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fischer group trotzt der Krise

Brennstoffzelle made in Achern: wie die fischer group der Krise trotzt

Bei den Autozulieferern fürchten viele Menschen um ihre Jobs. Nicht so in Achern-Fautenbach. Dort setzt die fischer group als führender Hersteller von Edelstahlrohren auf neue Produkte, um die Abhängigkeit von den Autoherstellern zu vermindern.

Spezialist für Edelstahlrohre: Die Fautenbacher fischer group ist in hohem Maß abhängig von der Automobilindustrie, engagiert sich zunehmend aber auch anderen Bereichen wie etwa der Batterie- und Brennstoffzellentechnik Foto: fischer group

„Wie mit Tempo 100 gegen die Wand.“ So beschreibt Hans-Peter Fischer die Auswirkungen des Corona-Stillstands im Frühjahr. Der Geschäftsführende Gesellschafter der fischer group in Fautenbach rechnet für das Jahr 2020 mit Umsatzeinbußen „von 20 bis 25 Prozent“. Die gute Nachricht: Trotz des erzwungenen Produktionsstopps gab es bislang bei Fischer keine betriebsbedingten Kündigungen - und diese soll es am Standort Achern weiterhin nicht geben.

Anlass für Betriebsversammlungen sah die Fautenbacher fischer group in ihrer Geschichte nicht allzu oft. 2008 gab die allgemeine Finanzkrise dazu einen Anlass, nun war es die Corona-Pandemie. 2008 beschäftigte der Fautenbacher Edelstahlspezialist 440 Mitarbeiter.

Überstunden sorgen für Polster

Seitdem ging es steil bergauf: Heute sind es dank immer neuer Umsatzrekorde gut doppelt so viele. Sie hatten am vergangenen Wochenende Gelegenheit, sich die Einschätzung der Geschäftsleitung zur allgemeinen Lage anzuhören. Wie so viele Beschäftigte, war auch die Fautenbacher Belegschaft von Kurzarbeit betroffen. Zugute kam der Firma aber auch das dicke Polster geleisteter Überstunden, wie die Unternehmensleitung lobend hervorhob.

Die Autobranche ächzt unter den Auswirkungen der Krise. Die allgemeine Lage in der deutschen Automobilindustrie sieht man auch in der Fischer-Führungsetage weniger rosig. Anlass zur Sorge geben nicht allein sinkende Zulassungszahlen, sondern vor allem auch die von den deutschen Herstellern angestoßene Produktionsverlagerung ins außereuropäische Ausland.

Das Fautenbacher Unternehmen, dessen Produkte sich in Zeiten der immer komplexer werdenden Abgastechnik bei Verbrennermotoren einer stets starken Nachfrage erfreuten, ist von der Entwicklung der Branche in hohem Maß betroffen: „Wir sind zu 70 Prozent von der Automobilindustrie abhängig“, berichten Hans-Peter Fischer und der kaufmännische Geschäftsführer Björn Weber im Gespräch mit dem ABB.

Batterie und Brennstofzelle reif für den Verkauf

Um diese Abhängigkeit auch mit Blick auf den erwarteten Boom bei elektrisch angetriebenen Fahrzeugen zu vermindern, ist man bei Fischer seit Jahren auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern. Die hat man mit der Brennstoffzelle und einer eigenen Batterietechnik gefunden. „Beide Produkte sind reif für den Verkauf“, so Fischer.

Dabei geht es nicht etwa um den mobilen Einsatz, als vielmehr um Backup-Lösungen, beispielsweise in der Telekommunikation: „Bei der Sicherstellung der Notstromversorgung für die neuen digitalen BOS-Notrufsysteme wollen wir mit unserer Brennstoffzelle dabei sein“, so Fischer. „Diese Systeme müssen 72 Stunden funktionieren.“ Weitere Einsatzmöglichkeiten für die Zelle sieht Fischer beim Ausbau des 5G-Netzes als Voraussetzung für autonomes Fahren.

Doch nicht nur mit Brennstoffzelle und Batterie befindet sich das Fautenbacher Unternehmen auf Innovationskurs: „Wir sind dabei, Lösungen für geschweißte Edelstahlrohre für die Durchleitung von Wasserstoff zu qualifizieren“, berichtet Hans-Peter Fischer. Für diesen Zweck seien diese bislang nicht zugelassen.

Betriebserweiterung nicht ausgeschlossen

Und dann wagt Fischer noch einen Blick in die Zukunft: Noch in diesem Jahr werde über eine weitere Produktionserweiterung entschieden. Um was es genau geht, will er noch nicht sagen. Nur so viel: „Es handelt sich um eine neue Technologie am Automobil – und zwar unabhängig vom Antrieb“. Um die räumlichen Voraussetzungen zu schaffen, wäre allerdings eine erneute Betriebserweiterung nötig.

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