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Notbetrieb in Karlsruhe

Entsorgungsbetriebe: Müllabfuhr rund um Karlsruhe läuft trotz Corona rund

Dank Vorsorgemaßnahmen verläuft die Abfallentsorgung in der Region auch in Zeiten von Corona bislang weitgehend im grünen Bereich. Die Entsorgungsbetriebe sind zuversichtlich, dass das auch so bleibt. Ein Blick nach Karlsruhe, Achern und Rastatt.

Anders als bei diesem Foto aus Berlin läuft die Müllabfuhr in der Region Karlsruhe nach Angabe der Entsorger trotz Corona rund. Foto: N/A

Dank Vorsorgemaßnahmen verlaufe die Abfallentsorgung in der Region auch in Zeiten von Corona bislang weitgehend im grünen Bereich. Die Entsorgungsbetriebe sind zuversichtlich, dass das auch so bleibt. Ein Blick nach Karlsruhe, Achern und Rastatt.

Auch morgens um sieben ist die Welt nicht mehr in Ordnung. Aber wenigstens noch halbwegs. Da hat sich so mancher betroffene Karlsruher Bürger seit Jahren daran gewöhnt, allwöchentlich am gleichen Tag von den frühaufstehenden Mitarbeitern des Amts für Abfallwirtschaft geweckt zu werden und nun dieses:

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Nur noch alle 14 Tage kommen die kommunalen Kümmerer vorbei, bei denen Klappern buchstäblich zum Handwerk gehört. Die Tonnen für Wertstoffe und Papier bleiben nämlich bis auf Weiteres außen vor, aber im Zwei-Wochen-Rhythmus werden weiter Rest- und Biomüll der finalen Verwertung zugeführt. Das Scheppern klingt beruhigend.

Einsammeln von Rest- und Biomüll läuft stabil

Die Entsorger, die zu den systemrelevanten Betrieben zählen, haben auf die vom Coronavirus provozierte Herausforderung reagiert und Dienstpläne so angepasst, dass die Abholung des verderblichen oder auch hygienisch problematischen Mülls auch in angespannter Personallage gewährleistet ist.

Wir haben auf Notbetrieb umgestellt.
Olaf Backhaus, Karlsruher Amt für Abfallwirtschaft

„Wir haben auf Notbetrieb umgestellt und konzentrieren uns auf Rest- und Biomüll. Das läuft stabil, auch wenn die Abläufe länger sind. Ein großes Lob an die Mitarbeiter, sie haben im übertragenen Sinn in die Hände gespuckt“, berichtet Olaf Backhaus, der Chef des Karlsruher Amts für Abfallwirtschaft (AfA).

Die Stimmung unter den Kollegen sei gut – trotz der „wahnsinnigen Ausnahmesituation“. Zu der trägt auch der Umstand bei, dass die Bürger aufgrund von Homeoffice und der vielen Zeit in den eigenen vier Wänden mehr Müll produzieren. Einen positiven Corona-Fall, der die Lage verschlimmern würde, hat es unter der AfA-Belegschaft bislang noch nicht gegeben.

Engpässe nach Rückkehr von Mitarbeitern aus Risikogebieten

Durch die Verordnungen von Bund und Land, wonach unter anderem zwei Wochen lang auf jene Mitarbeiter zu verzichten sei, die sich in Risikogebieten aufgehalten hatten, seien „schlagartig“ personelle Engpässe entstanden.

Erschwerend sei hinzugekommen, dass Kollegen einen Mindestabstand von 1,5 Metern zueinander einhalten müssen. Das bedeutet, dass sich in der Fahrerkabine des Müllwagens neben dem Lenker nur noch ein Lader aufhalten darf, weshalb die ein bis zwei weiteren Müllmänner einer Mannschaft mit einem separaten Pkw an den Einsatzort fahren müssen. Backhaus spricht von „Tandembetrieb“, der zuvor nicht nötig war.

Trotz aller Erschwernisse ist der AfA-Chef zuversichtlich, dass es keinen Müllnotstand geben wird. „Der wäre erst da, wenn gar nichts mehr läuft. Aber davon kann nicht die Rede sein“, gibt Backhaus Entwarnung.

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Besondere Maßnahmen für Müll aus infizierten Haushalten

So sei, um einer möglichen Quarantäne-Gefahr für den Gesamtbetrieb zu entgehen, das Personal auf die verschiedenen Liegenschaften verteilt worden. Auch und gerade für die Belegschaft an der Basis seien Sicherheitsvorkehrungen und Schutzmaßnahmen eingeleitet worden.

Als sehr wichtig für die gesamte Branche wertet Backhaus auch die am vergangenen Freitag vom Umweltministerium herausgegebene Richtlinie, wonach der Müll von Haushalten, die mit dem Coronavirus infiziert sind, besonderer Vorsichtsmaßnahmen seitens der Bewohner bedarf. Die Müllsäcke müssen demnach fest verschlossen sein und direkt in die Tonne gelegt werden.

Das Stadtgebiet von Karlsruhe ist in Sachen Müllentsorgung nach Touren aufgeteilt. 37 sind es an der Zahl. Derzeit würden, so Backhaus, manche Touren teilweise mit drei statt nur einem Fahrzeug realisiert, um allen Anforderungen zu genügen. In diesem Zusammenhang richtet der AfA-Chef die Bitte an die Bürger, die Tonnen möglichst nahe an den Fahrweg zu stellen: „Das würde uns viel Zeit sparen.“

Sammelprozess im Landkreis privatisiert und automatisiert

Auf eine solche zusätzliche Mithilfe sind die Entsorgungsunternehmen des Landkreises Karlsruhe nicht angewiesen. Denn im Gegensatz zur Stadt setzt der Kreis schon seit dem Jahr 1999 auf so genannte Seitenladefahrzeuge.

Die Abfallbehälter, die der Besitzer zu platzieren hat, werden automatisch von einem Greifarm erfasst und in den geschlossenen Container gekippt. Auch Sortierungsprozesse laufen „hauptsächlich über Maschinen“, wie Betriebsleiter Uwe Bartl erklärt.

Personal im Landkreis auf verschiedene Standorte verlegt

Anders als die Stadt Karlsruhe leistet sich der Landkreis auch keinen eigenen Entsorgungsbetrieb, sondern hat die Müllabfuhr an Unternehmen wie den Dienstleister SUEZ Süd aus Knittlingen vergeben. „Die vom Suez-Kanal“, sagt Bartl süffisant.

Der Geschäftsführer des Abfallwirtschaftsbetriebs Landkreis Karlsruhe berichtet, dass er mit der Firma Gespräche geführt habe, um Risiken für die Mitarbeiter zu mindern. Auch die Knittlinger setzen derzeit auf Dezentralisierung.

„Das Personal wurde auf verschiedene Standorte verlegt, dadurch ist die Ansteckungsgefahr geringer“, weiß Bartl und ergänzt: „Die Maßnahmen wirken bisher sehr gut. Stand Dienstag gab es noch keine Ausfälle.“

Keine Einschränkungen im Landkreis Karlsruhe und in Pforzheim

Damit auch die weitere Entsorgung sichergestellt ist, seien teilweise Revisionsarbeiten in den Anlagen verschoben worden, „um die Abfälle, die wir einsammeln, auch wieder loszukriegen.“ Wie der Restmüll Karlsruhes, so wird auch der Abfall des Landkreises in Container verladen, per Bahn nach Mannheim gefahren und der Müllverbrennungsanlage des MVV zugeführt.

Im Gegensatz zur Stadt gebe es im Kreis keine Einschränkungen bei Wertstoff- und Papiertonne, was auch für den Stadtkreis Pforzheim zutrifft. „Bei uns gibt es keine Einschränkungen, der gesamte Müll wird wie gewohnt abgeholt“, teilt Michael Strohmayer vom Presseamt mit. Auch Pforzheim hat die Entsorgung schon vor Jahren privatisiert.

Einen Müllnotstand wird es nicht geben.
Kathrin Gerber-Schaufler, Mittelbadische Entsorgungs- und Recyclingbetriebe

Gute Nachrichten hat auch Kathrin Gerber-Schaufler. „Ich sage selbstbewusst: Wir kriegen das hin. Einen Müllnotstand wird es nicht geben“ für ihre Klientel, betont die Geschäftsführerin der Mittelbadischen Entsorgungs- und Recyclingbetriebe (MERB) aus Achern. Das Unternehmen kümmert sich um den Abfall im Landkreis Rastatt, Baden-Baden und dem Ortenaukreis.

Laut Gerber-Schaufler habe MERB verschiedene Vorsorgemaßnahmen ergriffen, um die Lage weiter „im grünen Bereich“ zu halten, Kreativität und Flexibilität seien gefragt.

Verwaltungsmitarbeiter von Fahrern räumlich getrennt

„Unser Vorteil ist, dass wir auch einen gewerblichen Bereich haben neben der kommunalen Aufgabe. Wir haben aus diesem Bereich Personal für die Müllabfuhr eingelernt“, erläutert die Managerin, die bislang auch noch keinen Corona-Fall in ihren Reihen weiß. Damit das möglichst auch so bleibt, seien die Verwaltungsmitarbeiter räumlich von den Fahrern „komplett abgekoppelt“ worden.

Zudem blieben die einzelnen Teams tunlichst zusammen, um Kontakte zu minimieren.

Der Beifall ist den Männern von der Tonne derzeit gewiss, nie war ihre Wertschätzung größer. Zahlreiche Dankesschreiben erreichen das Bodenpersonal, das sich um den letzten Dreck kümmert. Gerber-Schaufler zitiert aus einer Email des Abfallwirtschaftsbetriebs Rastatt, stellvertretend für andere Adressen: „Bei MERB läuft es wie am Schnürchen.“ Auch schon morgens um sieben.

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