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Luxusmarke für Haus- und Küchengeräte

Von „Gaggenau” ist nur der Name geblieben

Vor 25 Jahren verloren die Gaggenau-Werke ihre Selbstständigkeit. Die Haus- und Küchengeräte werden seitdem unter dem Dach von Bosch-Siemens hergestellt, dem europaweit führenden Anbieter. „Gaggenau” wird als Luxusmarke weltweit vermarktet, zur Heimatstadt gibt es keinen Bezug mehr.

Hier standen die Produktionshallen: Auf dem Gelände der früheren Gaggenau-Werke findet sich heute das große Wohngebiet „An der Hammerschmiede“. Foto: Nilkolaus Hertweck

Mit dem Sterne-Koch in den „Kosmos der Aromen“ eintauchen, so verspricht es eine Zeitschriftenanzeige. Oder unter professioneller Anleitung mit hochwertigen Hausgeräten ungewöhnliche Brotkreationen erleben. Im Oktober 2020, so stand es zumindest in einer Vorschau, erwartet die Kursteilnehmer gar ein „weihnachtliches Kochtrainingslager“.

All dies findet im „Gaggenau“ Showroom statt. Nur: Die Vorführküche mit den genannten Genuss-Angeboten steht schon lange nicht mehr in der gleichnamigen Stadt in Mittelbaden, sondern in München. Auch in London und New York, in Amsterdam und Shanghai gibt es Showrooms, insgesamt 24 Metropolen weltweit werden aufgelistet.

Showrooms sind große Räume, in denen die Produkte stimmungsvoll dargeboten werden. In puncto Architektur, Design und Konzept werden sie nach bestimmten Kriterien gestaltet, sie haben alle eine entsprechende Größe und den Anspruch, das jeweils lokal Typische mit der Formensprache von „Gaggenau“ zu vereinen, inklusive eines Verweises auf den Ursprung im Schwarzwald.

„Gaggenau“ gilt somit als eine sorgfältig gepflegte Luxusmarke unter den Hausgeräten, aber die Verbindung zur Heimatstadt ist längst abgerissen. Einzig der Name ist geblieben. Seit dem Jahr 1995, mithin ein Vierteljahrhundert lang, ist „Gaggenau“ ein Tochterunternehmen der Bosch-Siemens-Hausgeräte GmbH München (BSH), die inzwischen zu 100 Prozent zur Bosch-Gruppe gehört.

„Gaggenau steht für Premium”

BSH ist nach eigenen Angaben der größte Hausgerätehersteller in Europa und gehört auch global zu den führenden Unternehmen. Der Umsatz 2019 betrug über 13 Milliarden Euro. In 40 Fabriken weltweit wird für BSH produziert. Die Umsatzentwicklung einzelner Marken veröffentlicht die Gruppe grundsätzlich nicht.

„Gaggenau“ steht im Verbund der insgesamt elf Marken (neben Bosch und Siemens sind hierzulande Neff und Constructa die bekanntesten) für Premiumprodukte, nach Unternehmensangaben gibt es derzeit Repräsentanzen in über 50 Ländern weltweit.

Die hochwertigen (und nicht ganz billigen) Backöfen, Kaffeemaschinen, Weinklimaschränke und weiteren „Gaggenau“-Produkte werden heute an den deutschen Standorten Bretten, Dillingen und Giengen sowie in Werken in Frankreich (Lipsheim/Elsass), Slowenien, Spanien und in der Türkei hergestellt.

Die Produktion in Gaggenau war Mitte der 90er Jahre nach dem Verkauf des damals selbstständigen Unternehmens an den Branchenriesen Bosch-Siemens sukzessive abgebaut worden. Im Juli 1997 brachte der damalige Betriebsrat Klaus Boosmann den gravierenden Wandel auf den Punkt: „Es gibt nur noch die Marke Gaggenau, es gibt nicht mehr die Firma.“ Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Das ist Gaggenau: Küchen- und Hausgeräte dieser Marke haben laut Hersteller eine klare Formensprache, hier der frei hängende Deckenlüfter der Serie 200. Foto: Gaggenau

Früher bis zu 1.100 Mitarbeiter

In der Spitze bis zu 1.100 Mitarbeiter beschäftigten die früheren Gaggenau-Werke, die große Mehrheit arbeitete am Stammsitz im Murgtal. Damit gehörte das traditionsreiche Unternehmen hinter dem Mercedes-Benz-Werk einst zu den größten Arbeitgebern der Stadt.

Heute erinnern nur noch wenige Gebäude an den einstigen Glanz; sämtliche Produktionshallen wurden abgerissen und haben – nach Jahren der Stagnation wegen Altlasten – längst Platz für ein großes Wohngebiet („An der Hammerschmiede“) links der Murg gemacht.

Auf die Tradition greift BSH gerne zurück, um seine laut eigenen Angaben „exklusive Kochkultur“ mit Gaggenau-Geräten zu bewerben. Sogar bis ins Jahr 1683 geht die Marketingabteilung zurück, sie führt die Gründung einer Hammer- und Nagelschmiede durch Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden als Ursprung des Unternehmens an.

In einer Firmenmitteilung des Jahres 2016 wird zum 333-jährigen Bestehen ein ganz weiter Bogen gespannt, die Rede ist von einer „Evolution von Gaggenau von der Schmiedehandwerkskunst bis zur Perfektionstechnik für die private Küche“. Zur Feier dieses Jubiläums wurde, wenn man so will, 2016 der „Backofen EB 333“ auf der Mailänder Fachmesse „Eurocucina“ vorgestellt.

Das war Gaggenau: Dieser Kohlenherd aus den 1920er-Jahren wurde von den damaligen Gaggenauer Eisenwerken produziert und verkaufte sich sehr gut. Foto: Fotoarchiv BNN-Redaktion Gaggenau

Auch China ist wichtiger Markt

Überhaupt werden die Produkte der Marke gerne unter die Überschrift „Technologischer Fortschritt und klare Formensprache“ gestellt. Auf Nachfrage teilt das Unternehmen auch mit, dass innerhalb Europas Deutschland der größte und wichtigste Markt für seine Premiummarke sei.

Weltweit betrachtet seien sowohl China als auch die USA von großer Bedeutung. Gaggenau sei als „Luxusmarke im obersten Segment angesiedelt“, heißt es weiter. Wie heißt es in den Zeitschriftenanzeigen: „Der Unterschied heißt Gaggenau“. Auch wenn die Heimatstadt selbst keine Rolle mehr spielt.

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