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10.000 Schilder in Gaggenau

Wo Sammler die schönsten Reklame-Schätze finden

Das Interesse an alten Emaille-Schildern und Plakaten ist groß. Im ehemaligen Raiffeisenmarkt in Michelbach lagern mehr als 10.000 Objekte aus längst vergangener Zeit.

Mehr als 10.000 Objekte beherbergt die alte Lagerhalle des ehemaligen Raiffeisenmarktes in Michelbach.
Mehr als 10.000 Objekte beherbergt die alte Lagerhalle des ehemaligen Raiffeisenmarktes in Michelbach. Foto: Veronika Gareus-Kugel

Was hat ein Gemüsegarten mit einem Emailleschild zu tun? Nichts. Dennoch, es ist stabil und eignet sich perfekt als Beetumrandung. Im Garten seiner Großmutter in Michelbach entdeckte 1975 der damals 14-jährige Udo Eisele sein erstes Schild. Die Sammelleidenschaft war geweckt und ließ in nicht mehr los.

In der Lagerhalle in der Lindenstraße 8a stapeln sich große und kleine Schilder. Die Regale sind voller alter Dosen für Kaffee oder Tee sowie blau und grau lasierten Töpfen für Schnupftabak und das dazugehörige Einwickelpapier, versehen mit einer Wachsschicht. Ausgestellt sind Kuriositäten von Tankstellen und aus Tante-Emma-Läden.

Gaggenau: Kaum ein freier Fleck an den Wänden

Auch an den Wänden ist kaum ein freier Fleck zu entdecken. An diesen hängen Plakate aus längst vergangenen Zeiten, Leuchtreklamen aus Gaststätten oder von Brauereien. Verkaufsautomaten stehen in den Ecken oder sind an den Wänden angebracht. Eine fröhlich dreinblickende junge Frau umarmt innig ein kleines Mercedes-Modell aus den 1930er-Jahren.

Auf einem rund 2,30 Meter breiten Schild blau emailliert steht: „Knorr’s Suppen und Hafermehl“. Auch das HB-Männchen, eine Ikone der Zigarettenwerbung, als noch dafür geworben werden durfte, hat einen Platz gefunden. Über den Köpfen der Besucher hängen Lampen in allen Farben und Größen. Eine davon war einst über einem Billardtisch angebracht, erzählt Eisele im Gespräch.

Dorado für Sammler

Die Halle ist ein Dorado für Sammler und solche, die das außergewöhnliche Geschenk suchen. Auf der Suche nach dem Besonderen sind Martina Weber und Tochter Annalena aus Ottenau. Die Mutter erzählt, dass die Männer der Familie, Schwiegervater und Ehepartner alte Motorräder lieben. Ein schönes altes Emailleschild, vielleicht von einer Tankstelle, wäre somit ein passendes Weihnachtsgeschenk oder Geburtstagsgeschenk.

Mehr als 10.000 Objekte sind in der Lagerhalle untergebracht. Entsprechend lange kann gestöbert werden. Eine der Werbetafeln aus Emaille ist über 120 Jahre alte und wirbt für das heute noch in den Supermärkten erhältliche Kokosfett Palmin. An einer der Stirnseiten der Lagerhalle hängt ein Schild. Darauf zu sehen ist eine Winterlandschaft. Es ist ein Wandschutz und war hinter einem Holzofen angebracht.

Erst seit Kurzem ist der Sammler und Verkäufer begehrter Sammlerobjekt wieder in der Heimat zurück. Seine Sammelleidenschaft führte ihn bis nach Köln und in die Pfalz, wo er seine Schilder-Schätze und Raritäten in Ladengeschäften zum Verkauf anbot. Eine weitere Station war Bad Münstereifel. Nach mehreren Jahrzehnten auf der Wanderschaft zog es ihn jedoch wieder zurück in die Heimat.

Nach seinem Lieblingsschild gefragt, kommt die Antwort prompt: „Das mit der Silhouette von Köln.“ Das im Übrigen, wie viele der im ehemaligen Raiffeisenmarkt lagernden Schilder bei der Firma Bergmann in Gaggenau produziert wurde.

Die Entdeckung der Produktwerbung brachte die Produktion der Schilder zum Ende des 19. Jahrhunderts um 1880 in Gang. Das produzierende Gewerbe suchte nach dauerhaften Lösungen für ihre Werbeträger. Die Wahl fiel auf ein bewährtes Produkt -Emaille. Nach rund hundert Jahren war es mit den Werbeschildern wieder vorbei. Die Werbung wurde schnelllebiger und die Produkte kurzlebiger, die kunstvollen Emailletafeln geraten in Vergessenheit. Sie wurden in der Herstellung den Produzenten zu teuer.

Ist eines der Schilder gut erhalten, können damit auf Auktionen sechsstellige Beträge erzielt werden. Das Interesse an alten Schildern wächst. Es ist ein Trend zum Sammeln zu beobachten

Ein in den USA versteigertes Tankstellenschild von einem Durchmesser von rund 1,50 Metern, darauf verewigten der Kopf eines Ureinwohners mit üppigem Federschmuck, wurde zum Höchstpreis von 1,5 Millionen US-Dollar versteigert. Eisele nennt drei Faktoren, die eine entscheidende Rolle für den Preis spielen: Der Zustand des Objektes, ein schönes Motiv und es muss selten sein, keine Massenware. Auch Fälschungen sind auf dem Markt, die mit bloßem Auge nicht unbedingt gleich zu identifizieren sind.

Udo Eisele öffnet sein Lager nur zu besonderen Anlässen, wie an diesem Mittwoch anlässlich des Spaßes mit Glühwein mit Musik auf dem Lindenplatz. Die ehemalige Halle des Raiffeisenmarktes dient ausschließlich Lagerzwecken, verkauft wird über das Internet. Interessenten können aber jederzeit nach telefonischer Absprache kommen, erklärt Eisele.

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