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Für junge Menschen mit Einwanderungsgeschichte

Bildungsstipendium für Acherner Schüler

Der Zehntklässler strahlt. Er sitzt an seinem neuen Laptop und sucht sich aus, welche Bildungsangebote er zusätzlich zur Schule wahrnehmen will. Mustafa Hussein hat ein Stipendium bekommen - Workshops, Ausflüge, Besichtigungen und ein digitaler Campus warten auf ihn.

Mustafa Hussein: Der Acherner Zehntklässler hat ein Stependium bekommen. Foto: Michaela Gabriel

Drei Jahre lang fördern die Start-Stiftung und die Dieter Schwarz Stiftung junge Menschen mit Einwanderungsgeschichte. 189 Jugendlichen wurden gerade neu in das Programm aufgenommen. Knapp 1.800 Interessenten hatten sich darum beworben. Mustafa Hussein aus Achern ist einer von 23 jungen Leuten aus Baden-Württemberg, die ausgewählt wurden. Ihre Wurzeln reichen von Afghanistan bis Kolumbien. Er selbst kam mit seiner Familie 2015 auf dem Irak nach Achern.

Monika Huber vom Verein Achern Miteinander habe seiner Mutter von dem Stipendium erzählt, berichtet der 16-Jährige. Er habe sich beworben und von seiner Klassenlehrerin Vanessa Brunner ein Empfehlungsschreiben bekommen.

Am Ende der Sommerferien habe es ein Kennenlern-Treffen an der Akademie für innovative Bildung und Management (aim) in Heilbronn gegeben. Am vergangenen Wochenende sei sein Vater mit ihm zur Aufnahmefeier nach Heilbronn gefahren. Von einem Empfang, Fotos und einer Urkundenübergabe erzählt er. „Und sie haben uns gesagt, was sie uns mitgeben wollen“, so der Schüler. Das Beste sei gewesen, dass er mit den anderen Jugendlichen viel Spaß gehabt habe: „Es war sehr spannend mit denen zu reden.“

Entscheidend ist für die Träger des Projekts, dass ihre Stipendiaten den Willen mitbringen, etwas zu bewegen. „Wir möchten Schülerinnen und Schüler fördern, die früh soziale Verantwortung übernehmen und zeigen, dass sie sich aktiv und nachhaltig einbringen“, wird Silke Lohmiller, Geschäftsführerin der Dieter Schwarz Stiftung mit Sitz in Neckarsulm, zitiert.

Viele Termine für den Teenager aus Achern

In der von ihr mit unterzeichneten Teilnehmerurkunde heißt es: „Das Start-Bildungs- und Engagement-Programm unterstützt dich darin, deinen Platz in unserer Gesellschaft auszugestalten und dich weiterhin zu einer verantwortungsvollen Persönlichkeit zu entwickeln.“

Verpflichtende und freiwillige Angebot kann Mustafa Hussein jetzt wahrnehmen und bekommt dafür auch ein Bildungsgeld. Bei einem Treffen in Stuttgart ging es kürzlich darum, ein Video zum Thema Umweltschutz zu drehen. Es soll dieses Wochenende bei einer zweitägigen Online-Konferenz der Akademie bewertet werden. Demnächst fährt der 16-jährige für ein Wochenende nach Mannheim, wo die Stipendiaten unter anderem eine KZ-Gedenkstätte besuchen.

Nur wenige Monate nach der Ankunft seiner Familie aus dem Irak in Achern kam der damals zehnjährige Mustafa mitten im fünften Schuljahr aufs Gymnasium Achern. Seit drei Jahren ist er Klassensprecher. „Ich schlage öfter Verbesserungen vor. Zum Beispiel, dass wir Schüler einen Teil des Unterrichts selbst gestalten. Bei manchen Lehrern hatte ich schon Erfolg“, erzählt er. Nach dem Abitur will er Wirtschaftsingenieur werden. In seiner Freizeit spielt er Gitarre und fotografiert gern mit seinem Handy.

2015 nach Deutschland gekommen

Zusammen mit seinen Eltern und zwei jüngeren Geschwistern lebte der junge Mann ab 2015 zwei Jahre in der Flüchtlingsunterkunft in der Hornisgrindestraße zu fünft in einem Zimmer. Danach zogen sie in eine Zweizimmerwohnung in der Allerheiligenstraße.

Seit diesem Sommer lebt die Familie in einer großen Wohnung in Fautenbach, wo der Schüler jetzt ein eigenes Zimmer hat. Eine große Sache ist für ihn auch die Niederlassungserlaubnis, die er kürzlich bekam. Seine Familie habe jetzt eine Aufenthaltserlaubnis, nachdem sie sechs Jahre geduldet waren.

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