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Areal „Lammbrücke“

Acherns Hauptstraße wird doch nicht zur Häuserschlucht

An Acherns künftigem neuen Stadttor an der „Lammbrücke“ geht es in kleinen Schritten voran. Über einige Änderungen im Konzept sind sich die Gemeinderäte derweil uneinig.

Neue Aufteilung: Auf der Nordseite des Areals „Lammbrücke“ (oben im Bild) sollen sich Einzelhandel, Dienstleistung und Wohnungen konzentrieren, auf der Seite südlich der Hauptstraße (unten) Parkhaus und Gastronomie. Foto: Roland Spether

Ein weiterer Schritt in Richtung Umgestaltung des Bereichs „Lammbrücke“ ist getan: Die Acherner Gemeinderäte haben einigen Änderungen im bereits beschlossenen städtebaulichen Konzept zugestimmt, aber auch Kritik geäußert.

So war angesichts des künftigen neuen Stadteingangs die Rede von „prägnanter Gestaltung“, aber auch von „Allerweltsarchitektur von der Stange“.

Zu Beginn der von rund 30 Zuhörern in und vor dem Bürgersaal besuchten Sitzung hatte die Verwaltungsspitze zunächst ihre Mühe mit zwei nicht gerade einsichtigen Bürgern, die das Tragen eines Mundschutzes verweigerten und den Raum nur widerwillig verließen.

Nutzung der beiden Bereiche wird neu aufgeteilt

Konkret geht es bei den Änderungen im Konzept „Lammbrücke“ unter anderem um die Höhe der neuen Gebäude. Anders als bisher vorgesehen, sollen diese künftig auf der Nordseite der Hauptstraße (stadteinwärts gesehen auf der linken Seite) für Einzelhandel – unter anderem ein Sportfachgeschäft – und Dienstleister sowie Wohnungen genutzt werden.

Dass sich diese Elemente nun auf nur einer Straßenseite konzentrieren sollen, geht auf eine Untersuchung durch ein Marktforschungsbüro zurück. Dieses hatte die Stadt in Auftrag gegeben, nachdem im Rat die Fragen aufgekommen waren, wie sich die die Ansiedlung des Einzelhandels auf diesem Areal auf das bestehende Angebot in Achern auswirken könnte und ob dieses dadurch womöglich wegbrechen könnte.

Gastronomie auf dem Parkhaus-Dach

Ein weiterer Aspekt betrifft den Bereich nördlich der Hauptstraße: An den dortigen Platanen seien Schäden festgestellt worden, sodass deren Kronen gekappt werden müssen; nach Angaben der Stadt sei gar eine Fällung zu empfehlen. Für die Südseite sind unterdessen Parkhaus und Gastronomie vorgesehen; Letztere sei im Dachbereich des Parkhauses mit weiter Aussicht denkbar, was, wie Bürgermeister Dietmar Stiefel anmerkte, „nicht jede Stadt vorweisen“ könne.

Zudem soll verhindert werden, dass die Straße hier zur „Häuserschlucht“ wird: Der Rat folgte daher dem Vorschlag der Stadtverwaltung, die vierten Geschosse der Gebäude an der Hauptstraße um drei Meter nach hinten zu verlagern. Dabei schlug die Verwaltung begrünte Flachdächer oder flach geneigte Dächer vor.

Zugunsten der Platzgestaltung soll auf eine Bebauung im rückwärtigen Teil des Anwesens Hauptstraße 4 verzichtet werden, heißt es in der Sitzungsvorlage. Das städtische Gebäude „Zum Klauskirchl 6“ schräg dahinter könne abgerissen werden: Es handle sich, anders als zunächst vermutet, nicht um ein Kulturdenkmal, das bleiben muss.

Meinungen der Fraktionen gehen weit auseinander

Achern müsse mit dieser baulichen „Ouvertüre“ das Selbstbewusstsein eines Mittelzentrums ausstrahlen, sagte Karl Früh für die CDU-Fraktion, während Gebhard Gaser (Freie Wähler) betonte, wie wichtig das Projekt für die Bürger sei: „Das zeigen auch die regen Diskussionen in der Vergangenheit“. Neben dem Hauptaugenmerk beim Einzelhandel an dieser Stelle sei auch das Segment „Kinder“ wichtig und überlegenswert.

Längst nicht prägnant genug sind die Entwürfe für Manfred Nock (Acherner Bürger Liste): „Baukunst ohne Kunst, Baustil ohne Stil greifen um sich“. Er wünsche sich „Architektur, die von der Gesellschaft akzeptiert und als angenehm empfunden wird“, sagte Nock und erhielt dafür Applaus aus den Zuhörerreihen. Sein Antrag, nur dreigeschossige Gebäude mit Satteldächern zuzulassen, wurde bei acht Nein-Stimmen, sechsmal Ja und einer Enthaltung abgelehnt.

Auch Markus Singrün (SPD) hatte sich zuvor für maximal dreigeschossige Gebäude ausgesprochen: Vom Zentrum aus gesehen würde die historische Bausubstanz hier andernfalls aus dem Sichtfeld verschwinden. Für Cornelia Hummel (Grüne) seien vier statt drei Geschosse hingegen „zwingend nötig“: Wenn man schon innerstädtische Fläche bebaue, dann müsse diese optimal ausgenutzt werden.

Der coronabedingt verkleinerte Gemeinderat stimmte den Änderungen letztlich mit elf Ja-Stimmen, einer Gegenstimme und drei Enthaltungen zu. Die Stadtverwaltung soll nun die Entwürfe des Bebauungsplans sowie die notwendigen Gutachten in Auftrag geben. „Die Beteiligung der Öffentlichkeit soll auch nicht zu kurz kommen“, betonte Bürgermeister Stiefel, die Form sei noch offen. Mehrheitliche Zustimmung erhielt ein Antrag von Karl Früh, Bürger in Arbeitskreisen einzubinden.

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