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Pläne für die Zukunft

Becker-Mythos allein reicht für Tennisclubs in der Region Achern nicht mehr

Boris Becker: Er war der deutsche Tennisheld und lockte in den späten 1980er und den 1990er Jahren Heerscharen zum Tennis. Doch der Mythos allein reicht nicht mehr. Was machen die Clubs in der Region, um für die Zukunft fit zu sein?

Becker-Hecht: Der Einsatz des Leimener Tennisstars Boris Becker elektrisierte die Massen, und die strömten auch in der Region in die Clubs. Doch solche Charaktere fehlen dem deutschen Tennis derzeit.
Becker-Hecht: Der Einsatz des Leimener Tennisstars Boris Becker elektrisierte die Massen, und die strömten auch in der Region in die Clubs. Doch solche Charaktere fehlen dem deutschen Tennis derzeit. Foto: Rüdiger Schrader/dpa

Becker-Hecht, Becker-Faust und glänzende Jahre für das deutsche Tennis. Nun sitzt er, der Boris Becker, der vorläufige Tiefpunkt einer einst glänzenden Karriere. Sechs Grand-Slam-Titel, damals jüngster Wimbledon-Sieger und das als Deutscher, der Mann aus Leimen elektrisierte die Massen.

Und die strömten, zusätzlich noch inspiriert durch eine ebenso fabelhafte Steffi Graf, in die Tennisvereine. „Es war ein Boom“, erinnert sich Jürgen Hurst. Deutschland agierte auf der ganz großen Bühne des Welttennis, „und jeder wollte dazu gehören“, so der Vorsitzende des Tennisbezirks Mittelbaden.

Das unterschreibt sein Pendant im Bezirk 3 (Oberrhein-Breisgau), Edgar Faller, der damit auch für die Clubs im nördlichen Ortenaukreis verantwortlich zeichnet. Doch wie geht es denen? Fakt ist, sie müssen sich etwas einfallen lassen.

Der Becker-Boom ist vorbei.

So sieht es Wolfgang Harter, der Vorsitzende des TC Ottenhöfen. Der Verein setzt in Sachen Nachwuchswerbung auf die Kooperation mit der örtlichen Grundschule. Sportstunde auf dem Tennisplatz, mit professionellem Trainer, das soll den Kindern Lust auf den weißen Sport machen.

Nachwuchs ist rar

Denn Nachwuchs ist, wie überall, ziemlich rar, Spielgemeinschaften mit anderen Vereinen im Jugendbereich oft unumgänglich. Allerdings haben die Ottenhöfener auch noch einiges an Eigenkapital: So die Herren40, die in der 1. Bezirksliga spielen.

Edgar Faller, gebürtig in Bühl-Neusatz und dereinst Fußballer beim SV Neusatz am Felsenrain, konstatiert, der Becker-Mythos sei durchaus noch präsent. In vielen Clubheimen hängen noch die Fotos aus den großen Zeiten, Bilder, die Becker ebenso zeigen wie Stefanie Graf, wie Michael Stich oder Anke Huber. Geschichte(n).

Derzeit, das sieht auch Jürgen Hurst so, derzeit sei Deutschland im internationalen Tennis nicht gerade führend. Gut, es gibt Alexander Zverev, den Einzel-Gold-Gewinner der Olympischen Spiele in Tokio und aktuell Dritter der ATP Weltrangliste. Es gibt Angelique Kerber, es gibt Andrea Petković, auch mit tollen Leistungen. Aber in die Vereine drängen die Badener auch in der Region Achern deshalb nicht.

Mitgliederzuwachs in Corona-Zeit

Geht es um Idole, sieht Wolfgang Harter übrigens eher den Schweizer Star Roger Federer vorn, „ein Sympathieträger“, wie er sagt, aber eben kein Deutscher.

Allerdings gehen die Mitgliederzahlen im Badischen Tennisverband (BTV) nach oben. Doch das lässt sich mit der Corona-Pandemie begründen. Wie Golf zum Beispiel sei es möglich, diesen Sport auch draußen auszuüben, immer mit dem nötigen Abstand, verdeutlicht Faller. Drei Prozent Mitgliederzuwachs verzeichnete der BTV zuletzt. Dazu kommt, Tennis lässt sich bis in hohe Alter spielen. „Wir haben Spieler, die sind jenseits der 80“, berichtet Wolfgang Harter.

Und wie ist das jetzt mit dem Nachwuchs? In der U15 gibt es im Einzugsbereich des Bezirks 3 Julia Stusek. Sie kommt aus Rheinfelden, spielt inzwischen in Heidelberg und gilt laut Faller als „hoffnungsvolles Talent“, manche Experten sehen in ihr gar die nächste Anke Huber. Man muss sich schinden, vieles hinten anstellen, wer gibt sich das noch? Es benötigt Eltern, die ihre Kinder zu Turnieren fahren. „Da ist schnell mal ein Samstagnachmittag weg“, sagt Faller.

Keine Nachwuchsprobleme beim TC Achern

Dennoch: Tennis hat weiter seine Fans, auch bei der Jugend. „Bei uns gibt es aktuell kein Nachwuchsproblem. Unsere Jugend ist gut aufgestellt und auch erfolgreich“, berichtet Lisa Koch vom TC Rot-Weiß Achern. „Gründe dafür sind unserer Meinung nach das gute Training, das wir anbieten, und die Möglichkeit, durch die Halle, ganzjährig zu trainieren und zu spielen“, so die Presseverantwortliche weiter.

Doch es bedarf einiger Arbeit: Der TC Achern investiere kontinuierlich in seine Anlage und zeigt sich dabei innovativ. So soll die Halle ein „Wingfield“ erhalten. Über Kameras werden dort Spiele oder Trainings aufgenommen, durch die mögliche „Videoanalyse“ können Schlagtechnik und Spieltaktik verbessert werden, ebenso das Training, so Lisa Koch.

Die Halle, ein unschlagbarer Vorteil. Viele Vereine haben keine, was natürlich im Winter Grenzen setzt. Jürgen Hurst schildert noch eine weitere Entwicklung: Immer mehr Kinder machen zu wenig Sport, die Vereine spüren das. Und die Zukunft? Edgar Faller verweist auf den TC Wittelbach im gleichnamigen Seelbacher Ortsteil (bei Lahr).

Gut 600 Einwohner, rund 200 Mitglieder. Der Kunstrasen ermöglicht ganzjähriges Training, und wer auf die Homepage schaut, sieht mit Anfänger-Kursen im Tennis Angebote wie Freiluft-Yoga oder Mentaltraining. Die Zukunft des Tennissports braucht gute Ideen, da müsse man auch links und rechts des Courts schauen, sagt Wolfgang Harter, Stillstand sei das Schlimmste für einen Verein.

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