert. Ihm zur Seite steht dabei Sohn Alexander, der zwei Töchter hat, die – wie kann es auch anders sein – voller Begeisterung dabei sind, wenn sie den Papa zum Flugplatz begleiten dürfen. Denn dort wird tatsächlich geflogen – zuweilen auch gelehrt. Denn Alexander Hurrle ist einer der Fluglehrer des Vereins. Gebastelt, genauer gesagt restauriert wird dagegen in Gaggenau, dem offiziellen Standort der Flugsportgruppe.

Doch zurück zum Virus. Der hatte schon früh dafür gesorgt, dass seine Altvorderen zur Luftwaffe gingen. Bernd Hurrles Onkel Albert flog im Ersten Weltkriege einen Doppeldecker, mit dem er über den Ardennen abgeschossen wurde. Aber auch Vater Hermann war Feuer und Flamme für die Fliegerei. Er war es, der seinen Sohn damals regelrecht ansteckte.

Für Bernd Hurrle ging es mit der Modellfliegerei los. Doch im noch zarten Alter von nur 15 Jahren hob er das erste mal in der „Schwalbe“ ab. Sein Vater, der ja eigentlich schon „außer Dienst“ war, wollte damit ursprünglich nicht mehr viel zu tun haben, auch wenn er Mitglied im Verein war. Doch dann habe es ihn wieder gepackt. „1965 startete er nochmal durch. 15 Starts und dann war er wieder alleine unterwegs.“

Flugzeug aus Sperrholz

Doch die Fliegerei besteht nicht nur aus dem puren Vergnügen über den Wolken davonzuschweben. Auch am Boden ist so einiges zu leisten, hat er längst eine ganz besondere Beziehung zu einer inzwischen älteren Dame entwickelt. „Der Verein kaufte 1955 unsere KA2 Rhönschwalbe, einen Doppelsitzer.“

Ganz neu war sie damals noch und war mit ihrer Sperrholzbauweise so ziemlich das modernste, was zu haben war. „Bis 1978 war sie bei uns als Schulflugzeug im Einsatz. Ich schätze es waren 150 bis 200 Piloten, die auf ihr das Fliegen gelernt haben.“ Gekostet hat sie seinerzeit 8.500 Mark. „Das war damals ein Wahnsinnsgeld.“ Im Vergleich dazu verdiente ein Facharbeiter damals nur etwa drei- bis vierhundert Mark.

Dann kam der Kunststoff und die Schwalbe geriet ins Hintertreffen. Rund 265 Kilogramm Gewicht brachte sie ursprünglich auf die Waage. „Inzwischen wiegt sie sicherlich 280 Kilogramm“, schätzt Bernd Hurrle. Denn im Laufe ihres Lebens hat sie manche Spachtelei erlebt. „1993 haben wir sie letztmals generalüberholt.“ Langsam ist sie deshalb nicht. Maximal bringt die Schwalbe es auf immerhin 170 Kilometer in der Stunde und kann bis zu 3.000 Meter hoch fliegen. „Das passt für den Schwarzwald.“

Langjähriger Pilot

Die Emotionen sind damit geklärt. Den fachlichen Input bringen die Hurrles aufgrund ihrer langjährige Erfahrung als Piloten mit und gehören voller Leidenschaft dem Vintage Glider Club an. Hier finden sich die Fans historischer Segelflugzeuge zusammen.

Das technische Knowhow haben übrigens Vater und Sohn. So ist Sohn Alexander ist übrigens Ingenieur und wuchs schon früh in die Fliegerei mit hinein. „Denn wer fliegen will, der muss auch in der Werkstatt mitarbeiten,“ erklärt sein Vater, der die Wartung, soweit es ihm seine Qualifikation erlaubt, jeweils selbst durchführt. Er selbst kommt aus dem Bereich Maschinenbau, war in seinem Berufsleben als Wirtschaftsingenieur tätig und hat sich später auch als Holzwerkstattleiter qualifiziert. „Ich kenne fast jede Leimstelle an der Schwalbe.“ Und das umso mehr, weil Sohn Alexander in ganz jungen Jahren einmal mit ihr verunglückt ist. Ehrensache, dass der Papa damals selbst Hand angelegt hat um das Prachtstück wieder aufzumöbeln. Unter der Draisbachsporthalle, wo die Fliegergruppe untergebracht ist, lasse sich ein Flieger komplett montieren, schwärmt Hurrle von den Vorzügen der Räumlichkeiten.

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