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Land für Ausnahmen

Außengastronomie im Winter? Was sich in und um Achern in Sachen Heizpilze tut

Können Corona-gebeutelte Gastwirte mit dem Einsatz von Heizpilzen auch in den kalten Monaten weiter eine Außengastronomie anbieten? In Baden-Württemberg appelliert das Land an die Kommunen, Ausnahmen zuzulassen. Was ist in und um Achern geplant?

Kern der Debatte: Heizpilze oder Heizstrahler sollen nach aktuellem Stand in keiner Gemeinde im Acherner Umland verboten werden: Die Unterstützung der heimischen Gastronomie durch eine länger mögliche Freiluft-Saion gehe vor. Foto: Gero Breloer/dpa

Sie werden wohl nicht wie die sprichwörtlichen Pilze aus dem Boden schießen: Noch können die Gäste gut draußen sitzen, aber ob Gastronomen in der kalten Jahreszeit in ihren Außenbereichen sogenannte Heizpilze aufstellen dürfen, als eine Art Notfall-Maßnahme für Corona-gebeutelte Wirte sozusagen, diese Frage wird bundesweit heiß diskutiert.

In vielen größeren Städten sind sie verboten; die Landesregierung hat angesichts der Pandemie und der schwierigen Situation der Branche jedoch an die Kommunen appelliert, Heizpilze zuzulassen. In Achern und der umliegenden Region gibt es bisher allerdings wenige bis gar keine entsprechenden Anfragen. Ja sagen würden die meisten Kommunen – trotz Umwelt-Bedenken – aber schon.

Achern würde Heizpilze „ausnahmsweise genehmigen“

„Ausnahmsweise genehmigen“ würde die Stadt Achern die Heizstrahler in Gartenwirtschaften, „auch wenn wir um die Umweltbelastung wissen“, heißt es auf Anfrage aus dem Rathaus: „Die Unterstützung der heimischen Gastronomie geht hier vor.“

Wichtig sei, dass die Geräte technisch einwandfrei seien und aufgrund der Brandgefahr in ausreichendem Abstand zu Besuchern und Passanten aufgestellt würden. In diesem Zusammenhang habe die Stadt zudem auf Antrag der Wirte die Sondernutzung für Gartenwirtschaften über den 30. September hinaus verlängert.

„Aufgrund der derzeitigen Corona-Situation ist das Aufstellen von Heizpilzen zur Verlängerung der Freiluft-Saison sicherlich eine praktikable Lösung. Eine dauerhafte Lösung im Hinblick auf den Umweltschutz ist es aber sicher nicht“, sagt Sonja Schuchter, Bürgermeisterin in Sasbachwalden, wo einzelne Gastronomen bereits in dieser Sache bei der Gemeinde nachgefragt hätten.

In Rheinau derzeit kein großes Thema

„Aufgrund unserer großen Anzahl an Gastronomie-Betrieben wird das Aufstellen auf jeden Fall ein Thema.“ Man werde die Entwicklung weiter beobachten und hoffe zudem auf ein insgesamt entspannteres kommendes Jahr.

In Rheinau habe das Ordnungsamt die Gastronomen wegen des Einsatzes von Heizpilzen in der Außengastronomie befragt, teilt die Stadt auf Anfrage mit: Aktuell seien keine im Einsatz, und das sei derzeit auch nicht angedacht – untersagt sei die Benutzung bisher nicht. Zum Umweltaspekt hoffe man „auf die Vernunft der Gastronomen und eventuell auf das Auslegen von Decken“.

„Viele Gastronomen sorgen sich im Hinblick auf den Herbst und Winter um ihre Zukunft, da die Menschen sich aufgrund der Corona-Pandemie in Innenräumen nicht wohl fühlen und Angst vor einer Infektion haben. Dadurch könnten im Winter die Umsätze in der Gastronomie erneut einbrechen“, fasst Laufs Bürgermeister Oliver Rastetter die Lage zusammen. „Da momentan eine Ausnahmesituation besteht, würden wir die Benutzung von Heizpilzen im Winter als Kommune nicht verbieten.“

Biogas-betriebene Heizpilze eine Alternative?

Die Belastung für die Umwelt könne durch den Betrieb der Heizpilze mit Biogas verringert werden; Wärmedecken seien kein praktikabler Ersatz für die Geräte, denn sie müssten nach jedem Gebrauch desinfiziert werden.

Während die Debatte sowohl in Kappelrodeck und Ottenhöfen als auch in Renchen bisher überhaupt kein Thema war, rechnet auch Seebachs Bürgermeister Reinhard Schmälzle nicht mit „Massen an Wirten“, die Heizpilze nutzen wollen – angefragt habe jedenfalls noch niemand.

Falls sich das noch ändert, sei der Einsatz „mit Maß und Ziel“ aber akzeptierbar. Die Frage nach dem Einsatz trotz der Umweltschädlichkeit der Geräte sieht er als nicht ganz verhältnismäßig an: Zwar werde bei dem Einsatz Energie verbrannt, „bei Flugzeugen, die womöglich halb leer durch die ganze Welt fliegen, fragt auch niemand, ob das sinnvoll ist“.

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