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Regionale Themen

101. Jahresband „Die Ortenau“: Thema Wasser eröffnet Füllhorn spannender Aufsätze

Knallrot und 608 Seiten stark: So präsentiert sich der 101. Jahresband „Die Ortenau“. Schmökern lohnt sich, bisweilen staunt da sogar der Fachmann.

Dem Kurhaus in Baden-Baden und dessen Rolle in der Ortenau wird ein ganzes Kapitel gewidmet. Foto: Ulrich Coenen

Sie präsentiert sich im inzwischen gewohnten, roten Gewand und mit der traditionell großen Bandbreite an Themen. Dieser Tage erschien „Die Ortenau“ – das Jahrbuch des Historischen Vereins für Mittelbaden.

Es ist der mittlerweile 101. Band, für den wieder Martin Ruch redaktionell verantwortlich zeichnete.

Schwerpunktthema der aktuellen Ausgabe ist das Wasser, und dass dieser Leitgedanke – nach der Musik im Vorjahr – wieder ein einen großen Aufsatz-Reichtum eröffnet, versteht sich von selbst.

Was bietet sich da nicht alles im „Wasserland Ortenau“, dessen Flüsse und Bäche Ewald Hall beschreibt. Der Dialektexperte betreibt in seinem Beitrag eine kleine namenkundliche Studie von den Kelten bis zu den Franken.

Ein Reiseführer ist auch dabei

Das schöne daran: Es ist auch ein kleiner Reiseführer für interessante Rad- oder Wandertouren. „Nehmen Sie zum Besichtigen dieser wahrlich schönen Natur- und Kulturperlen im Kinzigtal nicht das Auto, sondern das Fahrrad auf dem 90 Kilometer langen Kinzigtal-Radweg“, empfiehlt der Autor.

Natürlich spielt im Reigen der Flüsse und Bäche des Ortenaukreises der Rhein eine gewichtige Rolle. Der Fluss der Flüsse, im „Rheingold“ eindrucksvoll von Richard Wagner vertont.

Und da knüpft gleich ein weiterer, lesenswerter Aufsatz an. Er dreht sich um die Kinzigtäler Flößerei, die die Besatzungen bis nach Holland brachte. Hans Harter gibt kenntnisreich einen Einblick in diese Geschichte(n), die den Protagonisten – wie im Murgtal auch – Wohlstand bescherte.

Damit ist der Themenreigen noch nicht erschöpft. Es gibt eine Betrachtung von Johannes Werner zu den „badischen Fähren über den Rhein“, Flussportraits über Rench (Heinz G. Huber), Kinzig (Martin Ruch) und andere mehr.

Aufsatz von Ulrich Coenen über Kurhäuser

Ulrich Coenen, Redakteur der Badischen Neuesten Nachrichten, lenkt derweil den Blick noch auf eine ganz andere Bedeutung des Wassers: die heilende und gesellschaftliche.

Wie das aussieht, schildert der promovierte Bauhistoriker auf 30 Seiten unter dem Titel „Die Kurhäuser in Baden-Baden und Wiesbaden. Ein neuer klassizistischer Bautyp innerhalb der Bäder- und Kurarchitektur und seine Einbindung in die Landschaft.“ Dann von der besseren Gesellschaft mitten ins Volk: Auch das badete, wie Kreisarchivar Cornelius Gorka in „Die Volksbäder in der Ortenau“ kenntnisreich darlegt.

Doch die Ortenau wäre nicht die Ortenau, würde sich nicht über das Leitthema hinaus spannenden Lesestoff bieten. Dazu gehört auf jeden Fall der Beitrag in der Sparte der Jungen Autoren, den dieses Mal Yosra Al-Waheibi beisteuerte. Unter „Mein Weg nach Nordrach“ schildert die Bildstein-Preisträgerin die Flucht ihrer Familie aus dem vorm Bürgerkrieg gebeutelten Land in den Schwarzwald.

„Mein Bruder wurde einmal von der Islamischen Polizei abgeholt, weil er nicht pünktlich in der Moschee war“, schreibt die Autorin über das Leben in Syrien. Der Bruder war damals 13 Jahre alt und verbrachte eine Nacht im Gefängnis.

Themen wie die Hexenverfolgung werden auch behandelt

Die freien Themen spannen eine großen Bogen von einer Betrachtung zur Heilig-Grab-Kapelle der Gengenbacher Klosterkirche (Eugen Hillenbrand) über die Hexenverfolgung in der Landvogteil Ortenau (Olivia Mannßhardt) bis hin zu den „Auseinandersetzungen um den Honauer Pfarrer Eduard Martin Stark“ (Michael Rudloff).

Und wer hätte schon gedacht, dass es rund um Offenburger Weinfest im Jahr 1971 richtig Randale gab. So manche Bilder und Schilderungen im Aufsatz von Leon Pfaff („Protest in der Provinz“) erinnern an Berlin und andere Metropolen in den besten Straßenkampfzeiten.

Einen immanent wichtigen Betrag wider das Vergessen der Gräueltaten der nationalsozialistischen Machthaber leisten Klaus Riehle (Vor dem Sondergericht: Otto Benz, 1906-1943 aus Ohlsbach und Michael Jakuboski, 1923-1944, aus Durbach) sowie Wolfgang M. Gall (Ort des Schreckens, Gedenkens und Mahnens. Die Begräbnisstätte für die Opfer der Gewaltherrschaft 1933-1945 auf dem Historischen Waldbachfriedhof Offenburg“).

Vereinsnachrichten runden das Kompendium ab

Buchbesprechungen und informative Vereinsnachrichten runden das erneut lesenswerte Kompendium ab. Kommendes Jahr geht es im Schwerpunkt um das weite Feld der Mundart. Die Jahreshauptversammlung des Historischen Vereins Mittelbaden findet am Sonntag, 24. Oktober, von 9 Uhr an in Ettenheim statt. Der Veranstaltungsort wird noch auf der Homepage des Vereins bekannt gegeben.

Internet

www.historischer-verein-mittelbaden.de

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