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300 Exponate geplant

Badisches Landesmuseum sichert sich Alde-Gott-Desinfektionsmittel für Coronavirus-Sammlung

Im Frühjahr brachte die Coronavirus-Pandemie auch viele regionale Unternehmen dazu, kreativ zu werden. Kreative Produkte will das Badische Landesmuseum ebenso wie Alltags-Dinge rund um Covid-19 in einer Sammlung verewigen. Vielleicht könnten die Exponate sogar eines Tages ausgestellt werden.

Der Sasbacher Apotheker Michael Becker hatte während der Corona-Pandemie in Zusammenarbeit mit der Winzergenossenschaft Alde Gott ein eigenes Desinfektionsmittel hergestellt. Seine Fläschchen sind jetzt in eine Corona-Sammlung des Badischen Landesmuseums in Karlsruhe aufgenommen worden. Foto: Michael Brück

Von unserem Mitarbeiter Michael Brück

Dass er einmal zu einer Museums-Sammlung beitragen würde, hatte sich Michael Becker nun wirklich nicht vorstellen können. Umso überraschter war der Inhaber der Lender-Apotheke in Sasbach dann auch, als er vor wenigen Tagen eine E-Mail vom Badischen Landesmuseum in Karlsruhe erhielt.

„Mich hatte eine Dame angeschrieben, die mich darum bat, dem Museum noch etwas von dem Desinfektionsmittel zur Verfügung zu stellen, dass wir im Frühjahr gemeinsam mit der Winzergenossenschaft Alde Gott entwickelt hatten“, erzählt der Apotheker.

Rund 300 Ausstellungsstücke geplant

Die Anfrage kam von Brigitte Heck, Leiterin des Referats Vokskunde und Oberkonservatorin für Alltags- und Landesgeschichte in Baden. In dieser Funktion hat sich die Museums-Mitarbeiterin daran gemacht, eine Sammlung zum Thema Corona-Pandemie anzulegen. „Die Zielgröße der Sammlung wird wohl so bei etwa 300 Exponaten liegen“, vermutet sie.

Bislang habe sie bei ihrer breit angelegten Suche nach Belegen von Mannheim bis nach Konstanz schon gut 180 Ausstellungsstücke ausfindig gemacht. Dabei sei sie auch auf ABB-Berichte zu den Desinfektionsmitteln gestoßen.

Die Flaschen sind ein großartiges Exponat, das im direkten Zusammenhang mit den Corona bedingten Versorgungs-Engpässen und dem damit verbundenen Erfindungsreichtum der regionalen Unternehmer steht.
Brigitte Heck, Leiterin des Referats Vokskunde und Oberkonservatorin für Alltags- und Landesgeschichte in Baden

Zunächst habe sie bei der Sasbachwaldener Winzergenossenschaft nachgefragt. Der geschäftsführende Vorstand Günter Lehmann habe sie dann aber an den Apotheker verwiesen. „Die Flaschen sind ein großartiges Exponat, das im direkten Zusammenhang mit den Corona bedingten Versorgungs-Engpässen und dem damit verbundenen Erfindungsreichtum der regionalen Unternehmer steht“, erklärt Brigitte Heck ihr Interesse an dem Desinfektionsmittel aus Sasbach.

Auch Poster mit Hygiene- und Abstandsregeln sind Teil der Sammlung

„Corona erlebe ich privat wie dienstlich als ein ‚Annäherungsphänomen‘, sagt Heck. Man finde sich allmählich in die Krise als zeitlich offenen Zustand ein und dennoch stünden die Themen Hygiene und Schutz von Beginn an im Zentrum. „Die Maske ist das key visual, das Schlüsselbild, und taucht natürlich in vielen Belegen und Kontexten in unserer Sammlung auf.“

In der Sammlung finden sich mittlerweile neben zahlreichen Fotos von Situationen, die den Alltag im Lockdown festhalten, auch zahlreiche Poster mit Hygiene- und Abstandsregeln, weitere Produkte rund um Hygiene und Sicherheit und sogar Backwaren, die ein Konditor als Corona-Amerikaner mit einer Mundschutz-Glasur überzogen hatte. Bei letztgenanntem Exponat wird derzeit aber noch geprüft, wie sich das süße Teilchen für unsere Nachkommen archivieren lässt.

Für Michael Becker war die Anfrage aus Karlsruhe ein Moment der Rückbesinnung. „Es war eine unglaublich mühsame Angelegenheit, diese Produkte zu entwickeln. Und ohne das große Engagement von Seiten der Winzergenossenschaft hätten wir das auch niemals umsetzen können“, sagt der Apotheker.

Neben dem Einkauf des benötigten Alkohols sei auch die Beschaffung von Glas- und Kunststoff-Fläschchen verschiedenster Größen, oder auch von Dispensern und Zerstäubern besonders zeitraubend gewesen. „Die meisten dieser Artikel kommen aus China. Und zu dieser Zeit lief da ja fast gar kein Warenverkehr mehr. Da fast alles ausverkauft war, konnten wir nur noch damit arbeiten, was wir irgendwo noch auftreiben konnten.“ Nochmal, so sagt der Apotheker, werde er das wohl nicht mehr machen. „Aber zu dieser Zeit wurde Desinfektionsmittel einfach gebraucht. Da konnte ich auch nicht einfach zusehen.“

Apother freut sich, es ins Museum geschafft zu haben

Eine Ausstellung der Corona-Exponate ist derzeit noch nicht geplant. Zunächst wird die Archivarin die Sammlung im Museumslabor „Museum X“ in Karlsruhe in Workshops vorlegen und bearbeiten lassen. „.Die daraus resultierenden Statements, Neuzugänge und Diskussionen fließen dann ebenfalls in die Sammlungsdatenbank ein“, so Brigitte Heck. Ob daraus dann eine Ausstellung, eine offene Datenbank, eine Publikation oder anderes werde, sei noch nicht abschließend geklärt.

Ich freue mich einfach, dass es diese Idee bis ins Museum geschafft hat. Und wer weiß, irgendwann stehen meine Enkelkinder vielleicht mal in einer großen Ausstellung und sagen: Schaut mal, das hier hat Opa gemacht.
Michael Becker, Inhaber der Lender-Apotheke in Sasbach

Für Michael Becker ist das derzeit auch noch unerheblich. „Ich freue mich einfach, dass es diese Idee bis ins Museum geschafft hat. Und wer weiß, irgendwann stehen meine Enkelkinder vielleicht mal in einer großen Ausstellung und sagen: Schaut mal, das hier hat Opa gemacht“, sagt er und lacht herzlich. Jetzt wird er erst einmal sein Lager räumen. Denn noch hat er einige Flaschen seines Desinfektionsmittels im Vorrat stehen.

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