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Debatte über Verkehrskonzept eröffnet

An der Nordtangente führt in Achern kein Weg vorbei

Notorisch überlastete Straße in der Innenstadt: Achern sucht nach Auswegen aus der Verkehrsmisere. Ein 400 Seiten starkes Verkehrskonzept soll nun dabei helfen.

Schwierige Aufgabe: Mit einem umfangreichen Konzept sucht die Stadt Achern nach Wegen aus dem drohenden Verkehrskollaps in der Innenstadt. Durch die Hauptstraße quälen sich täglich 14.000 Fahrzeuge. Foto: Roland Spether

„Grundlage und Handlungsanleitung für die nächsten Jahre“ – das und nichts weniger erwartet Oberbürgermeister Klaus Muttach vom Verkehrskonzept für die Große Kreisstadt Achern.

Zwei Stunden nahm sich der Bau- und Umweltausschuss am Montagabend Zeit, um das vom Karlsruher Planungsbüro Gevas erarbeitete 400-Seiten-Papier ausführlich unter die Lupe zu nehmen. Am Ende stand eine „zustimmende Kenntnisnahme“. Das letzte Wort hat nun der Gemeinderat.

Erklärtes Ziel ist die Verbesserung der Situation aller Verkehrsteilnehmer, wie Gevas-Verkehrsplaner Christoph Hessel erläuterte. Mit der Umsetzung von Maßnahmen auf der Grundlage dieses Konzeptes wolle man die Lebensqualität der Bürger ebenso wie die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt und die Attraktivität des Einzelhandels steigern.

Mobilitätsdrehscheiben in Planung

Das Konzept enthält Verbesserungsmaßnahmen für den fließenden und ruhenden Verkehr ebenso wie Vorschläge zur Verbesserung des Netzes für Fußgänger und Radfahrer sowie für den öffentlichen Nahverkehr.

Ein weiterer Vorschlag betrifft den Bau von drei Mobilitätsdrehscheiben am Bahnhof, in der Wilhelm-Schechter-Straße und am Rathaus Illenau, an denen die verschiedenen Verkehrsmittel ausgeliehen, geladen und miteinander verknüpft werden können.

Mit Blick auf die starke Verkehrsbelastung – allein in der Hauptstraße sind täglich 14.000 Fahrzeuge unterwegs – machen die Verkehrsexperten wenig Hoffnung auf wirksame Lösungen: Die als Hauptursache ausgemachten hohen Verkehrsmengen könnten, so ist zu lesen, allein durch die Vermeidung oder Verlagerung des Individualverkehrs auf andere Verkehrsmittel reduziert werden.

Empfohlen werden neue Tempobeschränkungen in verschiedenen Ortsteilen sowie in der Hauptstraße, der „optimierte Ausbau“ der Fautenbacher Straße mit der Ergänzung durch Abbiegespuren, vor allem aber der Bau der Nordtangente, die nicht nur die Zufahrt zum künftigen Klinikum im „Brachfeld“ sicherstellt, sondern auch eine neue Straßenverbindung von der Infrastrukturstraße zur Sasbacher Straße schafft.

Nach den Berechnungen der Gevas-Ingenieure würde diese neue Straße von täglich 13.000 Fahrzeugen befahren und damit zu einer deutlichen Entlastung der Innenstadt beitragen.

Nach Einschätzung von Oberbürgermeister Klaus Muttach führt deshalb an der Nordtangente „kein Weg vorbei“. Vom Tisch sind nach dem Verlauf der Diskussion die Fortführung der Nordtangente in Richtung Sasbachwalden, aber auch die Südwest-Tangente zwischen der Landesstraße 87 und der Allerheiligenstraße.

Dynamisches Parkleitsystem soll Suchverkehr verringern

Das Parkraumkonzept sieht die Ausweisung verschiedener Zonen mit unterschiedlichen Gebührenmodellen – je näher zum Stadtzentrum, desto teurer wird der Parkplatz. Der Aufbau eines dynamischen Parkleitsytems soll den Autofahrern den Weg zu freien Parkplätzen weisen und gleichzeitig den sogenannten Park-Suchverkehr verringern.

Um die öffentlichen Verkehrsmittel attraktiver zu machen, sieht das Konzept weitere Verbesserungsmaßnahmen für das Rufauto vor, das bereits von Dezember an nach einem erweiterten Fahrplan zwischen der Kernstadt und den Acherner Stadtteilen unterwegs ist. Ferner fordert Oberbürgermeister Klaus Muttach ein neues Bahngleis, das den Bahnhof mit dem künftigen Klinikum verbindet.

Sprecher aller im Gemeinderat vertretenen Parteien begrüßten das Verkehrskonzept. „Der Fahrplan steht“, freute sich CDU-Fraktionschef Karl Früh, der die Gelegenheit nutzte, um unter Missachtung aller geltenden Redezeitbegrenzungen ausführlich ein von den Acherner Christdemokraten erarbeitetes Verkehrskonzept „Achern-Plus“ mit eigenen Vorschlägen präsentierte.

„Den Durchgangsverkehr reduzieren und die Verlagerung auf öffentlichen Nahverkehr und Fahrrad fördern – darüber herrscht Konsens“, meinte Gebhard Glaser im Namen der Freien Wähler, während Manfred Nock (ABL) Qualität und Quantität des Konzepts lobend hervorhob.

Auch die Grünen lobten die Arbeit der Verkehrsplaner: „Viele positive Aspekte“ fand Nils Günnewich. Markus Singrün (SPD) empfahl, das Konzept als „guten Start“ zu betrachten und es in Zukunft immer wieder auf den Prüfstand zu stellen.

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