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Yoga-Lehrer gibt seiner Schule noch drei Monate

Verlängerter Corona-Lockdown trifft Fitness-Studios in Gaggenau hart

Fitnesstrainer in Gaggenau fürchten um die Zukunft ihrer Studios. Die Neuanmeldungen zum Jahresstart fehlen wegen des verlängerten Corona-Lockdowns vollständig. Doch zwei Inhaber von Fitness-Studios sehen noch Grund zur Hoffnung.

Stillstand an den Geräten: Im maxx! Gesundheitszentrum Gaggenau findet seit November nur Online-Gymnastik statt. Foto: Beatrix Ottmüller

Weniger essen, weniger fernsehen und mehr Sport machen: Im Januar nehmen sich viele Menschen Jahr für Jahr vor, Kilos zu verlieren und fitter zu werden. Mit dem Training im Fitness-Studio wird es 2021 wegen des Corona-Lockdowns aber erst einmal nichts. Der alljährliche Schwung an Neuanmeldungen zu Jahresbeginn bleibt bei den Fitness-Studios in der Region aus.

Ob in Bühl, Bruchsal, Karlsruhe, Pforzheim oder in Gaggenau: Die Lage ist ernst. In Gaggenau sprechen sowohl ein Yoga-Lehrer als auch Betreiber von Fitness-Studios von ihren Zukunftsängsten aufgrund des verlängerten Lockdowns vorläufig bis Ende Januar.

„Wir haben keinen Profit. Bei uns geht es gerade rein ums Überleben“, erklärt Fabian Kottler, der Inhaber von Medifit in Gaggenau. Er betont, dass sein Fitness-Studio aktuell von der Solidarität der Mitglieder lebe. Ein großer Teil der Kundschaft zahle den monatlichen Beitrag weiter. Kottler bietet den Mitgliedern Gutscheine und Guthaben an, um die verlorene Trainingszeit nach der Wiedereröffnung nachholen zu können.

Mit seinem Geschäftspartner Jan Hübner arbeitet Kottler auch daran, in Zukunft ein Online-Angebot anzubieten. Obwohl er große Hoffnungen auf eine Lockerung hat, geht er von einer weiteren Verlängerung des Lockdowns aus. „Das können die Fitness-Studios nicht mehr lange so mitmachen.“

Normalerweise viele Neukunden zwischen Januar und Mai

Dabei habe das Hygienekonzept nach dem ersten Lockdown gut funktioniert. Maximal zwei Kunden pro Stunde konnten im Medifit trainieren. Auch der Inhaber des maxx! Gesundheitszentrums, Norbert Restle, plädiert dafür, unter strikten Vorgaben baldmöglichst wieder öffnen zu dürfen.

Momentan fehlen ihm nach eigener Schätzung 20 Prozent des Umsatzes. „Ich schaue meine Zahlen aber nicht mehr so genau an, da fühle ich mich nur schlecht“, sagt Restle. Er betont, dass es wegen Corona keinen spürbaren Anstieg bei den Kündigungen gibt. Aber der Zuwachs bleibe aktuell aus.

Zwischen Januar und Mai kommen laut Restle die meisten Neukunden hinzu. Um die nun fehlenden Beiträge auszugleichen, setzt der Inhaber des maxx! Gesundheitszentrums auf finanzielle Hilfen des Staates. Im November hat er nach eigener Aussage nicht den ganzen versprochenen Betrag bekommen. Die Hilfszahlung vom Dezember fehle ebenfalls. Mittlerweile hat er erfahren, dass er die fehlenden Beträge bekommen soll.

Die Leute werden immer fauler.
Norbert Restle, Inhaber maxx! Gesundheitsstudio

Zurzeit bietet Restle für die Mitglieder zwar mehrmals wöchentlich Gymnastik-Stunden über das Online-Programm Zoom an. Damit verdient er aber kein Geld. Durch das kostenlose Ersatzprogramm blieben die Teilnehmer aber in Bewegung. „Die Leute werden immer fauler. Der Lockdown hält sie vom Trainieren ab“, sagt Restle.

Nur jeder fünfte Kunde kommt zu den Online-Kursen

Auch Andreas Lanz, der Inhaber der Yoga-Schule YogaVital in Gaggenau, weicht wegen Corona auf die virtuelle Welt aus. Er bietet viermal pro Woche Online-Yoga an. Im normalen Betrieb empfängt er nach eigener Aussage wöchentlich 200 Leute zu seinen Kursen. Sein alternatives Angebot im Internet nutzen dagegen nur etwa 40 Menschen pro Woche.

Drei Monate Lockdown sind jetzt noch drin, dann ist die Yoga-Schule am Ende
Andreas Lanz, Yoga-Lehrer in Gaggenau

„Beim Online-Kurs fehlt die Atmosphäre vor Ort. Außerdem kann ich Fehlhaltungen der Leute nicht richtig korrigieren“, sagt Lanz. Vor der Pandemie beschäftigte er mehrere Angestellte auf 450-Euro-Basis. Auch sie gingen in der Krise leer aus. „Drei Monate Lockdown sind jetzt noch drin, dann ist die Yoga-Schule am Ende“, sagt Lanz.

Dabei sind Yoga-Kurse laut der Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg im Freien erlaubt – ein Lehrer und ein Schüler. Lanz lacht und sagt: „Die Regelung ist lächerlich. Schon allein wegen der Kälte und des hohen Aufwandes wird das kein Yoga-Lehrer machen.“ Der Forbacher fordert, dass die Politik kleine Yoga-Gruppen wieder erlaubt. Ein Programm ohne große Anstrengung und mit ausreichendem Abstand zwischen den Teilnehmern habe sich bereits nach dem ersten Lockdown bewährt.

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