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Tag des offenen Denkmals

Auf der Hornisgrinde erinnern Bunker an dunkle Zeiten

Der Tag des Offenen Denkmals ist mit dem Blick in die Vergangenheit der Zukunft zugewandt. Was man daraus lernen kann, zeigt ein Rundgang in der nördlichen Ortenau.

Besucher in Bunker
Besuch im Bunker: Die Anlagen auf der Hornisgrinde präsentierten sich am Sonntag in nebelverhangener Kulisse. Sie sind Mahnung, in Frieden miteinander zu leben. Foto: Susanne Abels

Der 11. September ist seit dem Jahr 2001, seit dem Tag der Terroranschläge in den USA, ein besonderes Datum, das immer wieder an die katastrophalen Folgen von Unfrieden und Gewalt in allen Gegenden der Welt erinnert.

In diesem Jahr fiel auf den 11. September der „Tag des offenen Denkmals“, der unter dem Motto „KulturSpur. Ein Fall für den Denkmalschutz“ stand. Gemeint damit sind Fragen wie: Welche Hinweise aus der Vergangenheit zeigen sich in der erhaltenen Bausubstanz? Was ist ihre Botschaft für die Zukunft?

Eine Möglichkeit, in diesem Sinn auf Spurensuche zu gehen, historische Bauwerke als „Tat-Orte menschlichen Handels“ zu sehen und zu verstehen, boten in der Region viele verschiedene Plätze, in Achern zum Beispiel die ehemalige Heil- und Pflegeanstalt Illenau mit den Werkstätten und der Reithalle.

Kommandobunker auf Hornisgrinde hat besondere Aktualität

Orte, an denen unsere Vorfahren oft unter großen Mühen ihr tägliches Brot verdient haben, sind der Kühnerhof in Sasbach oder Vollmers Mühle in Seebach oder die Hammerschmiede in Ottenhöfen – sie alle waren am Sonntag für Besucher geöffnet.

Besondere Aktualität hatten in diesem Jahr Bauwerke, die an die Kriege erinnern, die in der Vergangenheit auch in unserer Gegend getobt haben. In Kehl war das der Tarnbunker Neumühl und auf der Hornisgrinde der französische Kommandobunker neben dem Aussichtsturm.

Es war eine eigenartige Stimmung dort oben an einem feuchten, nebligen Herbstmorgen; schon auf der Schwarzwaldhochstraße waren die Fahrzeuge nur schemenhaft zu erkennen. Der Fußweg über die Fahrstraße, die vom Mummelsee zum Gelände um den Turm herum führt, war ungewohnt still und ein wenig unheimlich.

Den Besucher erwarten zunächst die Torpfosten des bis in die neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts abgeschlossenen militärischen Sperrgebiets. Man kann die Reste des Stacheldrahtzauns im Wald erkennen und das verlassene Wachhaus mit seinen zerbrochenen und vergitterten Fenstern.

Ein paar Meter weiter ragt der Hornisgrindeturm in den Nebel, und unscheinbar zu seinen Füßen findet sich die geöffnete Tür zu dem einzig noch verbliebenen Bunker. Große Teile der Anlage waren abgerissen worden, nachdem 1999 die französischen Streitkräfte ihre Stellung auf der Hornisgrinde verlassen hatten.

Das Meiste, was wir heute über die militärischen Anlagen wissen, hat Friedrich Wein aus schriftlichen Quellen und Aussagen von Zeitzeugen zusammengetragen und in einem Buch veröffentlicht, so dass dieses Wissen erhalten bleibt. Er übernimmt auch mit großem Engagement Führungen durch den Bunker und das Gelände.

Besuch des Bunkers löst viele Fragen aus

Den Besuchern am Sonntag, es waren oft Familien mit Großeltern, Eltern und Kindern, schien sich die ernste Atmosphäre mitzuteilen, keine lauten Stimmen, viele leise Fragen an Väter und Großväter, großer Wissensdurst und auch Forscherdrang.

Haben die im Wald verstreut liegenden Stahlbetontrümmer auch zu den Anlagen gehört? Was ist eine Flak? Wer wurde mit den Antennen abgehört? Warum? Viele Fragen, die durch den Besuch des Bunkers bei den jungen Besuchern ausgelöst wurden.

Oft waren sie nicht einfach und schnell zu beantworten. Aber das Nachdenken bei Fragern und Befragten zeigt, welche Bedeutung der Blick in die Vergangenheit auch für Gegenwart und Zukunft hat: Wir leben in Europa, Frankreich und Deutschland vereint.

Wir brauchen keine Bunker mehr. Das ist jedenfalls die Hoffnung und der Auftrag, den die Besucher von der wolkenverhangenen Hornisgrinde mit zurück in den mittlerweile sonnigen Sonntagnachmittag nehmen.

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