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Grundschule will sie nur offline betreiben

Vernetzbare CO2-Messgeräte sorgen bei Gaggenauer Lehrkräften für Unbehagen

CO2-Messgeräte können Lehrer dabei unterstützen, ausreichend zu lüften. In Gaggenau werden derzeit Geräte getestet, die sogar digital vernetzt werden könnten. Für die Stadt wäre das ein testweiser Schritt in Richtung Smart City. Doch die mögliche Datenübermittlung und -speicherung verursacht bei Lehrkräften Unbehagen.

Unterricht im Testzimmer: Die Hans-Thoma-Schule hat ein CO2-Messgerät der Stadtwerke Gaggenau ausprobiert. Es soll das Lüftungskonzept unterstützen, erklärt Schulleiter Rudolf Retzler. Foto: Slobodan Mandic

Regelmäßig zu lüften gehört derzeit zu den goldenen Regeln in Schulen. Das soll die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus verringern. Ein Hilfsmittel sind CO2-Messgeräte: Mit Ampelfarben oder Warnhinweisen zeigen sie an, wann es Zeit ist, die Fenster zu öffnen. Als gut gilt die Luft, solange der Kohlenstoffdioxid-Anteil unter 1.000 Millionstel liegt.

Kleiner Helfer: Das unauffällige Messgerät zeigt den Lehrern, ob es Zeit ist, zu lüften. Foto: Slobodan Mandic

Die Stadtwerke Gaggenau erproben seit einigen Wochen Geräte, die noch deutlich mehr messen können: Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck, Ausdünstungen von Menschen und Materialien, Bewegung, Licht. Zudem verfügen sie über die „Long Range Wide Area Network“-Funktechnologie.

Über das „LoRaWAN“ können sie ihre Messwerte kabellos über weite Strecken senden. Laut Bereichsleiter Matthias Heck können diese dann gespeichert und „jederzeit ausgewertet“ werden.

Dies ist ein großer Schritt in Richtung Smart City.
Judith Feuerer, Pressesprecherin der Stadt Gaggenau

Für die Stadtwerke ist das eine spannende Option: „Sie haben als Dienstleister großes Interesse am Ausbau eines lokalen LoRaWAN-Netzes und am Austesten der Einsatzmöglichkeiten“, erklärt die Stadtsprecherin Judith Feuerer. „Dies ist ein großer Schritt in Richtung Smart City“.

Die Stadt erhofft sich davon beispielsweise Verbesserungen bei der Gebäudetechnik, etwa eine automatisierte Steuerung von Heiz- und Lüftungsanlagen. „Eine digitale Vernetzung bietet hohe Chancen, intelligente Lösungen für Zukunftsfragen wie Mobilität, Umwelt- und Klimaschutz zu finden“, sagt Feuerer.

Die CO2-Sensoren werden bislang im Rathaus, der Jahnhalle und der Hans-Thoma-Grundschule getestet. Die Leiter der weiterführenden Schulen haben kürzlich je ein Gerät zur Probe erhalten. In städtischen Kindergärten sollen günstigere CO2-Ampeln ohne Funkoption installiert werden. Für Messgeräte in Kindergärten gebe es keine Fördergelder, erklärt Feuerer. „Zudem gelten Kleinkinder als weniger gefährdet.“

Die Datenübertragung bietet Diskussionsstoff

Bislang arbeiten die Sensoren einwandfrei. Die Grundschule wird voraussichtlich zwölf der Messinstrumente kaufen, sofern die Gesamtlehrerkonferenz zustimmt. „Es ist ein gutes Gerät“, sagt Konrektor Rudolf Retzler - besonders, weil es durch seine vielen Funktionen eine Nachnutzung zulasse. Das Kollegium wisse es zu schätzen, dass die Schule es dank der Stadt testen konnte.

Doch die Datenübermittlung bereitet manchen Lehrkräften Unbehagen. „Im Kollegium wird das kontrovers diskutiert“, sagt Retzler. Was bedeutet eine Speicherung und Auswertung der Messwerte für den Unterrichtsalltag? Müssten Lehrer sofort zum Fenster hechten, sobald das Gerät die 1.000 Millionstel meldet? Müssten sie sich für jeden höheren Wert rechtfertigen? Und wie ist das alles datenschutzrechtlich zu bewerten? Die Schule hat sich angesichts solcher Fragen entschieden, die Geräte nur im Offline-Modus zu benutzen.

Lehrer müssen das Recht haben, ihrem Fingerspitzengefühl zu folgen.
Rudolf Retzler, Konrektor der Hans-Thoma-Schule

„Die Lehrer halten sich an das Lüftungskonzept“, betont Retzler. Das belegen auch die Messwerte. Doch „sie müssen das Recht haben, ihrem Fingerspitzengefühl zu folgen“: Die Pädagogen bauen das Lüften gezielt in ihren Stundenverlauf ein. „Es stört den Unterricht, wenn man sich nach dem Gerät richtet.“

Die Themen Datenschutz und Rückverfolgbarkeit beschäftigen auch die Schulleiter, die Ende November Testgeräte erhalten haben. „Sie waren insgesamt eher zurückhaltend, insbesondere was die Aufzeichnung der Messergebnisse betrifft“, berichtet Judith Feuerer.

Die Schulen könnten freilich auch andere (oder keine) Modelle auswählen. „Die Schulleiter bevorzugen dennoch die auf LoRaWAN basierten Messgeräte, weil sich die Daten besser ablesen und gegebenenfalls aufzeichnen lassen“, sagt Feuerer. „Auch uns ist diese Variante lieber“: Sie seien zuverlässig und könnten später anderen Messzwecken dienen.

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