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Trotz fehlender Mietpreisbremse

Auch in Achern haben Vermieter keine „grenzenlose“ Freiheit

Die Mietpreise in Achern kennen seit Jahren nur eine Richtung - nach oben. Die Stadtverwaltung hofft, dass sich daran mit dem Bau zahlreicher Wohnungen etwas ändern wird. Ein Immobilien-Experte glaubt nicht daran.

Knappes Angebot, hohe Nachfrage: Die Mieten in Achern kannten in den vergangenen Jahren nur eine Richtung – nach oben. Ob sich durch die in großer Zahl projektierten Neubauten daran viel ändert, ist umstritten. Das Bild zeigt das neue Wohnquartier in der Kirchstraße Foto: Roland Spether

Acht Euro pro Quadratmeter: Auf etwa diesem Niveau sind in Achern die Mietpreise angelangt. Es geht natürlich günstiger oder auch teurer – je nach Zustand und Lage der Wohnung. Teuer oder nicht: In Achern sind die Vermieter in ihrer Preisgestaltung frei.

Eine Mietpreisbremse gibt es hier, anders als etwa in Kehl, Lahr und Offenburg, nicht. ABB-Redakteur Michael Moos hat Fragen und Antworten zu diesem Thema zusammengestellt:

In Baden-Württemberg gibt es eine Neuordnung bei der Mietpreisbremse. Für einige Kommunen gilt sie nicht mehr, andere kommen hinzu. Was sind die Hintergründe?

Als die Regierung das Instrument vor fünf Jahren einführte, trat es in 68 Städten und Gemeinden in Kraft. Nach der Neuordnung in diesem Jahr sind 31 Kommunen herausgefallen, dafür aber 52 hinzugekommen. Die Mietpreisbremse soll ihre Kraft dort entfalten, wo der Wohnungsmarkt angespannt ist. Um herauszubekommen, wo das der Fall ist, hat das Land fünf Kriterien angelegt: das Verhältnis von Wohnungsnachfrage zum Wohnungsangebot, die Wohnungsversorgung für Neubürger, das Verhältnis von verfügbarem Nettoeinkommen zur Bruttowarmmiete, die Höhe und Entwicklung der Mieten in den vergangenen Jahren sowie die Di fferenz zwischen Vergleichsmieten für Bestands- und Neuverträge. Bedarf für die Mietpreisbremse sieht das Land nur in Kommunen, in denen mindestens vier der fünf Faktoren gewisse Schwellenwerte erreichen.

Wie sieht es mit der Mietpreisbremse in Achern aus?

In Achern galt die „Mietpreisbremse“ für Neuvermietungen bisher nicht und wird auch in naher Zukunft nicht gelten. Für Achern sieht man die ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit Mietwohnraum zu angemessenen Bedingungen nicht als besonders gefährdet an.

Haben Vermieter in Achern eine „grenzenlose“ Freiheit – und wird diese „Freiheit“ tatsächlich ausgenutzt?

Das Bürgerliche Gesetzbuch sowie die umfangreiche Rechtsprechung zum Mietrecht setzen dem Vermieter nach Einschätzung der Stadtverwaltung sehr wohl „Grenzen“. So weist man im Rathaus darauf hin, dass es sich bei der Mehrzahl der Vermieter in Achern und Umgebung in der Regel nicht um Unternehmen mit einem riesigen Wohnungsbestand, sondern zumeist um Kleinvermieter handelt, die durchaus bemüht seien, eine faire Miethöhe zu vereinbaren. Allerdings führen steigende Bodenpreise und höhere Baukosten zwangsläufig auch zu höheren Mieten, wobei auch nicht bestritten werden kann, dass sich der Standard und die Anforderungen an Neubauten von Wohnhäusern und damit auch an Wohnungen in den letzten Jahrzehnten erheblich verändert haben.

Hat die Stadt einen Überblick über die durchschnittlich verlangten Mieten in der Kernstadt und den Stadtteilen?

Nein, in Achern gibt es keinen Mietspiegel. In einschlägigen Internetdiensten findet man lediglich Anhaltspunkte. Bei „Immowelt“ beispielsweise ist zu lesen, dass für Achern nicht genügend Daten vorliegen und statt dessen Daten aus dem Ortenaukreis angezeigt werden.

Welche Auswirkungen auf die Mieten sind angesichts des Neubaus zahlreicher Wohnungen im Stadtgebiet zu erwarten?

Bereits bei der Entwicklung der Bebauungspläne für die Gebiete „Neues Wohnen an der Acher“, „Süwag-Gelände“, „Lott-Areal“ und „Illenauwiesen“ hatte Oberbürgermeister Klaus Muttach die Erwartung geäußert, dass die Zunahme des Angebotes an Wohnungen zu einer Entspannung auf dem Wohnungsmarkt führen wird. Daran knüpfte er die Erwartung, dass sich diese Entspannung letztlich auch auf die Mietpreise dämpfend auswirken wird.

Welche Bevölkerungsgruppen haben den größten Bedarf an Mietwohnungen?

Grundsätzlich geht man im Rathaus davon aus, dass es vor allem einen Bedarf an preisgünstigem Wohnraum gibt Sie erwartet, ein großes Angebot an neuem Mietraum auch zur Freisetzung von älteren und damit preisgünstigen Mietwohnungen führen wird. Die Frage, welche Bevölkerungsgruppe am meisten betroffen sind, sei schwierig zu beantworten.

Was sagt der Immobilienfachmann?

Die Mieten kennen seit Jahren nur eine Richtung – nach oben. Das sagt Christian Bruder, Immobilienprofi bei der Sparkasse in Achern. Wurden im Jahr 2012 für eine Neubauwohnung 6,50 Euro pro Quadratmeter, sind es heute 8,50 bis neun Euro, bei kleineren Apartments gern auch mal zehn Euro. Bruder weiß: „Unter sechs Euro ist in Achern und Umgebung nichts zu bekommen.“ Nach Bruders Erfahrung gilt: „Jede auf den Markt kommende Wohnung könnte man fünf Mal vernieten.“ Eine „gewisse Entlastung“ des Markts sei durch die Projekte auf dem Süwag-Areal und auf dem Gelände der ehemaligen Glashütte zu erwarten: „Ob sich dadurch eine Mietpreisreduzierung einstellt, glaube ich, ehrlich gesagt, nicht.“

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