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Edelmetalle werden recycelt

Wie ein Arbeitskreis aus Gaggenau mit Althandys Gorillas schützt

Von Beginn an bis jetzt hat der Gaggenauer Arbeitskreis Umwelt und Natur knapp 4.000 alte Handys gesammelt und an die Wilhelma in Stuttgart als „Großsammler“ weitergegeben. Die Wilhelma lässt die Geräte recyceln und setzt den Erlös für bedrohte Berggorillas ein – und zwar genau in der Region, in der durch den Rohstoffabbau für Handys der Lebensraum für die Tiere bedroht ist.

Einen Sammelbehälter für Althandys hat der Gaggenauer Arbeitskreis Umwelt und Natur, hier Klaus Merkel und Elke Fischer, im Rathausfoyer Gaggenau aufgestellt. Die Geräte werden nach Stuttgart geschickt und in Regie der Wilhelma recycelt. Foto: Dorscheid

Im Foyer des Gaggenauer Rathauses steht eine kleine Tonne für Althandys. Aufgestellt hat ihn der „Arbeitskreis Umwelt und Natur“. Zweck der Sammlung ist, Spendengelder für gefährdete Berggorillas zu generieren. Manche Rathausbesucher indes halten den Behälter offenbar für eine Mülltonne.

Nach Weihnachten liegen mehr Geräte als sonst in dem Behälter mit der Aufschrift „Handy-Sammelstation“. Wenig Wunder, neue Smartphones finden sich oft auf dem Geschenketisch, und das alte Gerät wird dann entsorgt. Der Sammelbehälter steht, ein wenig abseits, im Foyer des Rathauses Gaggenau und wird vom Arbeitskreis Umwelt und Natur (AKU) „betrieben“.

Der AKU ist ein kleiner, aber sehr rühriger Arbeitskreis, der 2002 aus dem Gaggenauer Stadtmarketingprozess hervorgegangen ist. Im Jahr 2012 wurde, anlässlich des zehnjährigen Bestehens des AKU, das Handysammelprojekt zugunsten der gefährdeten Berggorillas aufgelegt. Von Beginn an bis jetzt wurden knapp 4.000 alte Handys gesammelt und an die Wilhelma in Stuttgart als „Großsammler“ weitergegeben, berichten die AKU-Mitglieder Elke Fischer und Klaus Merkel im BNN-Gespräch.

Metalle werden recycelt

Somit kann mit dem Erlös aus der Althandy-Verwertung ein Stück weit zum Tierschutz beigetragen werden – und zwar genau in der Region, in der auch Rohstoffe für Handys abgebaut werden und der Lebensraum der Berggorillas zerstört wird. Der Stuttgarter Zoo kooperiert mit der Firma Südrec, die die Geräte kostenlos abholt, nach Gewicht bezahlt (zuletzt knapp acht Euro je Kilo), das Sammelgut schreddert und verschiedene wertvolle Metalle wie Gold, Silber oder Kupfer zurückgewinnt.

Das Coltan, das in den Lebensräumen der bedrohten Berggorillas abgebaut wird, lässt sich bislang nur durch eine weitere Nutzung des Altgerätes „recyceln“, dies betrifft aber nur einen geringen Teil der abgegebenen Geräte. Alle beteiligten Firmen seien hinsichtlich der umweltgerechten Entsorgung wie auch der Datenlöschung zertifiziert, betont die Wilhelma.

Händler nehmen Geräte zurück

Allerdings: Dass Althandys wertvolle Rohstoffe bereithalten, hat sich herumgesprochen. Viele Händler nehmen sie inzwischen beim Kauf eines neuen Gerätes gerne an und geben dabei oft einen Nachlass. Deshalb ist auch die Zahl der Geräte, die Klaus Merkel regelmäßig aus dem Rathaus-Behälter „fischt“, über die Jahre gesehen geringer geworden. „Aber es lohnt sich weiterhin. Wir tun was Gutes, und die Wilhelma ist dankbar für jede Sendung.“ Pro Monat sind es immer noch etwa 30 Geräte im Schnitt.

Das Geld aus der Abgabe aller gesammelten Handys fließt laut Wilhelma zu 100 Prozent in den Berggorillaschutz. Unterstützt werde dabei sowohl die Berggorilla- und Regenwalddirekthilfe als auch der Virunga-Nationalpark in der Demokratischen Republik Kongo; er ist der älteste Nationalpark in Afrika und Heimat von einem Drittel aller Berggorillas.

Der Virunga-Nationalpark ist zum Weltnaturerbe erklärt worden; die Wilhelma unterstützt dort die Umweltbildung vor Ort und das Team, das Wilderer mit Spürhunden verfolgt.

Manche halten die Box offenbar für einen Mülleimer

Manchmal hält das Leeren der Box auch Überraschungen bereit. Einmal, erinnert sich Klaus Merkel, fand sich dort ein komplett neues Handy, sogar noch original verpackt. Die unliebsamen Überraschungen gibt es indes öfter: Manche Zeitgenossen beachten die Behälteraufschrift nicht und sehen die Box als Müllbehälter an, entsprechend finden sich dann benutzte Einmaltaschentücher darin oder auch Pappbecher.

Die negative „Krönung“: Auch eine benutzte Windel wurde auf diese Weise bereits entsorgt. Deshalb wünscht sich der Arbeitskreis, dass der Sammelbehälter ins Bürgerbüro des Rathauses umziehen darf – dort herrscht mehr Publikumsverkehr und der Sammelbehälter würde auch nicht mehr zugestellt, so wie es am jetzigen Standort öfters passiert ist.

Runde 80 Geräte lässt Klaus Merkel zusammenkommen, bis er ein neues Paket Richtung Stuttgart auf den Weg bringt. „So lange sich das Sammeln lohnt und der Behälter voll wird, machen wir das auch weiterhin. Vor Ort ist jeder Euro wertvoll.“ Der Gaggenauer Arbeitskreis Umwelt und Natur (AKU) macht im Übrigen auch durch Pflanzaktionen, durch die Anlage der Hochzeitswege oder durch Aktionen zum jährlichen Tag des Baumes auf sich aufmerksam.

Mit dem „Lärmaktionstag“ wurden Lärmschwerpunkte in der Stadt identifiziert. Wer sein Althandy für den guten Zweck spenden will, findet die Sammelbox im Rathausfoyer Gaggenau auf der rechten Seite. Weitere Sammelpunkte in der Benz-Stadt gibt es bei Medifit in der Schulstraße 14 und in der Zoohandlung Konrad-Adenauer-Straße 13.

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