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Drei Fraktionssprecher suchen nach Antworten

Warum sich nur wenige junge Menschen in der Murgtäler Kommunalpolitik engagieren

In den Murgtäler Gemeinderäten geben die Älteren den Ton an. Zwar wollen die Fraktionssprecher mehr junge Menschen motivieren. Noch klappt das allerdings nicht. Woran liegt das?

Politische Jugend: Viele junge Menschen engagieren sich in der Bewegung Fridays For Future. In die Kommunalpolitik zieht es dagegen nur wenige von ihnen. Foto: Gian Ehrenzeller/KEYSTONE/dpa

Die junge Generation ist in den Murgtäler Gemeinderäten unterrepräsentiert. Nicht einmal jeder zehnte Bürgervertreter ist unter 30 Jahren alt. Dabei liegt der Anteil dieser Altersgruppe an der Gesamtbevölkerung bei 28 Prozent. Warum engagieren sich so wenige junge Menschen in der Kommunalpolitik? Und wie kann man sie dazu motivieren? Drei Murgtäler Fraktionssprecher suchen Antworten.

Eric Peplau (Grüne, Gaggenau):

„Viele Jugendliche trauen der Politik nicht, weil sie von ihr nicht ernstgenommen werden. Ein Beispiel dafür ist die Bewegung Fridays For Future.

Eric Peplau, Fraktionsvorsitzender der Grünen-Fraktion im Gaggenauer Gemeinderat Foto: Schönthaler

Auch in der Kommunalpolitik erfordert politisches Engagement ein bestimmtes Niveau an Allgemeinbildung, Ehrgeiz und Selbstbewusstsein. Das schränkt den Kreis der Jugendlichen, die sich politisch engagieren wollen oder können, stark ein.

Viele Interessierte besuchen das Gymnasium und ziehen nach dem Abitur zum Studium in andere Städte. Nicht zu vergessen: Durch die hohen Anforderungen in der Schule bleibt keine Zeit, sich einer solchen, sehr anspruchsvollen Tätigkeit mit dem nötigen Aufwand zu widmen.

Die Parteien müssen die Jugendlichen direkt ansprechen.
Eric Peplau, Grünen-Fraktionsvorsitzender im Gaggenauer Gemeinderat

Wir brauchen eine sachbezogene Politik und müssen uns bei meinungsbildenden Prozessen um Authentizität bemühen. Außerdem müssen die Parteien die Jugendlichen direkt ansprechen, zum Beispiel im Politikunterricht oder in den Vereinen.“

Frauke Jung (CDU, Gernsbach):

„Die oft eingefahrenen Strukturen in den Ehrenämtern sind für Jugendliche nicht attraktiv. Zudem gibt es feste Regularien und Termine, deren Sinnhaftigkeit sich nicht auf den ersten Blick erschließt.

Frauke Jung, CDU-Fraktionssprecherin im Gernsbacher Gemeinderat Foto: Jung

Gleichzeitig wird es den Jugendlichen auch nicht einfach gemacht: Es wird ihnen wenig Verständnis für ihre Themen entgegengebracht und so weitergemacht, wie es immer schon war.

Wir müssen den Jugendlichen zuhören, um zu erfahren, was ihnen wichtig ist.
Frauke Jung, CDU-Fraktionsvorsitzende im Gernsbacher Gemeinderat

Gegenseitiger Respekt und Wertschätzung sind wichtige Voraussetzungen, um die Lust am Ehrenamt zu wecken. Prägend für Jugendliche sind Vorbilder in ihrem Umfeld, die sich mit Herzblut für gesellschaftliche Themen und in der Politik einsetzen. Die Jugend hat ihre Themen, dafür ist Fridays For Future ein beeindruckendes Beispiel.

Wir sollten ihr zuhören, um zu erfahren, was ihr wichtig ist. Wenn sich Jugendliche ernstgenommen und wertgeschätzt fühlen, bringen sie sich auch in kommunalpolitische Themen ein.“

Uwe Rothenberger (Freie Wähler, Weisenbach):

„Vielen ist ihre Freizeit zu wertvoll, um noch weitere Stunden für die Kommunalpolitik zu opfern. Die Entfernung zum Arbeitsplatz spielt bestimmt auch eine Rolle. Schlechtes Klima im Gemeinderat kann eine weitere Ursache sein.

Uwe Rothenberger, FWV-Fraktionssprecher im Weisenbacher Gemeinderat Foto: Edeltraut Rothenberger

Und das Gefühl, nicht gehört zu werden, dass ja doch nichts verändert wird. Dafür gibt es gnug schlechte Beispiele aus Politik, Wirtschaft und Sport.

Junge Menschen müssen das Gefühl haben, dass sie etwas verändern können.
Uwe Rothenberger, FWV-Fraktionsvorsitzender im Weisenbacher Gemeinderat

Jungen Menschen muss man die Gelegenheit geben, ihre Zukunft mitzugestalten. Sie müssen das Gefühl der Bestätigung haben, dass sie etwas verändern können. Die Gemeinderatsarbeit ist nicht langweilig, sondern beschäftigt sich mit dem tagtäglichen Leben und Arbeiten in unseren Städten und Gemeinden.

Eine direkte Kontaktaufnahme zu den Jungen ist sinnvoll, aber nicht erst vor den Wahlen. Man könnte sie auch zum öffentlichen Teil der Fraktionssitzungen einladen. Durch Corona ist das aktuell etwas schwierig.“

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