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Verzögerungen bei „eWayBW”

Verkehrsminister wirft Kritikern des Oberleitungs-Projekts Fortschrittsfeindlichkeit vor

Die Bauarbeiten für das Oberleitungs-Projekt „eWayBW” im Murgtal liegen zwei Wochen hinter dem Zeitplan. Bei einem Besuch an der geplanten Teststrecke am Montag attackierte der Grünen-Politiker die Gegner des Pilotprojekts scharf.

Kontert die Kritiker: Verkehrsminister Winfried Hermann besucht im Sommer zweimal kurz hintereinander eWayBW-Baustelle im Murgtal. Foto: Hans-Jürgen Collet

Die Bauarbeiten für das Oberleitungs-Projekt „eWayBW” im Murgtal liegen zwei Wochen hinter dem Zeitplan. Ursächlich ist ein Lieferengpass wegen der Corona-Pandemie. Darüber informierte Jürgen Skarke vom Karlsruher Regierungspräsidium am Montag beim Besuch des baden-württembergischen Verkehrsministers Winfried Hermann an der Teststrecke.

Der Grünen-Politiker warb erneut für das Pilotprojekt mit Oberleitungs-Lkw auf der B462. Kritikern in der Region warf er „Fortschrittsfeindlichkeit” vor. „Bei keinem Projekt habe ich so viele Proteste erlebt wie hier”, sagte Hermann, der sich vor Ort ein Bild von den Bauarbeiten machte.

Arbeiten liegen hinter dem Zeitplan

Seit dem 15. Juni installiert die Firma SPL Powerlines die Oberleitungsmasten auf dem 2,6 Kilometer langen Streckenabschnitt bei Kuppenheim. 62 der dort vorgesehenen 65 Masten stehen bereits. Auch viele Ausleger für die Oberleitung wurden bereits montiert. In den kommenden Tagen bereiten die Arbeiter die Installation der Fahrdrähte vor.

Am geplanten Start des Pilotbetriebs im Februar ändert sich laut Skarke zunächst nichts. „Die zuständige Firma will die verlorene Zeit in den kommenden Monaten wieder aufholen.”

Der Bau der Oberleitungen, den das Regierungspräsidium verantwortet, sei für die Behörde ein „Novum und eine große Herausforderung”, betonte Skarke beim Pressetermin an der B462.

Bürger und Kommunalpolitiker hatten im Vorfeld heftig gegen das eWayBW-Projekt protestiert - vor allem mit Blick auf die mehrmonatige Bauzeit und die einspurige Verkehrsführung. „Die Belastung hält sich bislang in Grenzen”, sagte Skarke.

Testbetrieb soll im Februar starten

Bis Oktober soll der erste Abschnitt voll elektrifiziert sein. Im November beginnen voraussichtlich die Arbeiten am 800 Meter langen zweiten Teilstück bei Kuppenheim-Oberndorf. Im Februar sollen dann die ersten Lkw an der Oberleitung fahren.

Winfried Hermann machte sich erneut für das Oberleitungs-Projekt stark. „70 Prozent der Güter werden in Deutschland auf der Straße transportiert”, rechnete der Verkehrsminister vor.

Weil der Bau von Bahnstrecken sehr zeitaufwändig sei, müsse man in die Oberleitungen investieren. „Wenn 4.000 Kilometer Autobahn elektrifiziert sind, können wir ein Drittel der CO2-Emissionen einsparen”, betonte Hermann.

Konzeptwettbewerb im Murgtal

Das Murgtal sei ein Spezialfall: Laut Hermann transportieren hier täglich 128 Lkw schwere Papierrollen der zahlreichen Papierfabriken.

Außerdem könne man an der B462 den Vergleich zur parallel verlaufenden Bahnlinie und dem rein batteriebetriebenen eActros ziehen. Den Elektro-Lkw setzt ein Ötigheimer Logistikunternehmen seit 2019 in der Region ein.

Die Fortschrittlichkeitsfeindlichkeit in der Region hat mich überrascht.
Winfried Hermann, baden-württembergischer Verkehrsminister

Hermann ging bei seinem Besuch auch auf die Kritik aus dem Murgtal ein, die Oberleitungsmasten störten das Landschaftsbild. „Ich habe im Schwarzwald und im Rheintal schon schlimmere Verschandelungen gesehen”, sagte der Minister. „Die Fortschrittsfeindlichkeit in der Region hat mich überrascht.”

Der Grünen-Politiker wies außerdem die Kritik an der Kommunikationspolitik des Verkehrsministeriums zurück. „Wir haben noch nie bei einem Projekt so viel Aufklärungsarbeit betrieben”, betonte Hermann. Die Kritik sei daher „schon fast böswillig.”

Nach Auskunft von Projektleiter Steffen Kese (SPL Powerlines) sind auf der B462 bis zu 25 Arbeiter gleichzeitig im Einsatz. „Falls wir ein zeitliches Problem bekommen, ist auch Nachtarbeit denkbar.”

Projekt kostet 21,2 Millionen Euro

Beim eWayBW-Projekt ist über drei Jahre der Einsatz von Oberleitungs-Lkw zwischen Kuppenheim und Obersrot vorgesehen. Daraus will die Landesregierung Erkenntnisse gewinnen, welche Technologie sich zur Einsparung von CO2-Emissionen im Güterverkehr am besten eignet.

Die beiden elektrifizierten Abschnitte haben eine Gesamtlänge von rund 3,4 Kilometern je Fahrtrichtung. Die Kosten für das Projekt, das überwiegend vom Bund finanziert wird, liegen nach offiziellen Angaben bei 21,2 Millionen Euro. Die Arbeiten wurden im Dezember 2019 vergeben und haben am 15. Juni begonnen.

Der Bund der Steuerzahler führt das Projekt in seinem Schwarzbuch und wirft der Politik die Verschwendung von Steuergeldern vor. Das baden-württembergische Verkehrsministerium hatte auch diese Kritik zurückgewiesen.

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