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Vorrang vor Autos

Achern soll Fahrradstraßen bekommen: ADFC begrüßt Entscheidung

Die Stadt will evaluieren, welche Straßenzüge exklusiv für Radfahrer ausgewiesen werden. Der ADFC begrüßt die Entscheidung und macht konkrete Vorschläge.

Ein Fahrradfahrer befährt in der Innenstadt von Karlsruhe eine Fahrradstraße (Foto vom 19.04.2006). Vor zwei Jahren testete der Automobilclub ADAC bundesweit 22 mittlere Großstädte auf Fahrradfreundlichkeit. Karlsruhe landete dabei nur auf einem der hinteren Plätze. Karlsruhes Stadtväter wollen nun Abhilfe schaffen. Der Gemeinderat beschloss bereits einstimmig, die Infrastruktur für den Radverkehr nachhaltig zu verbessern. Immerhin gilt die Kommune als Geburtsstadt des Fahrrades. Foto: Uli Deck dpa/lsw (zu dpa/lsw-Korr: "Die Wiege des Zweirades macht für den Biker mobil" vom 12.05.2006) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Fahrradstraßenschild in der Karlsruher Innenstadt: Auch in Achern könnte es bald Verkehrszüge geben, die nur von Radfahrern befahren werden dürfen. Foto: A3386 Uli Deck

Die Stadt Achern galt bislang nicht gerade als ein Sehnsuchtsort für Radfahrer. Bei einer nicht repräsentativen Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) 2020 erzielte die Stadt mit der Schulnote 3,95 ein im regionalen Vergleich schlechtes Ergebnis.

Was aber auch damit zu erklären ist, dass es seit Jahren Auseinandersetzungen über die Situation in der Hauptstraße zwischen ADFC-Mitgliedern, die sich wohl mehrheitlich an der Umfrage beteiligt haben, und der Stadtverwaltung gibt.

Oberbürgermeister Klaus Muttach (CDU) scheint jetzt entschlossen, die Situation für Radfahrer in der Stadt nachhaltig zu verbessern. In einem Jahrespressegespräch vor Weihnachten kündigte er an, Fahrradstraßen einrichten zu wollen. Auf Fahrradstraßen haben Radfahrer zumindest Vorrang vor Autofahrern und dürfen nebeneinander fahren.

Generell sind die Straßen sogar für Autos gesperrt oder nur für Anlieger befahrbar. Mit der entsprechenden Beschilderung können aber Ausnahmen gemacht werden. Im für das Konzept bekannten Karlsruhe gibt es tatsächlich aber nur eine reine Fahrradstraße. Sollte in Achern derartiges umgesetzt werden, würde die Stadt insbesondere unter den kleineren und mittelgroßen Kommunen in Deutschland eine Vorreiterrolle einnehmen.

Konzept für kommendes Jahr angekündigt

„Ich habe mir Fahrradstraßen in Konstanz und Karlsruhe angeschaut und halte das Konzept für gut“, sagt Muttach.

Zum ersten Halbjahr 2022 soll die Verwaltung einen Radwegplan ausarbeiten, der aufzeigen soll, wo und in welcher Form Fahrradstraßen in Achern überhaupt möglich und sinnvoll sind, so Muttach

Ich habe mir Fahrradstraßen in Konstanz und Karlsruhe angeschaut
Klaus Muttach, Oberbürgermeister von Achern

Helmut Schönberger, Pressesprecher des ADFC im Ortenaukreis, begrüßt das Vorhaben der Stadt. Wichtig sei aber auch die konkrete Ausgestaltung.

„Auch in Offenburg wurden zuletzt zwei Fahrradstraßen ausgewiesen. Diese sind aber sehr abgelegen und werden generell kaum befahren. Hier geht es nur darum, ein gutes Bild in der Öffentlichkeit abzugeben“, meint Schönberger.

Negativbeispiel Offenburg

Er schlägt die Kirchstraße als potenzielle Fahrradstraße vor. Hier war zuletzt im August ein Fahrradfahrer ums Leben gekommen, weil er in eine geöffnete Tür eines parkenden Autos fuhr.

„Die Straße ist sehr eng, unübersichtlich, und die Autos könnten auch über andere Straßen fahren. Insbesondere von den parkenden Fahrzeugen geht eine Gefahr aus“, fasst Schönberger zusammen und fügt hinzu: „Mit diesem Konzept lassen sich auch nicht alle Probleme lösen. Wir fordern weiterhin eine Tempo-20-Zone auf der Hauptstraße.“

Schönberger berichtet darüber hinaus, dass sich das zwischenzeitlich durchaus angespannte Verhältnis zwischen Oberbürgermeister Muttach und dem Radfahrer-Verband verbessert habe. „Er hat angekündigt, den Stammtisch in Achern zu besuchen, und kennt ja als passionierter Radfahrer selbst die Situation aus der Sicht vom Sattel“, sagt Schönberger.

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